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DeutschlandRund die Hälfte des Stromverbrauchs ist schon erneuerbar

Windrad
Erneuerbare deckten in der ersten Jahreshälfte 2022 49 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. (Bild: WorldInMyEyes / pixabay)

Erneuerbare Energien lieferten im ersten Halbjahr 2022 rund die Hälfte des in Deutschland verbrauchten Stroms. Doch für Energiesicherheit in der Klimakrise müssen Erneuerbare schneller ausgebaut werden.

06.07.2022 – Erneuerbare Energien haben im ersten Halbjahr 2022 laut Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) rund die Hälfte des deutschen Stromverbrauchs gedeckt.

Wind und Solar lieferten jeweils ein Fünftel mehr Strom

Mit 49 Prozent liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttoinlandstromverbrauch rund sechs Prozent über dem ersten Halbjahr 2021. Besonders die Windenergie an Land und Photovoltaik erzeugten deutlich mehr Strom als im Vorjahr. Der windreiche Jahresbeginn im Januar und Februar sowie ein sonnenreicher Mai und Juni ließen die gelieferten Strommengen von Wind und Solar jeweils um rund ein Fünftel ansteigen. Auch Windenergie auf See und Biomasse lieferten etwas mehr Ökostrom. Absolut wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 rund 139 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt.

Die Windenergie an Land lieferte davon rund 59 Milliarden Kilowattstunden, PV knapp 33 Milliarden Kilowattstunden, Biomasse knapp 24 Milliarden Kilowattstunden, Wind auf See etwa 12 Milliarden Kilowattstunden und Wasserkraft gut 9 Milliarden Kilowattstunden. Die aus fossilen und atomaren Energieträgern erzeugte Strommenge sank im Vergleich zum Vorjahr von 170 Milliarden Kilowattstunden auf 159 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2022.

Den Anteil Erneuerbarer berechnen

Als Bruttostromverbrauch wird die gesamte Strommenge bezeichnet, die in einem Land verbraucht wurde. Neben dem Endverbrauch an der Steckdose werden auch Stromverluste in den Netzen und der Eigenverbrauch von Kraftwerken eingerechnet. Es ist gängige Praxis, den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu messen. Die Berechnungsgrundlage orientiert sich laut BDEW an europäischen Vorgaben und wurde auch für die Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien genutzt.

Grundsätzlich könnten Erneuerbare Energien auch an der Bruttostromerzeugung gemessen werden. In diesem Fall würden alle in Deutschland erzeugten Strommengen miteinbezogen, inklusive exportierter Strommengen. Der Anteil Erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung im ersten Halbjahr 2022 beträgt rund 47 Prozent.

Erneuerbare schneller ausbauen für Energiesicherheit und Klimaschutz

Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, sieht besonders beim Ausbau der Windenergie an Land dringenden Handlungsbedarf. „Der größte Hemmschuh sind hier noch immer fehlende Flächen. Die Bundesregierung sollte das Zwei-Prozent-Ziel daher möglichst bis spätestens 2025 umsetzen und dafür Sorge tragen, dass die Flächen auch tatsächlich bebaubar sind“, so Andreae. Auch Repowering und unklare Regelungen im Arten- und Naturschutz müssten einfacher umzusetzen sein.

Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW, verweist wiederum auf die Hürden beim Ausbau der Photovoltaik. Er sieht vor allem die Abhängigkeit von China kritisch: "Diese Abhängigkeit von chinesischen Herstellern – bei Wafern stammen 96 Prozent der Weltmarktproduktion aus China – stellt ein erhebliches Risiko für die Realisierung der ambitionierten, für den Klimaschutz und die Energiesicherheit in Deutschland aber zwingend zu erreichenden Ausbauziele dar.“ Straiß appelliert, den Aufbau heimischer Wertschöpfungsketten zu stärken.

Obwohl die Ökostromerzeugung zunimmt, muss die Energiewende also dringend schneller vorangetrieben und Erneuerbare stärker ausgebaut werden – besonders vor Ort. Das schafft Energiesicherheit, macht unabhängig von Energielieferanten wie Russland und senkt Emissionen in der Klimakrise. jb

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