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Klimakiller ReisenTourismus für acht Prozent der Treibhausgase verantwortlich

Reisen ist schön, macht aber viel Schmutz – der Genuss auf einem Kreuzfahrtschiff ist allerdings ohnehin umstritten. Wer hier mitfährt schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch direkt sich selbst – statt frischer Meeresbrise atmen die Kreuzfahrer hier vor allem Dieselabgase und jede Menge Feinstaub. (Foto: pixnio / Creative Commons CC0)

Australische Forscher warnen in einer neuen Studie, dass der weltweite Tourismus klimaschädlicher ist als bislang bekannt. Gesteigerter Konsum auf Reisen ist in die Rechnung mit einbezogen worden. Am schwersten wiegen Flug- und Schiffsreisen.

10.05.2018 – Das australische Team um Forscherin Arunima Malik an der University of Sydney bezog bei der aktuellen Untersuchung nicht nur die Auswirkungen von Transportmitteln und Hotels in ihre Analyse ein: Die Wissenschaftler wollten einen globalen Blick auf die „wahren Kosten des Reisens“ werfen. Denn in bereits vorliegenden Studien würden die gesamten Lieferketten in Bezug auf den Tourismus nicht vollständig abgedeckt. Daher seien bislang auch keine echten CO2-Fußabdrücke dargestellt worden, so die Forscher. Aktuell wurden daher nun auch die klimaschädlichen Auswirkungen von Speisen außer Haus sowie Souvenireinkäufe u. ä. mit einbezogen.

Deutschland auf Platz 3 der reisewütigen Treibhausgasverursacher

Das Team stützte sich auf Daten aus 189 Ländern. Ihr Fazit: Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase durch den Tourismus weltweit beläuft sich auf rund acht Prozent der globalen Emissionen. Die größten Treibhausgasverursacher kommen aus den USA und China, gefolgt von Deutschland mit 329 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten, es folgen Indien, Mexiko, Brasilien, Kanada und Japan. Eine weiteres Ergebnis: Durch den Tourismus sei im Zeitraum von 2009 bis 2013 der Ausstoß von Treibhausgasen von 3,9 auf 4,5 Milliarden CO2-Äquivalente angestiegen ist – das bedeutet eine Steigerungsrate von 3,3 Prozent. Was laut Studie abzulesen ist: Der Treibhausgas-Emissionen durch Reisen erhöhen sich mit wachsendem Wohlstand – sogar überproportional. Eine Reduktion ist nicht in Sicht, im Gegenteil, der Wirtschaftszweig boomt – auch wenn derzeit in Krisengebieten die Zahlen zurückgehen verlagern sich die Ziele einfach.

Forscher raten zur Reduktion

Würde sich am gegenwärtigen Trend nichts ändern, schlagen die Forscher Alarm – dann könnte der reisebedingte klimaschädliche Ausstoß in sieben Jahren bereits 6,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente betragen. Besonders hoch ist der Ausstoß bei Reisen per Flugzeug. Die Forscher raten daher weniger zu fliegen und mehr Ausgleichsmaßnahmen für den CO2-Ausstoß zu bezahlen, sowie hohe CO2-Steuern und einen Emissionshandel speziell für den Flugverkehr. Die Berechnungen der Forscher berücksichtigten bei Flugreisen allerdings nicht den Ausstoß von Wasserdampf in großen Höhen – dabei ist Wasserdampf laut dem Klimaexperten Niklas Höhne vom New Climate Institute in Köln etwa dreimal so klimawirksam wie CO2.

Auch Kreuzfahrtschiffe zählen zu den großen Verursachern von Treibhausgas-Emissionen, doch trotz teilweise massiver Kritik steigt ihre Zahl und die Flotten sollen sogar weiter ausgebaut werden. Sowohl an Bord als auch in den Häfen erzeugen die schwimmenden Hotel- und Freizeitburgen gesundheitsschädliche Feinstaub- und Stickoxidemissionen, die weit über den Grenzwerten im Straßenverkehr liegen. Dabei wäre eine umweltschonendere Technik vorhanden, sie wird aber selten finanziert.

Beide Branchen – Flug und Schiff – werden auch noch steuerlich gefördert. Das müsste sich zuallererst einmal ändern.

Reisen statt konsumieren

Reisen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Heute wollen alle reisen, immerzu und überallhin mit viel Komfort – ein luxuriöser Zeitvertreib mit Folgen. Der französische Philosoph Blaise Pascal hat die Problematik bereits im 17. Jahrhundert zugespitzt umschrieben. „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“ Früher war das Reisen nur wenigen Menschen vorbehalten, es waren Reisen mit vielen Entbehrungen, aber auch Erkenntnissen. Heute ist der Erkenntnisgewinn oft gering. Reisen ist für viele einfach nur eine weitere Form des scheinbar uneingeschränkten Konsums. Wenn sich das nicht ändert, werden wir irgendwann wohl im Zimmer bleiben müssen, weil es draußen zu unwirtlich geworden ist. Akzeptable Alternativen gibt es aber immer – vor allem bei einem solchen Luxusthema. na


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