Menü öffnen

IRENA-BerichtPreise von Erneuerbaren Energien im Sinkflug

Solaranlage in der Region Antofagasta im Norden Chiles
Solaranlage in der Region Antofagasta im Norden Chiles (Foto: Antonio Garcia auf Unsplash)

Seit 2010 sind die Stromgestehungskosten für Photovoltaik um 82 Prozent gesunken, für Windenergie an Land um 39 Prozent. Selbst die günstigsten neuen Kohlekraftwerke werden jetzt von Erneuerbare-Energien-Anlagen preislich unterboten.

06.06.2020 – Die Kosten für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien sind in den letzten Jahren erneut stark gesunken und liegen nun immer häufiger unter denen fossiler Kraftwerke. Diese Entwicklung ist vor allem auf Optimierungen bei den Technologien zurückzuführen, aber auch auf immer wettbewerbsfähigere Lieferketten und eine größere Erfahrung in der Projektentwicklung. Das geht aus dem aktuellen IRENA-Bericht „Renewable Power Generation Costs in 2019“ hervor.

Demnach konnten die Stromgestehungskosten für Photovoltaik in den letzten zehn Jahren um 82 Prozent gesenkt werden, für Solarthermische Kraftwerke um 47 Prozent. Bei der Windenergie an Land betragen die Einsparungen 39 Prozen und bei der Offshore-Windenergie 29 Prozent.

Für die IRENA-Analyse wurden die Kostendaten von 17.000 Projekten aus dem Jahr 2019 erhoben. Mehr als die Hälfte aller neuen regenerativen Großkraftwerke wiesen geringere Kosten auf als die günstigsten fossilen Alternativen. Kohlekraftwerke werden also nicht nur noch ausschließlich unter Klimaschutzaspekten aus dem Netz gedrängt, sondern zunehmend auch aus ökonomischen Gründen.

Neue Kohlekraftwerke lohnen sich wirtschaftlich nicht

Selbst die günstigsten neuen Kohlekraftwerke werden durch Erneuerbare-Energie-Anlagen preislich unterboten, bestehende Kohlemeiler sowieso. Damit kosten neue PV- und Windkraftanlagen im Schnitt oft weniger, als die Betriebserhaltung zahlreicher bestehender Kohlekraftwerke. Die Entwicklung der Auktionsergebnisse von aktuellen Ausschreibungen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend noch weiter beschleunigen wird.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Stromsystemkosten durch eine schnellere Energiewende deutlich gesenkt werden können. Würden die teuersten 500 Gigawatt an Kohlekapazitäten durch Solar- und Windkraftanlagen ersetzt werden, könnten die Kosten jährlich um bis zu 23 Milliarden US-Dollar sinken. Ganz nebenbei reduzieren sich dadurch auch die CO2-Emissionen um etwa 1,8 Gigatonnen – also um 5 Prozent des weltweiten Ausstoßes.

Wir haben eine Zäsur in der Energiewende erreicht „Wir haben eine Zäsur in der Energiewende erreicht“, sagt Francesco La Camera, Generaldirektor von IRENA. „Neue Kohlekraftwerke und ein Großteil der bestehenden Kohleverstromung sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen.“ Die Erneuerbaren würden sich zunehmend als günstigste Quelle für neue Stromkapazitäten herauskristallisieren und ein enormes Potenzial zur Ankurbelung der Weltwirtschaft und Schaffung von Arbeitsplätzen haben.

Kosten von PV-Modulen um 90 Prozent gesunken

Gegenüber dem Vorjahr sind die Stromkosten für große Solaranlagen im Jahr 2019 um 13 Prozent auf 6,8 Dollar-Cent pro Kilowattstunde gesunken. Die Kostenreduzierung der letzten Jahre ist hierbei vor allem auf eine etwa 90 prozentige Senkung der Modulpreise zurückzuführen. Die gesamten Anschaffungskosten einer neuen PV-Anlage sind seit 2010 um knapp 80 Prozent gesunken.

Bei den Windkraftanlagen an Land betrug die Senkung neun Prozent, sodass die durchschnittlichen Stromgestehungskosten im Jahr 2019 nur noch bei 5,3 Dollar-Cent lagen. Auch hierbei sind die Anschaffungskosten der ausschlaggebende Faktor für die Preissenkung: Die Preise für Windturbinen an Land sind seit 2010 um knapp 60 Prozent gesunken.

Aufgrund der stetig steigenden Wettbewerbsfähigkeit Erneuerbarer Energien und ihrer kurzfristigen Skalierbarkeit, Modularität sowie Chancen für den Arbeitsmarkt ist eine Beschleunigung der Energiewende als Konjunkturprogramm aufgrund der Corona-Krise sehr attraktiv. Kurzfristig belebt der Ausbau regenerativer Kraftwerke die Konjunktur, mittel- und langfristig Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Energiemarkt. jk


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 06.06.2020, 07:56:50

Könnten Sie mal diesen ohrenschreiend falschen Terminus "Erneuerbare Energien" ablegen?

Energie kann man nicht erneuern, sondern nur von einer Energieform in eine andere umwandeln!

Das lernen die Kinder im Zusammenhang mit dem Energieerhaltungssatz schon in der 6. Klasse im Physikunterricht.

Außerdem:

Wenn man in einem Atomkraftwerk die Brennstäbe austauscht, hat man die Energieerzeugung dort auch erneuert.

Hat sich das schon mal jemand überlegt?

 

Und komme mir jetzt keiner mit dem Erbsenzähler-Argument !!!

Das der Terminus "Erneuerbare Energien" sogar ins Gesetze Eingang gefunden hat, ändert nichts an der Tatsache, daß er wissenschaftlich-technisch betrachtet ohrenschreiender Nonsens ist. Und wenn es erst mal soweit gekommen ist, die Ideologie über die Naturwissenschaft gestellt wird, dann sind diejenigen, die so etwas tun nicht besser als jene, die irgendwelche wissenschaftlich erwiesenen Fakten leugnen!

 

Um nun nicht nur zu kritisieren, sondern auch einen Vorschlag zu machen, wie es anderes und besser gehen könnte:

Wie wäre es denn, die Energieerzeugung aus Wind und Sonne als "alternative Energieerzeugung" zu bezeichnen - und die Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen als "konvertionelle Energieerzeugung"?

Klingt auch gut, bringt die Sache auf den Punkt und ist physikalisch-technologisch nicht zu beanstanden.

Jens Kerntopf 06.06.2020, 13:31:40

+8 Gut

Sehr geehrter „denkender Bürger“,

 

ich finde Ihren Einwand schon etwas pingelig. Der Begriff „Erneuerbare Energie/n“ hat sich als Name für die nicht-fossilen Energien durchgesetzt, auch das weiß jedes Schulkind. Sie beschweren sich ja wohl auch nicht bei der Deutschen Bank, nur weil sie so heißt und auch nicht die einzige Bank in Deutschland ist und auch nicht der Bundesrepublik Deutschland gehört.

 

Mit freundlichen Grüßen

Jens Kerntopf

Denkender Bürger 06.06.2020, 16:34:54

+5 Gut

@ Jens Kerntopf

 

Und wenn sich der Begriff Erscheibe mal durchsetzen sollte - wird die Erde dann zur Schiebe?

Aber es macht keinen Sinn, mit Leuten die so argumentieren darüber zu reden - weil die Betreffenden das sowieso nicht verstehen.

Nicht, weil sie es nicht verstehen können - sondern weil sie es nicht verstehen wollen !

sonnenstromer 06.06.2020, 18:14:02

+8 Gut

An „denkender Bürger“:

 

am Altglassammelcontainer steht: "Keine Glühbirnen einwerfen"

 

Jeder weiß, was damit gemeint ist.

sonnenstromer 10.06.2020, 16:00:03

+5 Gut

An „denkender Bürger“:

EEG = Erneuerbare-Energien-Gesetz

Sogar das Gesetz heißt so.

 

Schade, daß man sich hier mit unnötigen Nebensächlichkeiten befasst, bei so einem wichtigen Thema.

 

Die Androhung einer Straftat werde ich noch juristisch prüfen lassen. (ernst)

Joschua Katz / Redaktion 10.06.2020, 16:29:14

+5 Gut

@sonnenstromer:

 

Wir bedauern sehr, dass Ihnen hier auf unserer Plattform derartig gedroht wird. Natürlich werden wir das nicht dulden und prüfen ebenfalls, wie wir gegen den sogenannten "Denkenden Bürger" vorgehen werden. Er hat mit seinem letzten Kommentar, den wir deaktivieren mussten, mal wieder eine Grenze überschritten - und diesmal leider sehr deutlich.

 

Beste Grüße

Joschua Katz

sonnenstromer 14.06.2020, 17:00:13

+1 Gut

Danke

Gustav W. Dr. Sauer 06.06.2020, 10:53:27

Das Problem bei der Energiwende ist, dass man das politisch weise "Sowohl-als-Auch" aufgegeben hat. Deshalb hätte man die Kernenergie in den 2030ern auslaufen lassen und zugleich die EE aufbauen können. Dann hätten sich beider CO2-Armut auch addiert, statt sich nur kompensieren. Außerdem wird in der Energiewende Leistung und Arbeit miteinander verwechselt. Im Westen führte dies - früher - bei PhysikastudentInnen reglemäßig zum Durchfallen. Heute indes machen die StudentInnen nach dem Studium das, wofür sie im Strudium durchgefallen wären.

Denkender Bürger 06.06.2020, 16:52:20

+6 Gut

Leider eine traurige Wahrheit!

Begrifflichkeiten und Ideologien werden ohne über den Sinngehalt nachzudenken vorbehaltslos und begeistert übernommen und verbreitet. Und wehe dem, der auch nur ansatzweise Kritik daran übt - und mag diese noch so berechtigt sein.

Genau dieses Verhaltensmuster hat und schon mehrfach ins Verderben geführt - aber das können der wollen viele einfach nicht begrifen. Bis zum bitteren Ende. Und dann will es keiner gewesen sein.

Marco 09.06.2020, 12:47:12

Es heißt auch technisch korrekt: Gliedermaßstab mit metrischer Einteilung. Jeder sagt Zollstock. Ändern an der Sache tut es nichts. Genau wie bei den Erneuerbaren Energien. Jeder weiß tas Energie nur umgewandelt werden kann. Trotzdem hat sich der Begriff "erneuerbare Energien" durchgesetzt und jeder weiß was gemeint ist. Daher ist es im Allgemeinen belanglos wie etwas benannt wird, solange jeder weiß was gemeint ist.

 

Das erneuerbare bezieht sich auch auf die Energi (Kraft) die zu der Energieerzeugung führt. Von dieser Sichtweise ist der Begriff "erneuerbare Energien" auch aus technisch physikalischer Sicht in Ordnung.


Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft