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Der Rotmilan und die WindkraftZweifelhafter Klagegrund

Ein Greifvogel mit langen Flügeln schwebt in der Luft
Die meisten Rotmilane sind Zugvögel. Im Frühling und Sommer leben sie vor allem in Deutschland, wo sich auch ihre Brutplätze befinden. Für die Wintermonate ziehen sie gen Süden. (Bild: Alexas, pixabay, Public Domain)

Nach dem Infraschall gilt nun ein zweites Argument von Windkraftgegnern als widerlegt. Windräder gefährden den Rotmilan nicht. Die Population erholt sich und für Tode des Greifvogels verantwortlich sind vorwiegend andere menschengemachte Gefahren.

28.02.2022 – Ob im rheinland-pfälzischen Hunsrück, in Reusrath in NRW oder im hessischen Görzhausen, an vielen Orten in Deutschland stellen sich Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der Windkraft. Mal argumentieren die Bürger:innen mit angeblich gesundheitsschädlichem Infraschall, die Windräder in ihrer Nachbarschaft auslösen würden. Doch diese Gefahr ist längst wiederlegt. Ein Rechenfehler in einer Studie hatte Windkraftgegnern in den letzten Jahren in die Hände gespielt. Ein weiteres Argument von Bürgerinitiativen gegen Windrädern in ihrer Nachbarschaft ist der Vogelschlag. Vor allem den Schutz von größeren Greifvögeln wie den Rotmilan führen die Windkraftgegner an.

Rotmilane seien die häufigsten Schlagopfer von Windkraftanlagen und auf der Liste gefährdeter Arten, so die Argumentation der Windkraftgegner, die schonmal extra Ausschau nach dem Rotmilan halten, um Windprojekte zu verhindern. In Deutschland werden sie dabei häufiger fündig als anderswo. Über die Hälfte der Weltpopulation lebt vorrangig in Deutschland, auch wenn sie im Winter gen Süden ziehen.

Zählungen der Vogelschützer von BirdLife Europe zeigen aber, dass sich der Rotmilan in den letzten Jahren hervorragend entwickelt hat, trotz des weiteren Ausbaus der Windkraft. Inzwischen wird er von den Vogelschützern in deren Roter Liste der Brutvögel in die Katergorie „least concern“, also geringste Sorge eingestuft. Darüber hinaus zeigt ein Forschungsprojekt der EU-Kommission: Windräder als Todesursache für Rotmilane sind extrem selten. Für das Forschungsprojekt wurden in den vergangenen zwei Jahren 700 tote Rotmilane analysiert, die zuvor mit einem GPS-Gerät ausgestattet wurden. Für das ZDF-Magazin Frontal 21 stellte der Forschungsleiter Rainer Raab erste Zwischenergebnisse vor.

Todesursache Windkraft?

Demnach ist die häufigste Todesursache das Gefressen werden durch andere Tiere. Es folgt Gift. Rotmilane würden häufig sterben, wenn sie tote Ratten oder Mäuse fressen, die an Giftködern verendet sind, so Raab. Diese Giftköder werden vor allem in der Landwirtschaft genutzt, zum Schutz von Ställen und Ernten. Auf Platz drei der Todesursachen folgt der Straßenverkehr. Dann kommen illegale Abschüsse, Stromschlag durch Stromleitungen, der Zugverkehr und erst auf Platz sieben Windräder. Angesichts steigender Rotmilanpopulationen in Deutschland und Europa, sieht Rainer Raab den Vogel durch Windkraft nicht gefährdet.

Auch die Populationen anderer als windkraftsensibel eingestufter Vogelarten, haben sich positiv entwickelt, wie der nationale Vogelschutzbericht zeigt. Die Population des Seeadlers erholte sich im Beobachtungszeitraum 2004 bis 2016 um 82 Prozent, die Population des Uhus legte um 62 Prozent zu und der Schwarzstorch konnte sich gar um 970 Prozent vermehren.

Die Kollisionen der Rotmilane mit Windrädern werden darauf zurückgeführt, weil dieser beim Fliegen häufig nach Jagdgut am Boden Ausschau hält. Raab weist aber auch darauf hin, dass Rotmilane eher dann mit einem Windrad kollidieren, wenn sie sich in einer unbekannten Gegend aufhalten, nach einem langen Flug erschöpft sind oder die Sicht schlecht ist. Doch das sei, wie die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, ein extrem seltenes Ereignis. Doch noch immer ist fast jede zweite Windkraftprojekt in Deutschland durch den Rotmilan gefährdet. mf


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Kommentare

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Anna 01.03.2022, 22:31:18

Die Pogress-Studie zeigt eindrucksvoll, welch dramatische Auswirkungen die Windräder auf zahlreiche Vogelarten haben

(siehe insbesondere Rotmilan und Mäusebussard). Wenn ich allerdings Rotmilankadaver in Gegenden untersuche wo keine Windräder stehen, kann man schon zu solchen Daten kommen. Bringt uns aber nicht weiter. Gleiches gilt für besenderte Nestlinge, die naturbedingt einer hohen Sterblichkeit unterliegen und nicht selten vom Habicht erbeutet werden. Adulte Rotmilane fallen eher selten Fressfeinden zum Opfer. Das mit dem Gift kann schon stimmen. Wer Windräder in einem Gebiet bauen will wo ein Tötungsrisiko für den Rotmilan besteht, bekommt keine Genehmigung. Deshalb muss der Vogel verschwinden. Bei Nestzerstörung besteht das Risiko, dass der Vogel in dem Gebiet neu baut. Ein vergifteter Vogel wird nicht neu bauen. Die Bestandsabnahme in Gebieten mit hoher Windraddichte ist längst nachgewiesen. Die Windradlobby wird nicht nicht müde, sich immer neuer Studien zu bedienen um die offenkundigen Probleme zu verharmlosen.


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