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Deal zwischen E.ON und RWEDer Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt wird leiden

Bild der Zentrale von E.ON in Essen. zwei Glastürme, vor einer Straße.
Der Energiekonzern hat seinen Hauptsitz in Essen, im Ruhrgebiet. Über 43.000 hat das Unternehmen. Mit der Übernahme von Innogy kommen noch einmal mehr als 40.000 Mitarbeiter hinzu. Bis zu 5.000 Stellen sollen jedoch insgesamt abgebaut werden. (Foto: Wiki05, CC0 Public Domain)

Endkundengeschäft, Netze und Ladeinfrastruktur für E-Autos – durch den final genehmigten Deal mit RWE, erhält E.ON eine marktbeherrschende Stellung im deutschen Energiegeschäft. Die wenigen Auflagen sind eine Farce. Der Wettbewerb wird leiden.

18.09.2019 – Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission haben den Deal zwischen E.ON und RWE final genehmigt, die RWE-Tochter Innogy wird damit zerschlagen. Im Februar hatten die Verantwortlichen in Brüssel bereits den RWE-Teil des Deals durchgewunken. RWE wird die Stromproduktion von E.ON übernehmen. Darin enthalten: vor allem regenerative Energien. Auch von der künftig nicht mehr existierenden Innogy wird RWE das Erneuerbare-Energien- und Gasspeichergeschäft übernehmen. Zusätzlich erhält RWE 16,7 Prozent Aktienanteile von E.ON. Im Gegenzug sieht der Deal die Abgabe von Netzen und Endkundengeschäft von Innogy an E.ON vor.

Dieser Teil der Übernahme bedurfte einer genaueren Prüfung durch die EU und ihrer Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager. Die gab nun grünes Licht für den Deal, unter bestimmten Auflagen. Die Verpflichtungszusagen von E.ON würden sicherstellen, „dass der Zusammenschluss in den Ländern, in denen diese Unternehmen tätig sind, nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird," so Vestager. Als Auflagen verpflichtete sich E.ON unter anderem dazu, die meisten seiner Heizstromkunden in Deutschland abzugeben sowie 34 Ladestationen an deutschen Autobahnen. Auch solle die Fusion nicht zu höheren Preisen für die Endkunden führen.

„Lächerlich geringe Auflagen“

Andere Wettbewerber auf dem Energiemarkt kritisieren den Deal unter den Auflagen hingegen scharf. „Die Genehmigung des Deals mit solch lächerlich geringen Auflagen ist ein schwerer Rückschlag für den Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt und konterkariert die vor 20 Jahren begonnene Liberalisierung in diesem Feld“, sagt etwa Thomas Banning, Vorstandsvorsitzender von NATURSTROM. In Deutschland müsste E.ON gerade einmal 266.000 Heizstromkunden abgeben. Mit den neu hinzugewonnen Strom-, Heiz- und Gaskunden sowie allen Beteiligungen hingegen, beliefert E.ON bis zu 16 Millionen Endkunden künftig mit Energie. Und bei den Ladestationen wird E.ON mit der Übernahme von Innogy im direkten Besitz von über 1.600 Ladestationen sein. Der Verlust von 34 Ladestationen wiegt daher nicht allzu schwer. Auch behält E.ON an Autobahnen seine marktbeherrschende Stellung.

Für rund 67 Prozent der Kunden in Deutschland ist E.ON künftig der Grundversorger von Energie. Auch hält der Energiekonzern dann 50 Prozent der deutschen Verteilernetze. In einigen Netzgebieten könnte E.ON unabhängige, kommunale und mittelständische Anbieter binnen weniger Jahre aus dem Markt drängen, warnt Banning und fügt hinzu: „Das kann dazu führen, dass Stromkundinnen und -kunden in manchen Regionen zukünftig nur noch die Wahl zwischen unterschiedlichen E.ON-Töchtern und -Marken haben – der Wettbewerb wäre außer Kraft gesetzt, die Endverbraucherinnen und Endverbraucher müssten in der Folge mit steigenden Strompreisen rechnen.“

Im Zweifel von Wechselmöglichkeiten Gebrauch machen

Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, erwartet, dass E.ON durch ihre Marktmacht den Energiemarkt auf den Kopf stellen wird. "Ob das für die Privatkunden ein Nachteil wird, liegt vor allem an den Kunden selbst", so Sieverding gegenüber der dpa. Sie müssten in Zukunft ihre Stromtarife noch genauer beobachten und im Zweifel von Wechselmöglichkeiten Gebrauch machen. Vorausgesetzt die Wechselmöglichkeiten bestehen dann noch. Vor allem über die Einverleibung großer Teile des Netzgeschäftes wird E.ON hohe Renditen abwerfen, die es dem Energiekonzern ermöglichen, seine Marktmacht noch weiter auszubauen. Auch für den Klimaschutz sind das düstere Aussichten. Denn, so Banning: „Klimaschutz funktioniert am schnellsten und effizientesten im Wettstreit der Ideen, im Wettbewerb verschiedener Anbieter und Akteure.“ mf     


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