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Nachhaltige StaatsanleihenWas bringen Grüne Bundeswertpapiere?

Gestapelte Geldmünzen aus denen Pflanzen erwachsen.
Rendite bringen die grünen Anleihen aktuell noch nicht. Ob sie dem Klimaschutz zugutekommen bleibt abzuwarten. (Bild: piqsels, CC0 1.0)

Bei Investoren kommt die erste Ökoanleihe des Bundes bislang gut an. Die Nachfrage war in den ersten Tagen hoch. Doch was bringen die Grünen Bundeswertpapiere den Anlegern und dem Klimaschutz. Experten stellen erste Prognosen an.

11.09.2020 – Bereits zum Start gingen Aufträge über 33 Milliarden Euro ein. Für die Bundesregierung ist die Ausgabe der ersten Grünen Bundeswertpapiere bislang ein voller Erfolg. Mit diesen Anleihen will der Bund Nachhaltigkeit im Finanzmarkt stärken. Klassische Bundeswertpapiere gibt es schon länger. Dabei handelt es sich um Wertpapiere des Bundes über seine Sondervermögen. Auch als Staatanleihen bezeichnet, dienen sie der Finanzierung von Haushaltsdefiziten oder staatlichen Projekten. Der Käufer dieser klassischen Anleihen erhält dabei festgelegte Zinszahlungen und am Ende sein Geld zurück.

Die neuen Grünen Bundeswertpapiere werden weitestgehend wie die Klassischen behandelt – mit zwei Unterschieden. Denn die Anleihe bringt erstens aktuell Null Prozent Zinsen und damit für Investoren keinen Gewinn. Trotzdem rissen sich Anleger um die neue Anleihe. Die Nachfrage war zeitweise fünfmal höher als das Angebot. Ist es das gute Gewissen? Denn zweitens sollen mit der Anleihe nur nachhaltige Projekte des Bundes finanziert werden.

Projekte, die auch ohne Ausgabe der "grünen" Anleihen finanziert worden wären

Doch laut Dorothea Schäfer Professorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung besteht die Gefahr, dass die neuen „grünen“ Anleihen keinen zusätzlichen Beitrag zur grünen Transformation leisten. „Bei der jetzt geplanten Emission scheint es so, dass die eingenommenen Gelder Projekte und Aufgaben finanzieren, die zwar nachhaltig sind, aber auch ohne die Ausgabe der "grünen" Anleihen finanziert worden wären, so Schäfer. Geld an sich könne niemals „grün“ sein, es werde erst dadurch nachhaltig, wenn es in Projekte investiert wird, die zur Transformation in eine nachhaltige Ökonomie beitragen.

Für Tobias Leikam von der Umweltbank besteht das Risiko darin, dass konventionelle Bundeswertpapiere auch in Zukunft bevorzugt werden. Und während die Bundesregierung für die grünen Anleihen Transparenz hinsichtlich ihrer Verwendung verspricht, fehlt diese bei den klassischen Bundeswertpapieren. „Statt auf die Transparenz grüner Bundeswertpapiere abzustellen, wäre es in unseren Augen wünschenswert, diese auch im Bereich der konventionellen Bundeswertpapiere anzustreben“, so Leikam.

Schäfer fordert, dass das gesamte öffentliche Beschaffungswesen zu 100 Prozent nachhaltig werden muss. „Die beschafften, nachhaltigen Güter und Dienstleistungen können dann auch zu 100 Prozent durch grüne Anleihen finanziert werden“, sagt Schäfer. Für das zuständige Finanzministerium bedeutet das grüne Label auf den Bundeswertpapieren aufgrund der hohen Nachfrage ein hohes Finanzvolumen. Auf Rendite könnten die Anleger jedoch noch länger warten, meint Schäfer.

Positive Signalwirkung, dass der der Staat es ernst meint mit der Transformation in eine "grüne" Wirtschaft

Als positiv betonen sowohl Schäfer als auch Leikam hingegen die Steigerung des öffentlichen Interesses. „Die erste "grüne Emmission" macht vermutlich noch keinen realen Unterschied, kann aber eine positive Signalwirkung dahingehend entfalten, dass der Staat es ernst meint mit der Transformation in eine "grüne" Wirtschaft“, so Schäfer. Und Leikam ist durchaus optimistisch und hofft, dass die grünen Bundeswertpapiere „einen möglichst signifikanten und dauerhaften Beitrag zum Klima- und Umweltschutz“ leisten. mf


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