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10 Jahre BBEnKonvent zeigt Kraft und Vielfalt der Bürgerenergie

Menschen auf einer Bühne sprechen über Bürgerenergie
In einer Fischbowl-Diskussion wurden Bundestagsabgeordnete von Bündnis‘90/Die Grünen, SPD und FDP von Moderatorin Valérie Lange und aus dem Publikum mit energiepolitischen Fragen rund um die Bürgerenergie konfrontiert. (Foto: naturstrom / Franziska Rutscher)

Der zweitägige Konvent Bürgerenergie führte Energiewende-Akteure aus ganz Deutschland nach Berlin. In der Podiumsdiskussion mit Bundestagsvertretern wurde ein regulatorischer Rahmen für das Energy Sharing noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt.

30.04.2024 – Beim Bürgerenergiekonvent treffen sich alljährlich die Akteure, denen die Bürgerenergie ganz besonders am Herzen liegt und die sie selbst tagtäglich in ihrer Genossenschaft voranbringen. Am vergangenen Wochenende diskutierten 250 Teilnehmende – so viel wie nie zuvor – auf dem Konvent 2024 politische Rahmenbedingungen und die Bürgerenergie-Praxis. Erfahrungsaustausch und Vernetzung hatten viel Raum und wurden vom Veranstalter Bündnis Bürgerenergie in unterhaltsamen und aktivierenden Formaten angeregt.

Volker Quaschning, Experte für regenerative Energiesysteme und Professor an der HTW Berlin, lieferte in seinem Impulsvortrag die wichtigsten aktuellen Zahlen und Zusammenhänge zum Klimaschutz. Dabei blieb er sich selbst treu – die komplexen Zusammenhänge und Lücken beim Klimaschutz erklärte er verständlich und fokussiert und zeigte den verbliebenen Handlungsspielraum. Sven Giegold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, konnte auf das am selben Tag verabschiedete Solarpaket1 verweisen, das auch für die Bürgerenergie neue Aktionsräume eröffnet.

Dennoch musste Giegold sich auch kritischen Rückfragen stellen. Vor allem in punkto Energy Sharing ist die Bürgerenergie-Szene unzufrieden. Zum Punkt fehlender Solarpflicht in Deutschland verwies er auf die kürzliche beschlossene europäische Energieeffizienzrichtlinie für Gebäude, die die Solarpflicht in ganz Europa mit sich bringt. Ein bundesweite Gesetz zur Bürgerbeteiligung an EE-Anlagen sieht Giegold als politisch derzeit nicht durchsetzbar – hier seien die einzelnen Bundesländer gefordert, entsprechende gut ausgestaltete Landesgesetze zu erlassen. „Lasst und dieses Thema dezentral vorantreiben“, so Giegolds Appell. Zugleich richtete er seinen Blick auf den notwendigen Speicherausbau, der auch ein Betätigungsfeld für Bürgerenergie-Akteure sein sollte und könnte.

In einer anschließenden Fischbowl-Diskussion mit Vertretern von Bündnis90/Die Grünen, der SPD und FDP wurde die Energiepolitik weiter vertieft. Hier deutete Bernhard Herrmann (Bundestagsabgeordneter für Bündnis‘90/Grüne) an, dass die Koalition für das Energy Sharing noch in diesem Jahr die politischen Weichen stellen wolle. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Tina Rudolph war ähnlich zuversichtlich.

Ein anschließender Programmblock skizzierte unterschiedliche beispielhafte Bürgerenergieprojekte und Erfahrungen. Unter anderem wurde die auf Leitlinien basierende Bürgerbeteiligung im Landkreis Steinfurth erklärt, Carport-Flächen als Flächen für Bürgerenergieprojekte aufgezeigt und ein Bürger-Wärmeprojekt vorgestellt.

Das 10-jährige Bestehen des Bündnis Bürgerenergie war der Anlass um einen Blick in die jüngste Vergangenheit zu werfen – dazu wurden Wegbereiter:innen und Wegbegleiter:innen auf die Bühne gerufen und moderiert von Vorstand Malte Zieher zu Meilensteinen der letzten 10 Jahre Bürgerenergie befragt.

Nach Abendessen und Slam-Wettstreit war es dann so weit – die Geburtstagstorte wurde feierlich kredenzt und angeschnitten. Bei Musik und Lagerfeuer klang der erste Veranstaltungstag aus.

Workshop-Programm am Samstag

Am Samstag stand im Zeichen verschiedener Workshops. Doch zuvor präsentierte das Bündnis Bürgerenergie zusammen mit dem Netzwerk Energiewende jetzt ein neues Beratungsangebot, das ab sofort abrufbar ist – individuell und spezifisch. Christoph Rinke, Vorstand BürgerEnergie Berlin, konnte einen anderen Erfolg verkünden und beschreiben – die Gründung der Dachgenossenschaft Stadtwatt in Berlin, die die Bürgerenergie mit den Wohnungsbaugenossenschaften der Hauptstadt in ein gemeinsames Bündnis bringt.

Die Workshop-Runde war thematisch vielfältig. Erwartungsgemäß gab es beim Workshop zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung großen Andrang. Dieser neue Rechtsbegriff betritt mit dem Solarpaket1 die Energiewende-Arena und ist im neu eingefügten § 42b des Energiewirtschaftsgesetzes definiert. energiezukunft wird darüber noch ausführlich berichten.

Neues vom Bündnis Bürgerenergie

Auf der Mitgliederversammlungdes Bündnisses Bürgerenergie (BBEn) e.V., die im Vorfeld des Bürgerenergie-Konvents stattfand, wurde der Vorstand neu gewählt und einzelne Mitglieder für den Aufsichtsrat und der Rat neu gewählt.

Der bisher zweiköpfige Vorstand wurde auf vier Personen erweitert. Die bisherigen Vorstandsmitglieder Katharina Habersbrunner und Malte Zieher wurden wiedergewählt, neu in den Vorstand gewählt wurden Lydia Takit und Martin Bialluch. Lydia Takit wird sich um die Organisationsentwicklung des Bündnisses kümmern, Martin Bialluch als Vorstandsprecher auch für politische Kommunikation verantwortlich zeichnen.

Claudia Kemfert, Volker Quaschning, Susanne Jung und Kristina Wittig wurden in den Rat für Bürgerenergie, den fachlichen Beirat des Bündnisses Bürgerenergie, gewählt. Svea Balzer für Green Planet Energy in den Aufsichtsrat. Petra Franke

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