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10 Jahre ASSE-KonzerteMit Musik gegen die Atomenergie

Die beiden Organisatorinnen der Konzertreihe, links Elisabeth Jürgens, rechts Ruth Jäger. (Foto: Franziska Rutz)

A-MOLL statt A-MÜLL – seit zehn Jahren setzen Musiker mit Jazz und Klassik ein klingendes Zeichen gegen die Nutzung von Atomenergie und protestieren auch gegen die Lagerung atomaren Mülls im undichten Kali- und Salzbergwerk Asse 2 bei Wolfenbüttel.

26.04.2019 – Jazz und Klassik als atomkritischer Protest in der Asse – das hat bereits seit zehn Jahren Tradition. Musikerinnen und Musiker geben Konzerte und wollen mit guter Musik – von Liederabenden über groovigen Jazz bis hin zur Kammermusik von Bach bis Vivaldi – dem Anti-Atom-Protest eine wohlklingende und starke Stimme verleihen. Die ASSE-Konzerte sei Deutschlands einzige Konzertreihe, die sich gegen die Nutzung von Atomenergie wendet, sagen die beiden Organisatorinnen Professor Ruth Jäger und die Psychotherapeutin Elisabeth Jürgens. Statt Gage für die Musiker komme der Erlös der Konzerte zu 100 Prozent regionalen Anti-Atom-Initiativen zugute. Es wird kein Eintritt gezahlt, aber Spenden sind willkommen. Einiges ist so schon zusammengekommen. Mit den Asse-Konzerten werden atomkritische Bürgerinitiativen unterstützt, die sich für einen transparenten und verantwortungsbewussten Umgang mit atomaren Altlasten einsetzen und den Ausstieg aus der Atomenergie mit viel Engagement begleiten.

Atommüll in der Asse-Region

In der Schachtanlage Asse II verschwanden in den Jahren 1967 bis 1978 fast alle in Westdeutschland angefallenen radioaktiven Abfälle, zumeist aus Kernkraftwerken. In der Asse in Remlingen bei Wolfenbüttel lagern seit Jahrzehnten 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. 13.000 Liter Wasser laufen jeden Tag in das einsturzgefährdete Atommülllager. Es besteht laut Experten die Gefahr, dass der radioaktive Abfall in das Grundwasser eindringen könnte.

Nachdem 2008 auch der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass bereits seit Beginn der 1990er Jahre kontaminierte Salzlösungen im Bergwerk existierten, wurde u.a. der Betreibergesellschaft die Betriebserlaubnis entzogen, ein Untersuchungsausschuss im Niedersächsischen Landtag eingerichtet und die Rückholung des atomaren Mülls 2013 vom Bundestag beschlossen. Die Abfälle sollen zurückgeholt werden, falls das radiologisch und sicherheitstechnisch überhaupt möglich ist. Dafür ist der Bau eines Förderschachts geplant. Die Endlagerfrage des Atommülls in Deutschland bleibt nach wie vor ungeklärt.

Weitermachen

Im Jubiläumsjahr kommen zu den Anti-Atom-Konzerten nun Musikerinnen und Musiker aus Hamburg, Karlsruhe, Bremen und der Region rund um die Asse bei Wolfenbüttel zu gemeinsamen Konzerten zusammen. Bachs Partita d-moll wird die Konzertreihe in der kleinen Wittmarer Dorfkirche eröffnen. 55 Konzerte haben in den vergangenen zehn Jahren stattgefunden, an denen sich sowohl internationale Stars als auch MusikerInnen der Region beteiligt haben. Damit seien die Asse-Konzerte eine feste Institution der Niedersächsischen Kulturlandschaft geworden, bekräftigen die Organisatorinnen, und ein Solidaritätszeichen für eine Region, die unter einem der größten Umweltprobleme Deutschlands leide.

Alle Konzerte auf  www.asse-konzerte.de