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Nach erneutem Erdbeben

Niederlande beenden die Förderung von Erdgas

Gasförderung im niederländischen Wildervank in der Provinz Groningen. (Foto: Skitterphoto, Creative Commons CC0)

Nachdem die niederländische Gasförderregion Groningen immer häufiger von Erdbeben erschüttert wurde, hat sich die Regierung kürzlich zu einem kompletten Erdgasausstieg durchgerungen. Betroffen sind davon auch deutsche Haushalte.

11.05.2018 – Entdeckt wurde das niederländische Erdgasfeld Groningen im Jahr 1959. Auch wenn es zu den größten Gasquellen der Welt zählt, soll die Förderung dort zukünftig beendet werden. In den kommenden Jahren wollen die Niederlande ihre Produktion von Erdgas immer weiter reduzieren. Bis 2030 soll das Feld im Norden des Landes dann komplett geschlossen werden, verkündete Eric Wiebes, niederländischer Minister für Wirtschaft und Klima. Das geht aus einem Bericht von Zeit Online hervor.

Aufgrund der exzessiven Gasförderung kam es in den letzten Jahrzehnten in der Region Groningen immer häufiger zu Erdbeben. Allein seit 1986 verzeichnete die Provinz mehr als tausend Erdstöße. Bereits am 16. August 2012 erreichte ein Beben mit Epizentrum in Huizinge eine Stärke von 3,6 auf der Richterskala. Spätestens zu diesem Zeitpunkt entbrannte eine Diskussion darüber, ob die Erdgasförderung in den Niederlanden noch zukunftsfähig sei.

Erdgas als Wirtschaftsfaktor

Zunächst einigte man sich darauf, die Produktion zumindest einzuschränken. Schließlich ist das Groningen-Feld ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Land. Zusätzlich zu mehreren Millionen niederländischen Haushalten wird das Erdgas auch in großen Mengen nach Deutschland, Frankreich und Belgien exportiert. Hierzulande stammen knapp ein Drittel der gesamten Erdgasimporte aus den Niederlanden.

Doch am 8. Januar dieses Jahres bebte die Erde in der Region Groningen erneut. Mit einer Stärke von 3,4 auf der Richterskala war das Erdbeben in der Gemeinde Zeerijp zwar etwas weniger stark, sorgte aber trotzdem für über 1.300 Schadensmeldungen. Minister Wiebes musste nun definitiv handeln und entschied sich für einen kompletten Ausstieg aus der Erdgasförderung. Es sei der beste Weg, um weiterhin die Sicherheit der Region gewährleisten zu können.

Konsequenzen für Haushalte in Deutschland

Doch was bedeutet der Ausstieg nun für Deutschland? Schließlich ist man hierzulande vor allem im Westen und Norden des Landes von den Gaslieferungen aus den Niederlanden abhängig. Das Problem hierbei: Die Lieferungen können nicht einfach so substituiert werden, da in Groningen Gas der Gruppe L gefördert wird und dementsprechend auch die Heizkessel und andere Geräte der Haushalte und Unternehmen daran angepasst sind. Das sogenannte L-Gas hat einen geringen Methangehalt als H-Gas, welches etwa in Ländern wie Russland gewonnen wird. Die Bundesnetzagentur hat für die Problematik bereits ein Serviceheft aufgesetzt, das die Verbraucher über die Umstellung von L- auf H-Gas informieren soll.

Dabei bleibt es fraglich, ob eine derartige Umstellung – manche Haushalte werden ihre Heizkessel komplett austauschen müssen – überhaupt sinnvoll ist. Schließlich erfolgt lediglich eine Anpassung an einen anderen Erdgas-Typ, nicht aber an deutlich umweltfreundlichere Technologien. Auch wenn die Verbrennung von Erdgas zurzeit noch als eine notwendige Brückentechnologie bewertet wird, ist der daraus resultierende Treibhauseffekt von Methan um ein Vielfaches größer als der von Kohlenstoffdioxid.

Die niederländische Regierung zeigt hierbei andere Wege auf und verbietet zukünftig den Einbau neuer Gasheizungen. Ab dem 1. Juli dürfen demnach in Neubauten keine Heizungen mehr eingebaut werden, die mit Erdgas betrieben werden. Dafür sollen vermehrt Wärmepumpen zum Einsatz kommen, die von PV-Dachanlagen gespeist werden. Alternativ soll auch vermehrt die industrielle Abwärme verwendet sowie die Möglichkeiten der Geothermie erschlossen werden. jk


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