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EnergiezukunftEin Erneuerbares Energiesystem braucht keinen Atomstrom

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Deutschlands Energiewende braucht keinen Atomstrom, sondern einen schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien (Bild: Ralph Lindner / pixabay).

Ein klimagerechtes Energiesystem geht nur mit einem schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das bestätigt eine Metaanalyse aktueller Studien zum Energiesystemwandel. Atomenergie würde Deutschlands Energiewende hingegen ausbremsen.

04.07.2022 – Eine Metaanalyse der Irena vergleicht aktuelle Studien zum Erreichen der Klimaneutralität in Deutschland bis 2045. Die Studienlage zeigt deutlich, dass die Transformation zu einem nachhaltigen und klimagerechten Energiesystem in Deutschland nur mit Erneuerbaren Energien schnell genug umgesetzt werden kann. Atomkraft einzubeziehen, wäre nicht nur teurer, sondern blockiert sogar die Energiewende. Die Frage, so heißt es in der Analyse, laute deshalb nicht, ob Atomausstieg und Klimaschutz parallel möglich seien, sondern wie.

Mit Erneuerbaren in die Energiezukunft

Die Metastudie zeigt auf, wie viele Wege in eine klimagerechte Energiezukunft führen. Dabei setzen die Studien unterschiedliche Schwerpunkte, kommen aber zu den gleichen Kernaussagen. Der Schlüssel für ein klimagerechtes Energiesystem bis 2045 ist ein schneller Ausbau Erneuerbarer Energien.

Ein Fokus liegt auf Wind- und Solarenergie, da hier die Technologien besonders kostengünstig sind und viel Potenzial versprechen. Flexibilitätsoptionen wie regelbare Gas- und Wasserstoffkraftwerke sowie Speicher und Lastmanagement werden in allen Studien als essenziell betrachtet. Eine verstärkte Nutzung von Wasserstoff ist ebenfalls Konsens.

Die Studien unterscheiden sich in ihren Prognosen darüber, wie erfolgreich Energieeffizienzmaßnahmen und die Elektrifizierung der Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie umgesetzt werden sowie im Gewicht, das synthetischen Energieträgern wie Wasserstoff oder Methan beigemessen wird. Das führt dazu, dass unterschiedliche Entwicklungen des Stromverbrauchs zugrunde gelegt werden. Als Resultat unterscheiden sich auch die absoluten Ausbaumengen, die als notwendig angesehen werden.

Ausbauen, aber schnell

Einig sind sich die Studien darüber, dass der Ausbau schnell umgesetzt werden muss. Viele gehen davon aus, dass die installierte Leistung aus Wind und Solar von 123 GW im Jahr 2021 mindestens verdoppelt werden muss, um Deutschland bis 2045 klimaneutral mit Energie zu versorgen. Die von der Bundesregierung im Osterpaket vorgestellten Ausbauziele von 360 Gigawatt übertreffen dabei die Ziele fast aller Studien und der darin vorgestellten Pfade.

Eine weitere gemeinsame Prognose ist der sinkende Gesamtenergieverbrauch. Dieser beruht auf der Annahme, dass weite Teile in den Bereichen Verkehr, Wärmeversorgung und Industrie elektrifiziert und so effizienter betrieben werden können. Als Konsequenz sinkt der Gesamtenergieverbrauch, während der Stromverbrauch steigt. Auch Energieimporte sinken in fast allen Szenarien der verglichenen Studien.

Der Atomausstieg steht nicht in Frage

Der Atomausstieg in Deutschland bis Ende 2022 wird in keiner der Studien in Frage gestellt. Eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken wäre dabei nicht nur teurer, sondern würde die notwendige Ausbaugeschwindigkeit sogar drosseln. Grund dafür wären teilweise die hohen Fixkosten der Atomenergie, die als Investition in Erneuerbare Technologien fehlen würden. Zudem würde die träge, störanfällige und gefahrenbelastete Atomenergie Erneuerbare weiter aus den Netzen drängen.

Aktuelle Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bestätigen, dass auch der Krieg in der Ukraine und die Gaskrise den Atomausstieg nicht in Frage stellen. Die Versorgungssicherheit bleibt auch nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke Ende 2022 gewährleistet.

Die dezentrale Energiewende vor Ort beleuchten

Die meisten Studien empfehlen einen Ausbau des intereuropäischen Stromaustauschs, um die Versorgungssicherheit zu stärken, gehen jedoch kaum auf Bürgerenergie ein. Oliver Hummel, Vorstand beim Ökostromversorger NATURSTROM, der das Projekt Erneuerbar Statt Atomar unterstützt, sieht hier noch Nachholbedarf. „Die verglichenen Studien zeichnen natürlich das ganz große Bild. Aber wir wollen nicht nur über länderübergreifende Netze und Großkraftwerke reden, sondern auch über Mieterstrom, Stadtteillösungen und wie man Menschen mitnimmt. Die Frage, wie vor Ort dezentrale Lösungen gefunden werden, bleibt ein großes Thema. Das wissenschaftlich zu begleiten, ist wichtig.“

Die Metastudie wurde vom Irena-Projekt Erneuerbar statt Atomar begleitet und vergleicht die meistzitierten Studien zu Energiewende und Klimaschutz in Deutschland aus diesem und letztem Jahr. Dazu zählen die Langfristszenarien des BMWK, der Rahmen zum Netzentwicklungsplan der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), der Ariadne-Report aus den Kopernikus-Projekten, die BDI-Klimapfade 2.0, die dena-Leitstudie Aufbruch Klimaneutralität, die BEE-Studie Neues Strommarktdesign und die Studie Klimaneutrales Deutschland 2045 von Agora Energiewende. jb


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