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Öl- und GasförderungNorwegen gefährdet die Arktis

Satellitenbild der Barentsee in der Arktis.
Im Sommer 2016 färbte blühendes Phytoplankton weite Teile der Barentsee hellblau. Ölverschmutzung könnte dieses Naturschauspiel gefährden. (NASA image by Jeff Schmaltz and Joshua Stevens, LANCE/EOSDIS Rapid Response. Caption by Kathryn Hansen.)

Für Klima und Umwelt ist sie gleichermaßen gefährlich: die Definition der sogenannten Eiskante, nach der die norwegische Regierung auch inmitten der Arktis die Förderung von Öl und Gas grundsätzlich erlaubt.

27.08.2020 – Mit der sogenannten Eiskante definiert die norwegische Regierung die Gebiete im arktischen Ozean, die potenziell für die Förderung von Öl und Gas offen stehen. Es geht dabei um den Übergang vom Meereis zum offenen Ozean. 2015 hatte die norwegische Regierung eine 30 Prozent Grenze festgelegt. Definiert war damit ein Gebiet, das von einer 30-prozentigen Wahrscheinlichkeit von Eis im April ausgeht. Nach langwierigen Verhandlungen und Protesten von Wissenschaftlern und Umweltschützern hat Norwegen die Eiskante nun neu definiert. Sie liegt künftig bei einer 15-prozentigen Wahrscheinlichkeit von Eis im Frühjahr, wie Spiegel Online berichtet.

Doch die neue Eiskante ist lediglich ein Kompromiss. Umweltorganisationen wie der WWF Norwegen und Wissenschaftler des Norwegischen Polarinstituts sowie die Umweltbehörde fordern eine 0,5 Prozent Grenze, nach der die Gebiete im April nahezu Eisfrei seien sollten. Der WWF warnt bei der nun definierten Eiskante und möglichen neuen Öl- und Gasförderungen vor der Gefährdung der „einzigartigen Artenvielfalt aus verschiedenen Planktonarten, Fischen, Eisbären, Vögeln, Robben und Walen.“

Darüber hinaus ist eine mögliche Ölpest in Folge von Unfällen, Mängeln und Wetterextremen in der Arktis besonders dramatisch. Vor allem im Winter sorgen fehlendes Sonnenlicht und niedrige Temperaturen dafür, dass sich das Öl langsamer abbaut. Darüber hinaus ist die Bergung von ausgelaufenem Öl zwischen Eisschollen schwierig bis unmöglich. Ganz zu schweigen von einer Ölverschmutzung unter einer zugefrorenen Eisdecke.

Doch mit der nun getroffenen Definition der Eiskante hat die norwegische Regierung weiterhin wirtschaftliche Interessen im Blick. Mit der 0,5 Prozent Grenze wären hingegen bereits freigegebene Felder für Öl und Gas wieder weggefallen. Mit dem „Goliath“ genannten Ölfeld fördert Norwegen bereits Öl aus der Arktis. Die entsprechenden Ölplattformen liegen im norwegischen Teil des Barentsee.

Das Öl ist gleichbedeutend mit Norwegens Wohlstand

Der norwegische Wohlstand baut seit Jahrzehnten auf der Förderung von Öl auf. Ein bedeutender Teil der Einnahmen fließt in den norwegischen Staatsfonds, der inzwischen als reichster seiner Art in der Welt gilt. International zeigt sich der Staatsfonds dabei vorbildlich. Im letzten Jahr etwa stieß der Fonds seine RWE-Aktien ab. Man wolle die globale Kohlewirtschaft nicht mehr unterstützen.

Norwegen selbst will bis 2030 klimaneutral werden. Vor allem bei der Elektromobilität geht der Staat voran. Über die Hälfte der neu zugelassenen Wagen sind elektrisch. Ein flächendeckendes Ladenetz ermöglicht die problemlose Fahrt mit einem E-Auto. Ab 2025 will Norwegen den Verkauf von Verbrennern verbieten. Der Strom Norwegens kommt bereits vorrangig aus Erneuerbaren Energien. Wasserkraft ist das Steckenpferd des Staates, die Windkraft wird weiter ausgebaut.

Die Norweger verweisen auch darauf, dass ihre Ölförderung im globalen Vergleich sehr emissionsarm produziert werde, da die dafür benötigte Energie vorrangig aus Wasserkraft stamme. Trotzdem ist die Öl- und Gasindustrie für ein Viertel der norwegischen Emissionen verantwortlich. Klimaneutralität ließe sich nur durch Ausgleichzahlungen erreichen.

Dabei ist der Export von norwegischem Öl und Gas noch nicht einberechnet. Laut der Umweltorganisation Oil Change International exportiert das Land mit Öl und Gas zehn Mal so viel CO2, wie es zu Hause ausstößt. Damit sei das Land der siebtgrößte Kohlendioxid -Exporteur der Welt. Für das Klima ist es bekanntlich irrelevant, ob das CO2 in Norwegen oder anderswo auf der Welt ausgestoßen wird. mf


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Kommentare

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Rainer.edler@aon.at 27.08.2020, 11:49:05

Aber selbst mit E Autos fahren. Verlogene Ökologie


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