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Unep-BerichtAb 2030 könnte die Arktis im Sommer eisfrei sein

Satellitenaufnahme der Beringstraße
Die Beeringstraße zwischen Russland und Alaska ist normalerweise zu dieser Jahreszeit mit Meereis bedeckt. Am 7. März 2019 war sie jedoch praktisch eisfrei – nur wenige hellblaue Flächen sind zu erkennen. (Foto: ESA / Copernicus Sentinel (2019), CC BY-SA 3.0 IGO)

Selbst wenn die Pariser Klimaziele eingehalten werden, könnten die Temperaturen in der Arktis bis 2050 um drei bis fünf Grad Celsius steigen. Schon im Jahr 2030 wären die daraus entstehenden Folgen verheerend – und die Arktis im Sommer eisfrei.

27.03.2019 – Die letzten Wochen könnten bereits ein Vorgeschmack dafür sein, was uns in den nächsten Jahren regelmäßig bevorsteht. Am 7. März zeigten Satellitenaufnahmen, dass die Beringstraße – eine schmale Meerenge die den Arktischen Ozean mit dem Pazifik verbindet – fast komplett eisfrei war. Normalerweise ist sie zu dieser Jahreszeit noch von einer dicken Eisschicht bedeckt, die erst im Mai auftaut und im Juli größtenteils verschwindet.

Noch viel mehr Sorge bereitet Wissenschaftlern jedoch die Entwicklung in der Arktis. Durch eine überproportional starke Erwärmung schmilzt das Eis hier deutlich schneller als bisher angenommen. Bis 2050 könnte die Wintertemperatur mindestens um drei bis fünf Grad Celsius steigen – selbst wenn die globalen Treibhausgasemissionen zukünftig gesenkt werden. Das geht aus einer aktuellen Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) hervor. Bis 2080 könnten die Temperaturen sogar um bis zu neun Grad Celsius steigen.

Ist die Arktis bald eisfrei?

Laut dem Unep-Bericht ist die Meereis-Fläche seit 1979 um rund 40 Prozent geschrumpft. Sollte die CO2-Konzentration in der Atmosphäre weiter wie bisher ansteigen, könnte die Arktis schon in den frühen 2030er Jahren in den Sommermonaten eisfrei sein. Das gehe aus unterschiedlichen Klimamodellen hervor. Das Abschmelzen der grönländischen Eiskappe und der arktischen Gletscher trage dabei weltweit zu einem Drittel des Meeresspiegelanstiegs bei.

Während die weltweite Klimaerwärmung zurzeit etwa ein Grad Celsius beträgt, verzeichnet die Erdregion am Nordpol bereits jetzt schon eine Temperatursteigerung von knapp drei Grad gegenüber dem langjährigen Durchschnitt. Dadurch schmelzen nicht nur die riesigen arktischen Eismassen, sondern auch die Permafrostböden – mit verheerenden Folgen. Denn in ihnen sind riesige Mengen abgestorbener Pflanzen konserviert, die beim Auftauen von Mikroorganismen zersetzt werden und dadurch Kohlendioxid und Methan freisetzen. Nicht ohne Grund gilt der tauende Permafrost als eines der fünf größten unterschätzten Umweltproblemen der Zukunft.

Permafrost – ein wichtiger Kipppunkt für das Klima

Deshalb wird das Schmelzen des Permafrosts auch als ein wichtiger Kipppunkt für das weltweite Klima betrachtet. Durch Rückkopplungseffekte kann sich die Erderwärmung selbst verstärken, sodass sie nicht mehr aufhaltbar ist. jk