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Erneuerbare EnergieÖkostrom ist nicht gleich Ökostrom

Windkraft-Anlage Trendelburg
Echte Ökostromer fordern mehr Transparenz für grünen Strom. Der ist nämlich gar nicht so leicht zu erkennen (Bild: naturstrom AG).

Anbieter grünen Stroms sind immer klimafreundlich und investieren in Erneuerbare Energien, oder? 80 Prozent ihrer Kunden glauben das. Ganz so einfach ist es aber nicht. Echter Ökostrom ist im komplexen Stromsystem gar nicht so leicht zu erkennen.

21.05.2024 – Vier von fünf Ökostromkunden erwarten von ihrem Stromanbieter, dass dieser keine klimaschädlichen Technologien fördert. Nahezu ebenso viele nehmen an, dass ihr Stromanbieter ausschließlich in Erneuerbare Energien investiert. Das zeigt eine Umfrage der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey.

Doch diese Kriterien erfüllen nur wenige Ökostromanbieter. Die Erwartungen der Ökostromkunden unterscheiden sich deutlich von der Realität. Denn Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Um echten Ökostrom zu erkennen, muss der Kunde allerdings bisher ein gutes Auge haben.

Strom grün waschen

Grundsätzlich fließt in den Stromleitungen der Strom, der in der Region produziert wird. Ist dies Kohlestrom, so fließt dieser in den Leitungen. Grün wird der Strom durch ein Zertifikat, dass Stromunternehmen getrennt von den Strommengen erwerben. Dass fossiler Strom per Zertifikat in grünen Strom umetikettiert wird, ist gängige Praxis. Die gleiche Menge Strom wird irgendwo von Erneuerbaren produziert, und als „grauer“ Strom getrennt von den Zertifikaten verkauft.

Das bedeutet aber, dass Stromunternehmen selbst fossilen Strom produzieren können, und lediglich Zertifikate kaufen, um ihren Strom als grünen Strom zu verkaufen. Der Haken dabei ist, dass dies die Energiewende nicht voranbringt, denn dafür müssen Erneuerbare Anlagen aus- und zugebaut werden.

„Wenn Stromanbieter lediglich günstige ausländische Zertifikate kaufen, selbst aber gar nicht in die Energiewende und den Ausbau der Erneuerbaren investieren, ist das Greenwashing. Viele Ökostromtarife in Deutschland haben somit gar keinen zusätzlichen Klimanutzen“, kritisiert Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy. Die Ökoenergiegenossenschaft kauft Herkunftszertifikate stets zusammen mit dem Strom direkt von Erneuerbaren-Anlagen, die auch physisch mit dem deutschen Stromnetz verbunden sind.

Richtiger Ökostrom

Denn es gibt auch die anderen, die Ökostrom-Pioniere auf dem Markt. Seit seinen Anfängen hat sich auch das Ökostromunternehmen naturstrom selbst vertraglich dazu verpflichtet, Stromherkunft und Herkunftsnachweis zu koppeln.

„Wir schließen mit jedem Anlagenbetreiber einen Liefervertrag, der beinhaltet, dass der Stromlieferant uns zum einen die Energiemengen liefert und dazu die Herkunftsnachweise auf unser Konto im Herkunftsnachweisregister überträgt“, erklärt Iris Blaum, die bei naturstrom für die Zertifizierungen des Stroms zuständig ist. Außerdem fließt für jede Kilowattstunde ein Zusatzbeitrag in neue Ökostromanlagen. Inzwischen hat das Unternehmen rund 350 Solar-, Windenergie-, Biomasse- und Wasserkraftanlagen selbst errichtet oder durch Zuschüsse, Darlehen oder Beteiligungen ermöglicht.

Unabhängig geprüft sind die vertragliche Kopplung sowie Förderbeiträge und Investitionen in Erneuerbare von naturstrom vom Grüner Strom Label. Hinter dem Label stehen NGOs wie der NABU und Eurosolar, die sich bereits seit Jahrzehnten für die Energiewende einsetzen. Zudem werden die CO2-Emissionen aus der Vorkette, also dem Anlagenbau, den Bauteilen etc., vom TÜV berechnet, ausgewiesen, und von naturstrom über Investitionen in Klimaschutzprojekte mit Goldstandard im globalen Süden ausgeglichen.

Green Planet Energy fordert volle Transparenz über Firmenstruktur, Lieferantenkraftwerke und Quellen der Herkunftsnachweise sowie eine genauere Definition von Ökostrom. Davon profitieren alle – das Klima, die Kunden und echte Ökostromunternehmen. jb

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