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Windenergie an LandWindkraft-Gegner prägen falsches Bild in der Öffentlichkeit

Windenergieanlagen überragen im Hintergrund ein Dorf mit einer Kirche in der Dorfmitte.
Ob Gemeinden künftig von Windenergieanlagen profitieren werden, bleibt unklar. (Foto: pxhere, Public Domain)  

Viele Menschen glauben, dass ihre Nachbarn Windkraft ablehnen. Doch das stimmt nicht, wie eine neue Forsa-Umfrage belegt. Windkraft-Gegner sind lediglich eine laute Minderheit, deren Meinungsmache aktiv entgegengewirkt werden muss.

20.11.2020 – Die Akzeptanz der Windenergie in der eigenen Gemeinde ist deutlich höher als angenommen. Das ist die zentrale Erkenntnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind). So glauben Bewohner einer Gemeinde, dass viele andere Gemeindemitglieder gegen Windkraft auf dem Gebiet der eigenen Stadt oder dem Dorf sind und schätzen deren Anteil im Mittel doppelt so hoch ein, wie er tatsächlich ist.

Wo bereits Anlagen stehen, schätzen die Befragten etwa 40 Prozent der Gemeinde als Kritiker ein. Dieser Anteil an Menschen hat ihrer Einschätzung nach gravierende Bedenken gegenüber der Windkraft. Doch tatsächlich sind nur 16 Prozent gegen die Windkraft in der eigenen Gemeinde. 83 Prozent der Befragten dagegen sind mit Windenergieanalgen in ihrem Wohnumfeld einverstanden.

Dort wo neue Anlagen entstehen könnten, schätzen die Befragten, dass etwa 58 Prozent der Gemeindemitglieder gravierende Bedenken gegenüber der Windkraft hätten. Tatsächlich sind es aber nur 26 Prozent. 69 Prozent der Befragten hingegen hätten gar keine oder nur weniger große Bedenken gegenüber Windenergieanlagen vor Ort, falls dort gemäß der aktuellen Genehmigungspraxis Anlagen errichtet werden.

Michael Lindenthal, Vorstandvorsitzender der FA Wind, konstatiert: „Das Bild der Öffentlichkeit prägt der insgesamt relativ kleine Bevölkerungsanteil, der sich gegen Windenergieprojekte engagiert. Zustimmung wird vor Ort oft gar nicht aktiv geäußert – und entsprechend auch nicht wahrgenommen.“

Die sogenannte Initiative „Vernunftkraft“ etwa koordiniert und berät bundesweit Proteste gegen Windkraftprojekte. Und Vernunftkraft hat Verbindungen in höchste politische Kreise. Ihr erster Vorsitzender Nikolai Ziegler arbeitet im Bundeswirtschaftsministerium. Zwar ist er dort Referent für Digitalisierung, aber über enge Kontakte zum zuständigen CDU-Staatssekretär Thomas Bareiß soll er sich in der Vergangenheit auch beim Thema Windkraft eingebracht haben. Auch andere Politiker wie Union-Mittelstandschef Carsten Linnemann arbeiten aktiv gegen den Ausbau der Windenergie an Land und fördern damit das Bild von Windkraft-Gegnern in der Öffentlichkeit.

Dabei zeigt die Umfrage von Forsa im Auftrag der FA Wind auch die hohe gesamtgesellschaftliche Akzeptanz für Windenergie an Land. So halten 79 Prozent der Befragten den Ausbau der Onshore-Windenergie für wichtig oder sehr wichtig. Doch die meisten der Befürworter sind Teil einer „schweigenden Mehrheit“, wie Forsa und FA Wind ermittelt haben. 60 Prozent der Befragten haben laut eigener Aussage keine Bereitschaft für oder gegen Windenergie zu demonstrieren.

Da in den durchgeführten Telefoninterviews die persönliche Handlungsbereitschaft tendenziell zu hoch eingeschätzt wird, liegt dieser Wert wahrscheinlich noch höher. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Umfrage: In der Gruppe der „schweigenden Mehrheit“  sind gravierende Bedenken gegenüber möglichen Windkraftanlagen im Wohnumfeld niedriger (22 Prozent) als im Durchschnitt aller Befragten (26 Prozent).

Doch was bewirkt eine aktive Unterstützung der Menschen vor Ort? Auch das haben Forsa und FA Wind nachgefragt. Demnach erfahren eine effektive finanzielle Teilhabe der Kommunen, eine Fokussierung der Projektumsetzung auf Gemeinwohlinteressen und vergünstigte Strompreise eine hohe Zustimmung sich aktiv für Windenergieprojekte einzusetzen.

Ursprünglich war in der Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes für kommendes Jahr tatsächlich eine verpflichtende finanzielle Beteiligung der Kommunen vorgesehen. Doch in den verschiedenen Fassungen des EEG-Entwurfs wurde aus einer Verpflichtung „müssen“ und daraus nur noch „dürfen“. Verfassungsrechtliche Bedenken hätten zu einem Zurückrudern geführt. Der Bundesverband Windenergie kritisierte das Vorgehen. Auch von speziellen Bürgerstromtarifen, die vergünstigte Strompreise für die Menschen vor Ort bedeutet hätten, ist im finalen Entwurf nichts mehr zu finden.

Damit könnte es die Bundesregierung verpassen, die Akzeptanz vor Ort dahingehend zu steigern, dass sich Menschen auch aktiv für Windkraft einsetzen. Dabei sollte nicht nur bei zukünftigen Windanlagen sondern auch bei bestehenden über eine finanzielle Beteiligung nachgedacht werden, um die Akzeptanz und Bereitschaft sich für Windenergie einzusetzen noch weiter zu steigern. „Die Windenergie kann spürbar zur Entwicklung ländlicher Räume beitragen. Eine umfassende kommunale Teilhabe wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung“, so FA Wind Vorstand Lindenthal. mf   


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Kommentare

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Südhesse 22.11.2020, 13:43:15

Normalerweise können sich Erwachsene maximal bis zum 3. Lebensjahr zurück erinnern.

Bei der nächsten Bundestagswahl wählen noch mehr junge Wähler mit, die sich an ein Deutschland ohne Windkraft nicht mehr erinnern können. Bei einem 18 Jahrigen Erstwähler wäre dies maximal zurück bis ins Jahr 2006.

Die Windkraft gehört somit immer mehr zur Normalität wie die Eisenbahn, Stromleitungen und die Autobahn.


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