Menü öffnen

Architektur im Klimawandel

Energieeffizient bauen mit Blick auf die Nutzer

Das Effizienzhaus Plus in der Berliner Fasanenstraße
Das Effizienzhaus Plus in der Berliner Fasanenstraße wurde von einer Familie ein Jahr lang getestet. Das Wohnen im Smart Home hatte so seine Tücken. Heute finden dort Führungen und Veranstaltungen rund um das energieoptimierte Bauen statt. (Foto: © ZEBAU GmbH)

Die Anforderungen an die Energieeffizienz in Gebäuden steigen. Beim energieoptimierten Bauen und Sanieren sollten Planer immer auch die zukünftigen Nutzer im Auge behalten – denn auch deren Verhalten trägt zur Energiebilanz des Gebäudes bei.

12.09.2018 – Die Energetische Optimierung von Gebäuden gehört mit zu den wichtigsten Stellschrauben des Klimaschutzes. Im Fokus steht dabei meist die Energiebilanz des Gebäudes, dabei errechnet der Energieplaner die Zahlen, der Architekt setzt diese im Bauwerk um. Doch nicht nur die klimaoptimierte Bauweise und Heiztechnik sind relevant, sondern auch das Verhalten der Bewohner und Nutzer der Gebäude. Wie genau dieses Verhalten zur Energiebilanz eines Gebäudes beiträgt und wie es sich möglicherweise intelligent beeinflussen lässt, untersuchen nun Forscher in einem globalen Projekt der Internationalen Energieagentur (IEA), koordiniert vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Carleton University in Ottawa.

Die Ansprüche ans Wohnen steigen, das vermasselt die Energiebilanz

Etwa ein Drittel der weltweiten Primärenergie wird derzeit für den Betrieb von Gebäuden aufgewendet. Da der Anspruch an die Fläche steigt und immer großzügiger gebaut wird, steigt auch der Energiebedarf – trotz Verbesserung der Energieeffizienz. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Energieagentur und sieht bislang ungenutzte Einsparmöglichkeiten von bis zu 80 Prozent. Der Energiebedarf von Gebäuden lasse sich dabei nicht nur durch energieeffizientes Bauen und Sanieren verringern, so Professor Andreas Wagner vom Fachgebiet Bauphysik und Technischer Ausbau der Fakultät für Architektur am KIT: „Je nach Gebäudetyp und Nutzungsweise halbiert sich der Verbrauch bei sparsamen Verhalten. Verschwenderisches Verhalten kann den Verbrauch fast verdoppeln.“

Negativ beeinflusst werde das Nutzerverhalten dabei oft durch unbedachte Automatisierung, beispielsweise durch eine automatische Heizung ohne eine effektive Nutzerschnittstelle: „Wer keine andere Möglichkeit hat, die Raumtemperatur zu regeln, der reißt vielleicht die Fenster auf oder verwendet zusätzlich einen ineffizienten Heizstrahler.“ Um tatsächlich Energie einzusparen, müsse Automatisierung deshalb so gestaltet werden, dass Nutzer jederzeit sinnvoll auf die Gebäudetechnik Einfluss nehmen könnten, meint Wagner.

Wie viel Smart Home ist sinnvoll?

Den Zusammenhang von Nutzerverhalten und energetischer Performance von Gebäuden wollen die Forscher nun genauer beleuchten. Wie verhalten sich die Komfortparameter in Gebäuden – also die thermischen, visuellen, olfaktorischen oder akustischen Gegebenheiten? Wie interagieren diese miteinander, wie groß ist deren Auswirkung auf ein energierelevantes Verhalten? Die Forscher haben dabei auch die Nutzerschnittstellen im Blick: Thermostate, Lichtschalter und Jalousien müssen möglichst intelligent konzipiert werden, damit sie auch zielführend genutzt werden können. Herauskommen sollen auch praktische Empfehlungen für das Design und den Betrieb von Gebäuden, die ein sparsames Verhalten fördern. na

 


Mehr zum Thema


Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Keine Kommentare gefunden!

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

(wird nicht veröffentlicht)
max 2.000 Zeichen



energiezukunft