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Prognose für die nächsten 100 JahreDer Mensch bestimmt das Schicksal der Wälder

Käfer auf totem Baumstamm
In artenreichen Mischwäldern leben mehr Käferarten als in Monokulturen. (Foto: Daniel Spase auf Pixabay)

Mehr Holzernte oder weniger, Artenreichtum oder Artensterben – ein Forschungsteam simuliert, wie sich Wälder in den nächsten 100 Jahren entwickeln könnten – je nachdem wie der Mensch handelt. Käfer dienen dabei als wichtige Indikatoren.

21.05.2022 – Wald forstlich nutzen und ihn gleichzeitig resilienter machen – diese beiden Ziele sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Dabei ist genau dies das Gebot der Stunde. Nur widerstandsfähige, gesunde Wälder können langfristig stabil Holz liefern. Widerstandsfähig sind Wälder dann, wenn nicht nur der Baumbestand divers ist, sondern auch das ganze Ökosystem Wald artenreich ist.

Der Abschied von fossilen Energieträgern rückt aber auch den Wald als Rohstofflieferant in den Fokus. Heizungen werden beispielsweise von Gas auf Holzpellets umgerüstet und auch als Baustoff wird Holz bedeutsamer. Die Auswirkungen einer verstärkten Waldnutzung sind schwer zu prognostizieren. Sicher ist, dass eine Zunahme von intensiver Forstwirtschaft mit einer Reduktion der Biodiversität einhergeht - mit weitreichenden Auswirkungen.

Eine internationale Forschungsgruppe untersucht, wie verschiedene Formen der Waldbewirtschaftung mit dem Klimawandel auf globaler Ebene zusammenspielen und hat die komplexe Situation simuliert. Das Ziel ist, Prognosen in Bezug auf die Waldnutzung und ihre Auswirkungen auf Biodiversität und menschliches Wohlbefinden für die nächsten hundert Jahre zu erstellen. Die Studie läuft noch bis Ende des Jahres, aber es wurden bereits erste Zwischenergebnisse veröffentlicht.

Das Projektteam will Aussagen darüber treffen, wie sich die Waldnutzung verändert, wenn das Gesamtsystem auf ganz unterschiedliche Gesichtspunkte hin optimiert wird. "Wir fragen, wie die Welt aussehen wird, wenn der Fokus auf maximalen Profit, auf größtmögliche Biodiversität oder auf menschliches Wohlbefinden gelegt wird", erklärt Tord Snäll, Ökologe an der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften und Koordinator der Forschungsgruppe.

Besonders wichtig ist dabei der Aspekt der Biodiversität. Dazu greifen Snäll und sein Team auf Daten von Projektpartnern zurück, die sich mit im Wald heimischen Käferspezies beschäftigen. "Wir wussten, dass der Artenreichtum bei Käfern sehr hoch ist und dass es bei unseren Partnern in Deutschland, aber auch in Norwegen und Finnland sehr gute Daten darüber gibt", berichtet der Forscher. Der Artenreichtum der Käfer erlaubt es, sie als Modell für die Biodiversität des Waldes zu benutzen. Dabei zeigte sich, dass Forstwirtschaft die Biodiversität eher reduziert. Forstwirtschaft heißt in vielen Fällen, Wälder zu fällen und dann wieder aufzuforsten. Manche Käferspezies brauchen viele Jahre, um im Wald Fuß zu fassen. Der typische Bewirtschaftungszyklus ist dafür zu kurz. Waldbewirtschaftung verursache daher einen Verlust von Biodiversität.

Biodiversität versus Kohlenstoffspeicherung

Doch ist der Fokus auf Faktoren wie Biodiversität bei der Waldnutzung angesichts der drängenden Fragen der Klimakrise überhaupt gerechtfertigt? Sollte nicht die CO2-Reduktion im Vordergrund stehen? Snäll dreht die Frage um: "Genauso gut könnte man fragen, warum wir uns nur auf die CO2-Problematik und nicht mehr auf Biodiversität konzentrieren sollen." Diese beiden Dinge ließen sich nicht trennen. So seien artenreichere Wälder robuster gegen Schädlinge oder Windbruch. Inzwischen sei gut bekannt, dass Biodiversität in einem Ökosystem auf verschiedenen Ebenen einen höheren Nutzen für Menschen bedeutet, inklusive höherer Produktivität. Mit höherer Diversität von Baumsorten steige auch die Biodiversität bei Käfern.

Der Wald als Wohlfühlort

Doch das Team interessierte sich auch für weniger offensichtliche Zusammenhänge, etwa die Frage, wie sich verschiedene Waldtypen auf das Wohlbefinden von Menschen auswirken. Letzteres ist durch eine Zusammenarbeit mit Psycholog:innen möglich, die untersuchen, welche Art von Wald Menschen als besonders erholsam wahrnehmen. Dass die Untersuchung dieses Aspekts ungewöhnlich ist, ist durchaus gewollt. Die Untersuchungen gehören zum Bereich der sogenannten "Ecosystem Services", Leistungen des Ökosystems, die eben nicht nur die Stabilität des Klimas und die Versorgung mit Gütern inkludieren, sondern beispielsweise auch kulturelle Werte und gesundheitliche Effekte.

Prognose auf globaler Ebene

Während es auf Landesebene bereits mehr oder weniger detaillierte Modelle gibt, ist eine globale Betrachtung bisher nicht systematisch erfolgt. Für eine weltweite Betrachtung stieß der österreichische Projektpartner IIASA zum Team und hat ein globales Landnutzungsmodell namens GLOBIOM entwickelt. Dazu wird der Planet in Pixel unterteilt und auf dieser Ebene die Dynamik des Waldes modelliert. Parallel dazu wird simuliert, wie die Gesellschaft sich wirtschaftlich verändert. Bis Ende des Jahres sollen die Simulationen auf weltweiter Ebene abgeschlossen werden.

Waldpolitik in Deutschland

In Deutschland hat die Bundesregierung angekündigt, den Rahmen für den notwendigen Waldumbau in einer Novelle des Bundeswaldgesetzes vorzugeben. Ein Forstschäden-Ausgleichsgesetz soll Waldbesitzern helfen, die in den vergangenen Jahren durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer erlittenen Verluste zu verkraften. Zusätzlich soll es Fördergelder geben, wenn Wald klimaschonend bewirtschaftet wird. Im Koalitionsvertrag ist auch die Umsetzung einer Holzbauinitiative geplant. pf

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