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Klimaschutzindex 2019Deutschland und die USA im freien Fall

Angela Merkel war einmal als „Klimakanzlerin“ in aller Munde, hat sich jedoch von diesem Titel inzwischen weit entfernt. Donald Trump dagegen präsentiert sich wiederholt als „Klimaleugner“. (Foto: Public Domain Mark 1.0)

Im Ranking der weltweit größten CO2-Emittenten und deren Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele rutschen Deutschland und die USA immer weiter ab. Dabei fordern inzwischen sogar führende Finanzkonzerne aus den beiden Ländern mehr Klimaschutz.

11.12.2018 – Deutschland im „mäßigen“ Mittelfeld, die USA auf dem vorletzten Platz, zwischen dem Iran und Saudi-Arabien – geht es um Maßnahmen zum Klimaschutz sind andere Länder aktuell Vorreiter. Zu diesem Ergebnis kommen Germanwatch und das NewClimate Institute in ihrem jährlich erscheinenden Klimaschutzindex, der die 56 größten CO2-Emittenten weltweit in den Bereichen Emissionen, Energieverbrauch, Erneuerbare Energien und Klimapolitik von Experten aus den jeweiligen Ländern bewerten lässt.

Während die ersten drei Plätze frei bleiben, als Symbol dafür, dass in keinem einzigen Land weltweit genug für den Klimaschutz getan wird, kommen Schweden und Marokko den Ansprüchen der Experten noch am nächsten. Marokko baut aktuell mit großer Vehemenz seinen Erneuerbaren Energiensektor aus und will bereits in zwei Jahren 42 Prozent seines Verbrauchs mit eigens produzierten grünen Strom decken und unabhängig von Stromimporten werden. Auch Schweden werden gute Werte beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Verringerung des CO2-Emissionsniveau bescheinigt.

Deutschland rutscht um fünf Plätze ab

Deutschland: Platz 27In Deutschland hingegen stagniert das Emissionsniveau auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Auch das Abflauen beim zuvor starken Ausbau der Erneuerbaren Energien, eine fehlende Verkehrswende und die nach wie vor offene Frage beim Kohleausstieg wirken sich zunehmend negativ auf Deutschlands Platzierung im Klimaschutzindex aus. Im Vergleich zum letzten Jahr rutschte Deutschland hier um fünf Plätze auf Rang 27 ab.

Dabei bescheinigten auch Germanwatch und Co. Deutschland einst eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutzmaßnahmen. 2008 noch auf Platz zwei des Klimaschutzindexes stürzte Deutschland in der Folge jedoch immer weiter ab. Jan Burck von Germanwatch sieht jedoch für eine Platzierung im nächsten Jahr noch Hoffnung. "Nun wird sich beim angekündigten Klimaschutzgesetz zeigen, ob Deutschland weiter enttäuscht oder international wieder positive Impulse setzen und so vielleicht im nächsten Index aufrücken kann", so Burck. Für einen Wiederaufstieg in der Rangliste sollte dabei in einem Mix von Instrumenten auch eine CO2-Bepreisung eine wichtige Rolle spielen.

Die USA torpedieren die Klimaverhandlungen

USA: Platz 59Auch für die USA sehen die Autoren des Klimaschutzindex noch Hoffnung, trotz einem vorletzten Platz in der Rangliste. Denn es gebe eine positive Dynamik in vielen Bundesstaaten, Städten und der Demokratischen Partei, die mit ihrer zurückgewonnenen Mehrheit im Abgeordnetenhaus künftig negative Entwicklungen verhindern könnte. Doch aktuell ist es insbesondere die Bewertung der Trump-Administration und deren Klimapolitik, die der USA diesen schlechten Platz beschert.

Und so sorgte die USA auch auf der aktuell stattfindenden Klimakonferenz wieder einmal für einen Aufschrei. Gemeinsam mit Saudi-Arabien, Russland und Kuwait stellten sich die USA gegen eine Würdigung des IPCC-Reports. Die Ergebnisse des Reports sollten als Grundlage für die weiteren Verhandlungen dienen. Daher forderten viele Länder, dass dieser ausdrücklich zu „begrüßen“ sei. USA und Co. jedoch wollten diesen lediglich „zur Kenntnis“ nehmen. Ein kleiner aber feiner Unterschied, der sich auf die weiteren Verhandlungen zu einem neuen Regelbuch auswirken könnte und nach Meinung der anderen Staaten den IPCC-Report und dessen Inhalt nicht genug würdigt.

Ökonomische Sicherheit durch Klimaschutz

Dabei fordern selbst milliardenschwere Finanzkonzerne die weltweite Staatengemeinschaft zu mehr Klimaschutz auf. Darunter befinden sich sowohl deutsche Unternehmen wie die Allianz und Vermögensverwalter der Deutschen Bank als auch US-Amerikanische Geldgeber. Mit einem Vermögen von insgesamt 32 Billionen Dollar sind die 415 Banken, Versicherungen, Pensionsfonds und Vermögensverwalter in der Lage, enormen Druck auf Staaten und andere Unternehmen auszuüben.

Dabei spielen wohl vor allem ökonomische Aspekte eine Rolle beim Aufruf zu mehr Klimaschutz. Denn die Energiewende gilt als Jobmotor und Wirtschaftsfaktor. Auch werden milliardenschwere Verluste durch den Klimawandel erwartet, die mit steigender globaler Erwärmung ebenfalls steigen. Die steigende Verunsicherung auf dem Kapitalmarkt infolge von Klimaveränderungen würde sich entsprechend negativ auf die Geschäfte der globalen Finanzkonzerne auswirken. mf


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