TOP-THEMA
Europawahl




ArtenschutzNABU und Grüne finden Kompromiss für Windkraftausbau

Rotmilan am Himmel
Über die Hälfte des Gesamtbestandes des Rotmilans brütet in Deutschland, vor allem in offenen mit kleinen Wäldern durchsetzten Landschaften. (Foto: Hans Benn auf Pixabay)

Wie genau der naturverträgliche Ausbau der Windenergie aussehen könnte, dafür haben Die Grünen und der NABU nun gemeinsame Vorschläge gemacht. Um diesen grundsätzlichen Kompromiss wurde lange gerungen.

09.12.2020 – In einem vierseitigen Papier haben Bündnis90/Die Grünen und der NABU ihre Positionen und Vorschläge für die Beschleunigung des Windkraftausbaus zusammengetragen. Die Gespräche dazu hatten auf höchster Ebene stattgefunden, das Papier trägt die Unterschriften von NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, dem Grünen Bundesvorsitzenden Robert Habeck und dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bündnisgrünen Oliver Krischer.

NABU und Grüne wollen länderspezifischen Strommengenziele für die einzelnen Energiearten definieren, die auch jeweils einen bestimmten Anteil Windkraft an Land beinhalten sollen. Für eine wirksame Durchsetzung dieser Ziele, sollte die verbindliche Bund-Länder-Strategie am besten noch in die anstehende EEG-Novelle eingearbeitet werden.

In allen Bundesländern sollen mehr geeignete Flächen für den Windkraftausbau ausgewiesen werden. Dabei wird davon ausgegangen, dass eine Ausweisung von Vorrang- bzw. Eignungsflächen auf etwa zwei Prozent der Landfläche Deutschlands ausreicht, um die erforderlichen Windstromkapazitäten aufzubauen.

In Dichtezentren werden Populationen geschützt

Für die konkrete Planung vor Ort sollen Dichtezentren eingeführt werden. Das sind Gebiete, die zum Schutz bestimmter Populationen von jedweder Nutzung freigehalten werden – im Gegenzug kann an anderen Standorten eine artenschutzrechtliche Ausnahme in Betracht kommen.

Das ist für den NABU ein großer Schritt, denn artenschutzrechtliche Ausnahmen waren bisher grundsätzlich tabu. Die Ergebnisse einer exemplarischen Berechnung stimmen optimistisch: zwei Prozent der Fläche konnten für den Windkraftausbau identifiziert werden und gleichzeitig die Artenschutzkriterien des NABU mit Hilfe der Dichtezentren auf hohem Niveau gesichert werden. Für Die Grünen gibt es nun eine Position, mit der die innerparteiliche Debatte um den Zielkonflikt zwischen Arten- und Klimaschutz befriedet werden kann – denn beides ist möglich.

Sebastian Scholz, Teamleiter Energie und Klima beim NABU kommentiert: „Das heißt nicht, dass das überall klappt, aber wir können sagen, es spricht einiges dafür, dass es funktionieren könnte.“

Windenergieverband sieht wichtigen Impuls in den Vorschlägen

Das gemeinsame Papier sieht auch Maßnahmen zur Stärkung von Regionalplanungen und Genehmigungsverfahren vor. Über die bundeseinheitliche Beurteilung des „signifikant erhöhten Tötungsrisikos“ für einzelne Individuen sind in der Umweltministerkonferenz bereits Leitlinien in Erarbeitung, die zwar nicht gesetzlich verankert werden, aber Behördenverbindlichkeit erreichen sollen.

Der Bundesverband Windenergie sieht in den substanziellen Vorschlägen einen wichtigen Impuls für die dringen notwendige Dynamisierung des Zubaus der Windenergie an Land. „Viel zu lange wurde hingenommen, dass die Gegner der Energiewende den Natur- Und Artenschutz missbrauchen. Zu oft verleiben sich Klimaleugner den Natur- und Artenschutz, aber auch die Sorge um den deutschen Wald, ein. Dieser Aneignung muss deutlich widersprochen werden. Die Vorschläge des NABU und der Grünen setzen den richtigen Fokus“, unterstrich Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). pf

Neuen Kommentar schreiben


Name: *
E-Mail: *
(wird nicht veröffentlicht)
Nicht ausfüllen!


Kommentar: *

max 2.000 Zeichen