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NetzintegrationNetzanschlusspunkte für EE-Anlagen effizienter nutzen

Baustelle eines Umspannwerkes
Der Netzanschluss für größere Erneuerbare-Anlagen ist für Projektierer häufig ein zäher und langwieriger Prozess. (Foto: naturstrom AG)

Fehlende Netzverknüpfungspunkte bremsen die Energiewende. Wenn mehrere EE-Anlagen die Kapazitäten gemeinsam nutzen könnten, wäre viel gewonnen. Eine Studie von BEE und IEE identifiziert die verschenkten Potenziale und zeigt, wie sie zu heben sind.

12.04.2024 – Netzverknüpfungspunkte für Erneuerbare Energien-Anlagen sind ein rares Gut. Viele Projektierer warten lange darauf. Häufig ist der Weg zum Netzanschlusspunkt sehr weit und damit teuer. Ist eine Anlage angeschlossen, nutzt sie die vorhandenen Kapazitäten jedoch nur zum Teil, denn jede angeschlossene Anlage muss zu jedem Zeitpunkt 100 Prozent ihrer Leistung einspeisen können. So sieht es das Gesetz vor. Wind- und Photovoltaikanlagen erzeugen aber nicht immer 100 Prozent der theoretisch möglichen Strommenge. Im Durchschnitt nutzen Photovoltaikanlagen übers Jahr die Kapazität ihres Netzanschlusspunktes nur zu 13 Prozent, Windenergieanlagen zu 33 Prozent.

Diese Analyse stammt aus einer gemeinsamen Studie des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) zusammen mit dem Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE). Für die Studie haben die Organisatoren eine überwältigende Unterstützung aus der Energiewirtschaft, von Unternehmen und Verbänden erhalten, wie Matthias Stark, Leiter Erneuerbare Energiesysteme beim BEE bei der Vorstellung der Studie betonte.

In der Studie werden Vorschläge zur effizienteren Nutzung von Netzverknüpfungspunkten gemacht. Damit könnte nicht nur der Erneuerbaren-Ausbau schneller erfolgen, sondern auch Netzbetreiber hätten Vorteile.

Der Vorschlag des BEE sieht vor, künftig mehrere Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speicher und Anlagen zur Sektorenkopplung gemeinsam an einem Netzverknüpfungspunkt anzuschließen. Dabei wird mehr Leistung angeschlossen, als der Punkt eigentlich transportieren kann. Man spricht von einer Überbauung. Zusammen mit der Studie wurde eine Web-Anwendung entwickelt, die projektspezifischen die optimale Überbauung simulieren kann.

In verschiedenen Szenarien werden verschiede Arten von Überbauungen betrachtet – zum einen mengenmäßig (Überbauung von 150 Prozent oder 250 Prozent), zum anderen eine wind- bzw. PV-dominierte Überbauung. Es zeigt sich, dass die Auslastung der Netzanschlusskapazitäten teilweise um ein Vielfaches gesteigert werden kann, im Mittel über Deutschland auf bis zu 53 Prozent. Es blieben sogar noch genügen Kapazitäten frei, um auch Back-up-Kraftwerke, wie beispielsweise flexible Biogasanlagen oder Wasserkraftwerke an den Netzverknüpfungspunkt anzuschließen.

Umgang mit Stromüberschüssen, die nicht eingespeist werden können

Mit der Überbauung gibt es aber auch Zeiträume, in denen nicht alle erzeugten Strommengen ins Netz eingespeist werden können. Die dabei entstehenden EE-Überschüsse könnten für die Sektorkopplung verwendet werden, etwa zur Wärmeversorgung oder in einer Elektrolyseanlage. Sie könnten aber auch gespeichert und später eingespeist werden oder aber abgeregelt werden, wenn es keine Nutzungsmöglichkeiten vor Ort gibt.

Vorteile für alle Akteure

Für die Energiewendebedeute die Überbauung eine der größtmöglichen Beschleunigungen in Hinblick auf die Umsetzung von Netzanschlüssen, da bestehende Strukturen wie Kabeltrassen, Trafos, Umspannwerke des bestehenden Anschlusses verwendet werden können. Für Projektierer bedeutet die Überbauung eine schnellere Projektumsetzung und damit erhebliche Kosteneinsparungen.  Steuerbare, flexible dezentrale Erzeugungsanlagen (u.a. Bioenergie) können in das Stromnetz besser integriert werden.

Für die finanzierenden Banken kann sich eine stabilere, schnellere und kostengünstigere Umsetzung von Projekten positiv auf die Risikobewertung auswirken. Für die Netzbetreiber ermöglicht der Ansatz der Überbauung eine Vielzahl von Vorteilen. So können die eingesetzten Assets (u.a. Transformatoren bzw. Umspannwerke, Leitungen) deutlich besser ausgelastet werden. Das „Abschneiden“ der EE-Überschüsse führt zu einer vereinfachten Netzbetriebsführung, da Einspeisungsspitzen herausgenommen werden. Mit dem zusätzlichen Einsatz von Speichern zur Verlagerung der EE-Überschüsse lässt sich nicht nur die Auslastung der Assets deutlich erhöhen, sondern ein stabilerer und stetigerer Einspeisungsrahmen auf NVP-Ebene ermöglichen. Durch eine Herausnahme der Einspeisungsspitzen kommt es zudem zur Reduktion von Redispatch-Mengen und somit auch zu deren Kosten.

Rechtliche Umsetzung relativ einfach

Auch die notwendigen gesetzlichen Anpassungen wurden betrachtet. Lediglich minimale Anpassungen an zwei Paragrafen im EEG könnten die vorgestellten Vorschläge rechtlich wirksam werden lassen.

Simone Peter, Präsidentin des BEE, appelliert an die Bundesregierung, die gemeinsame Nutzung und Überbauung von netzverknüpfungspunkten noch in diesem Jahr umzusetzen. „200 Akteure aus der gesamten Energiewirtschaft unterstützen die Vorschläge des BEE. Das zeigt, wie dringend der Handlungsbedarf ist, und wie groß die Vorteile für alle Beteiligten sind.“ pf

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