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1. Halbjahr 2019Ökostrom sichert fast die Hälfte des Stromverbrauchs

Windräder in Deutschland produzierten im ersten Halbjahr 2019 so viel Strom wie nie zuvor. Die Aussichten für die Branche sind dennoch trüb.
Windräder in Deutschland produzierten im ersten Halbjahr 2019 so viel Strom wie nie zuvor. Die Aussichten für die Branche sind dennoch trüb. (Foto: Thomas Richter on Unsplash)

Die Erneuerbaren Energien laufen sich warm für ein Aus von Kohle und Atom: 44 Prozent des deutschen Stromverbrauchs deckten sie im ersten Halbjahr 2019 – ein neuer Rekord. Dennoch steckt die Ökostrom-Branche in einer schweren Krise.

19.08.2019 – Wind- und Solarenergie werden immer mehr zum Rückgrat der deutschen Stromerzeugung: Im ersten Halbjahr 2019 kletterte die produzierte Ökostrommenge auf 129 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) – zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich erzeugten die Erneuerbaren Energien in allen bisherigen Monaten in diesem Jahr mehr Strom als Kohlekraftwerke und zeigen: Der Wechsel am Strommarkt kommt voran.

18 Prozent mehr Windstrom

Das sind die neuesten Zahlen der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik vom Umweltbundesamt. Demnach legte vor allem die Windkraft deutlich zu und erzeugte 18 Prozent mehr Strom als im ersten Halbjahr 2018. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen wuchs um 6 Prozent. Wasserkraft und Bioenergie blieben konstant.

Entsprechend der Stromerzeugung stieg der Ökostromanteil am gesamten Stromverbrauch stark an. Dieser Wert gilt vielen Experten als aussagekräftiger als die reine Erzeugung. Auch hier eine deutliche Steigerung: 44 Prozent des von den Deutschen verbrauchten Stroms stammte im ersten Halbjahr aus Ökostromanlagen, schätzt das Umweltbundesamt. 2018 waren es noch 38 Prozent.

Stürmische Zeiten für die Windenergie

Doch trotz der erfreulichen Zahlen mag in der Ökostrom-Branche kaum Freude aufkommen. Die Windenergie steckt in einer tiefen Krise. Seit 20 Jahren wurden nicht mehr so wenige neue Windräder gebaut wie im laufenden Jahr, die zuständige Bundesnetzagentur spricht von einer „besorgniserregenden Dimension“.

Zehntausende Arbeitsplätze sind bereits verloren gegangen, weil die Bundesregierung die Förderung neuer Anlagen geändert hat, falsche Anreize setzt und Genehmigungsverfahren für neue Windräder feststecken und fast immer vor Gericht landen. Mit einem Krisengipfel will die Bundesregierung nun reagieren, Datum noch ungewiss.

Solarenergie droht der Deckel

Zwar scheint zumindest für neue Solaranlagen die Durststrecke der vergangenen Jahre beendet zu sein – in diesem Jahr wurden mit 2,1 Gigawatt bereits mehr Solaranlagen neu gebaut als im Vorjahreszeitraum – dennoch sieht die Zukunft hier ebenfalls eher mau aus. Ab 52 Gigawatt geförderter Solaranlagen ist Schluss, hat die Bundesregierung vor Jahren festgelegt. Ohne zu wissen, was dann sein wird. Bald (derzeitiger Stand: etwa 48 Gigawatt) dürfte diese Grenze erreicht sein und Experten fürchten einen erneuten Einbruch beim Bau neuer Anlagen. Auch hier bleibt die Bundesregierung bislang stur.

Im zweiten Halbjahr wird sich also zeigen, ob die Energiewende im Strombereich weitergeht. Dümpelt der Neubau von Wind- und Solaranlagen weiter vor sich hin, werden die Erneuerbaren Energien die Ablösung von Kohle- und Atomkraftwerken kaum fortsetzen können. cw