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Corona-KriseInvestitionen in die Energiewirtschaft sinken auf Rekordtief

Erdölraffinerie
Vor allem Erdöl und seine Raffinerien leiden unter der Krise. Eine Chance für den Klimaschutz? (Bild von SatyaPrem auf Pixabay)       

Die Corona-Krise sorgt für ein Investitionsloch in der Energiebranche. Vor allem fossile Kraftwerke gehen leer aus. Auch wenn die Emissionen kurzfristig sinken, könnte das langfristig fatale Folgen für den Klimaschutz haben.

28.05.2020 – Während die Energiewirtschaft vor der Corona-Pandemie stetig steigende Investitionen verzeichnete, sorgt das Virus nun für ein tiefes Investitionsloch. Der Energieverbrauch, vorranging in der Industrie, geht zurück. Die Preise, vor allem für Öl, gehen in den Keller. Rechnungen werden nicht bezahlt. Entsprechend sind fossile Energien besonders von Einnahmeverlusten betroffen. Laut Analyse der Internationalen Energieagentur (IEA) wird die Kohleindustrie 15 Prozent weniger Investitionen tätigen als im letzten Jahr. Die Ölwirtschaft wird sogar ein Minus von 30 Prozent hinnehmen müssen.

Für den Klimaschutz könnten dies gute Nachrichten sein, da auch die CO2-Emissionen 2020 voraussichtlich nach unten gehen. Doch mit der Coronakrise gehen auch die Investitionen in Erneuerbare Energien spürbar zurück – die IEA erwartet hier ein Investitionsminus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Investments in Energieeffizienzmaßnahmen werden voraussichtlich um 10 bis 15 Prozent sinken. Darüber hinaus warnt die IEA vor Rebound-Effekten, wenn die Krise vorbei ist.

Ohne die richtigen Konjunkturprogramme, könnten die Emissionen wieder sprunghaft ansteigen und die Einsparungen von diesem Jahr komplett zunichte machen.

So sagte IEA Direktor Fatih Birol gegenüber der BBC: „Wir sehen einen historischen Abschwung an Treibhausgasemissionen, aber ohne die richtigen Konjunkturprogramme könnten die Emissionen wieder sprunghaft ansteigen und die Einsparungen von diesem Jahr komplett zunichte machen.“ Vor allem bei bestehenden fossilen Kraftwerken besteht infolge eines wieder steigenden Energiebedarfs die Gefahr erhöhter Auslastung und mehr Emissionen.

Dabei könnte die Krise der fossilen Energiewirtschaft auch genutzt werden. Bestehende Kraftwerke werden zunehmend unrentabler. Die Schließung fossiler Kraftwerke steigt in Folge der Corona-Pandemie sprunghaft an. Mit nachhaltigen Konjunkturprogrammen der Staaten in Erneuerbare Energien und Effizienzmaßnahmen könnte ein erhöhter Energiebedarf aufgefangen und müsste nicht durch fossile Kraftwerke gedeckt werden.

die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen und die Welt in Richtung einer widerstandsfähigeren und saubereren Energiezukunft lenken

„Investitionen in diesen Bereichen könnten Arbeitsplätze schaffen, die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen und die Welt in Richtung einer widerstandsfähigeren und saubereren Energiezukunft lenken“, erklärte die IEA bereits in ihrem aktuellen Weltenergiebericht. Erneuerbarer Strom werde in Zukunft die einzige Energiequelle sein, die derartigen Krisen standhält. Fossil ausgerichtete Unternehmen müssten entsprechend umplanen, rät die IEA.

Auf der politischen Ebene stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gestern ihre Pläne für den Wiederaufbau der Wirtschaft in der Europäischen Union vor. Der Green Deal soll demnach Herzstück der Wiederbelebung der Wirtschaft werden. Umweltverbände loben den Vorstoß zwar grundsätzlich, doch inhaltlich müsste noch viel Detailarbeitet geleistet werden. „Das ist ein wichtiges Signal an die EU-Mitgliedstaaten, die nun am Zug sind, den Kommissionsentwurf in den Verhandlungen weiter zu stärken und auch bei der Ausgestaltung ihrer nationalen Programme mit Leben zu füllen. Nur so kann eine grüne und nachhaltige Erholung der EU gelingen“, sagte Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings. mf