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Internationaler FrauentagMehr Aufklärung über Berufsalltag schon in der Schule

Elektrikerin mit Solarmodul
Natalie Meier ist Elektrikerin und in der Photovoltaik zu Hause. (Foto: EIGENSONNE)

Die Solaranlage auf dem eigenen Hausdach war der Berufseinstieg für Natalie Maier als Solarteurin. Die Elektrikerin hat inzwischen viele Anlagen installiert und arbeitet heute als Servicemanagerin bei einem bundesweiten digitalen Anbieter von PV-Anlagen.

08.03.2022 – Frau Maier, Sie sind Elektrikerin und Profi in der Photovoltaik-Installation. Wie verlief Ihr beruflicher Weg?

Ich bin Industrie-Elektrikerin, aber das war nicht meine erste Berufswahl. Meinen ursprünglichen Beruf als Industrie-Keramikerin musste ich aufgeben. Ich hatte das Glück, in verschiedene andere Berufe hineinschnuppern zu können und entschied mich für eine Umschulung zur Elektrikerin. Zur Photovoltaik kam ich, als wir unser eigenes Haus bauten. Wir holten Angebote für eine Solaranlage ein und ich begann, mich mit der Technik vertraut zu machen. Schließlich habe ich die Anlage zusammen mit der gesamten Hauselektrik sogar selbst installiert. Anschließend heuerte ich bei der Firma an, die die PV-Anlage geliefert hatte und stieg dort in die Projektleitung ein, plante Anlagen, machte Terminpläne, sprach mit Kunden. Ich ging aber auch raus und montierte Anlagen.

Seit zwei Jahren arbeiten Sie für EIGENSONNE, wie sieht Ihr Berufsalltag aus?

Ja, vor zwei Jahren wechselte ich zu Eigensonne und arbeitete zunächst ein Jahr in der Montage an unserem Standort in Ulm. Das Installationsteam bestand aus drei Dachdeckern und mir als Elektrikerin. Wir installierten Anlagen hauptsächlich auf Dächern von Eigenheimen. Im August 2021 wechselte ich in den Service. Das bedeutet, dass ich mich darum kümmere, wenn bei einer Anlage mal eine Störung auftritt. In den allermeisten Fällen lassen sich Störungen per Fernwartung gemeinsam mit dem Kunden beheben. Aber wir fahren natürlich auch zum Kunden und bringen die Anlage wieder zum Laufen. Uns ist es wichtig, dass die Anlage gut läuft und der Kunde zufrieden ist. Das steht bei uns an oberster Stelle.

Welche Art von Solaranlagen haben Sie installiert, wie waren die Abläufe?

Zum überwiegenden Teil waren es Photovoltaikanlagen auf privaten Wohnhäusern. Oftmals auch mit Batteriespeicher und Ladesäule, das liegt stark im Trend gerade. Die Kunden hatten zuvor mit dem digitalen Vertrieb alle nötigen Informationen ausgetauscht. Das bedeutet Fotos vom Haus, vom Dach, vom Installationsort des Wechselrichters, sodass wir später genau wissen, was zu tun ist. So können wir auch in ein oder zwei Tagen Anlagen installieren. Wichtig ist, dass wir ein gut funktionierendes Team haben und uns gegenseitig helfen, ob beim Kabelziehen oder der Installation.

Was für Kunden haben Sie angetroffen, waren es meist neu gebaute Eigenheime?

Nein, im Gegenteil. Überwiegend waren es Häuser, die schon länger bewohnt wurden.Die meisten unserer Kunden wollen ihr Haus mit einer PV-Anlage und einem Speicher aufrüsten, um sich von den steigenden Strompreisen unabhängiger zu machen. Viele liebäugeln auch mit dem Kauf eines Elektroautos und wollen dieses dann mit dem eigens produzierten Ökostrom betanken. Häufig wurde mir berichtet, dass sie sich bereits gut informiert und auch verschiedene Angebote verglichen hatten und sich am Ende für uns entschieden haben.

Bei Eigensonne sind viele Prozesse digitalisiert, wie finden Sie das?

Es ist eine große Erleichterung für die Installation und vor allem für den Kunden. Eine vor-Ort-Besichtigung gibt es beispielsweise nur, wenn nicht klar ist, ob die Anlage tatsächlich gebaut werden kann. Ansonsten werden alle Informationen und Fotos vorher digital übermittelt und die Anlage vollständig geplant. Natürlich machten wir dann vor Ort einen Gegencheck, ob alles so gebaut werden kann wie geplant.  Nur für wenige ältere Kunden ist es herausfordernd, wenn kein persönliches Gespräch am Anfang stattfindet und man viele Informationen übermitteln muss – aber es funktioniert dennoch sehr gut. Anderen Kunden wiederum bevorzugen gerade genau diese digitale Vorgehensweise.  Das spart eine Menge Zeit. Für uns Mitarbeiter ist die Digitalisierung der Anlagen unverzichtbar. Nur so können wir Störungsmeldungen verfolgen, uns mit den Kunden in Verbindung setzen und die Störung aus der Ferne beheben. Wenn Komponenten defekt sind, muss natürlich jemand los und sie austauschen.

Wie wird man als Frau in einem Handwerksberuf gesehen und würden Sie den Elektriker-Beruf weiterempfehlen?

Die Kunden waren mitunter überrascht, mich als Elektrikerin zu sehen, aber immer positiv. Unter den Kollegen waren wir fast überwiegend Männer, aber die Zusammenarbeit war immer kollegial und hat gepasst.

Blöde Sprüche habe ich nie gehört und meine fachliche Kompetenz wurde nicht in Frage gestellt. Mittlerweile trifft man übrigens schon mehr Frauen im Handwerk an und ich kenne einige andere Elektrikerinnen. Mir macht die Arbeit wirklich Spaß. Ich würde den Beruf immer empfehlen.

Was glauben Sie, warum lernen so wenig junge Menschen das Elektrohandwerk?

Ich glaube, der Beruf wird den jungen Leuten zu wenig schmackhaft gemacht. Ausbildungsbetriebe suchen nach jungen Leuten mit höherem Schulabschluss, aber die, die einen haben, haben oftmals hohe Erwartungen an das Ausbildungsgehalt, was ich in Anbetracht des späteren hohen Einkommens in der Berufspraxis ein wenig schade finde, da das spätere Gehalt bei Berufswahl relevanter sein sollte. Viele kennen auch das Berufsbild nicht, wissen nicht, wie vielfältig es ist, denken vielleicht, man müsste den ganzen Tag nur Kabel verlegen. Dabei ist das der kleinste Teil. Die meiste Zeit verbringt man damit, sich Lösungen für verschiedene Herausforderungen zu überlegen. Zum Beispiel die Umverdrahtung des Zählers ist oftmals komplizierter als zunächst gedacht. Die Programmierung der Speicher und Wechselrichter ist eine weitere Aufgabe, die wir Elektriker übernehmen. Und schließlich tragen wir die Verantwortung dafür, dass die Inbetriebnahme reibungslos abläuft und der Kunde zufrieden ist. Ich glaube, eine umfassendere Aufklärung über Handwerksberufe schon in der Schule wäre gut und würde sowohl mehr Jungs als auch Mädels für eine Ausbildung im Handwerk motivieren.

Das Gespräch führte Petra Franke.

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