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Gegen Hitze in der StadtDie Wassertanke fürs Stadtgrün

Menschen vor einer Regentonne in einer Straße
Regentonnen in der Stadt sorgen für wertvolle Wasserressourcen in Zeiten von Hitze und Trockenheit. Anwohner:innen können damit das Stadtgrün gießen. ( Foto: Berliner Regenwasseragentur / Benjamin Pritzkuleit )

Es geht um eine einfache Idee mit großem Nutzen: Regentonnen als Wasserspeicher in den Häuserschluchten der Städte. Anwohner:innen könnten damit das Stadtgrün einfacher bewässern. Doch für den Roll-Out fehlt ein standardisiertes Regelwerk.

20.03.2024 – Bäume sind nicht nur als Schattenspender in der Stadt unverzichtbar. Sie sorgen durch Verdunstung für mehr Kühle und Frische. Allerdings brauchen sie Wasser zum Gedeihen – gerade in Phasen längerer Regenpausen.

Eine naheliegende Idee sind Regentonnen, aufgestellt an Fallrohren, die das Regenwasser von den Dächern in die Kanalisation ableiten. Ein kleiner Umweg über eine große Regentonne ist technisch kein Problem. Der Dachdecker baut einen sogenannten Regensammler am Fallrohr ein, der einen Abfluss in die Regentonne schafft und sich verschließt, wenn die Regentonne voll ist. Die Regentonne wiederum hat einen Hahn, aus dem bei Bedarf das Wasser entnommen wird. Sogar abschließbare Hähne gibt es – als Schutz vor Missbrauch.

Engagierte Anwohner und Anwohnerinnen können das Wasser zum Gießen der Bäume direkt vor ihrer Haustür nutzen. Natürlich freuen sich auch andere Pflanzen, zum Beispiel die immer öfter anzutreffenden grünen Inseln, die im Zusammenspiel mit Stadtmöblierung zu finden sind.

Die Idee ist so einfach, dass man sich fragt, warum sie nicht von jeher beim Städtebau Verbreitung fand. Inzwischen ist der öffentliche Raum in Städten eine umkämpfte Ressource. Gehwege – auf denen die Wassertanken an den Häuserwänden ihren Platz finden sollen – werden heute vielfältiger genutzt als vor hundert Jahren. Dafür eine demokratische Lösung zu finden, ist eine der Hürden, auf die die Initiative der Wassertanke trifft. Es gilt viele wichtige Anliegen unter einen Hut zu bekommen.

Die Initiative Wassertanke

Katrin Wittig und Henning Kraken trafen sich 2020 online in einer Veranstaltung der Stiftung der deutschen Wirtschaft. Sie vereinte das Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung für Städte. Henning war damals angehender Bauingenieur und hatte innerhalb seines Studiums in Münster das Konzept der Wassertanke erarbeitet und mit einer Studienarbeit begleitet. Katrin Wittig ist Bühnenbildnerin und entwickelt selbstständig Formate der kulturellen Bildung für eine nachhaltige Entwicklung von Städten im eigenen künstlerischen Format "Stadt und Zukunft.org".  Hennig und Wittig wollten beide die Idee der dezentralen Wasserkreisläufe durch das Gießen von Stadtbäumen in die Breite tragen, gründeten zusammen die Initiative Wassertanke.org und arbeiteten an der bundesweiten Vernetzung. Beide kannten die Thematik rund um den umkämpften Stadtraum, weil sie in Vorprojekten daran gearbeitet hatten.

Mit einer kleinen Förderung der Stiftung der deutschen Wirtschaft wurden einige Pilotwassertanken in Münster, Dortmund, Berlin und Potsdam aufgestellt. Viele interessierte Gruppen meldeten sich, wollten loslegen. Doch um aus den erfolgreichen Pilotprojekten eine Blaupause für alle zu machen, gilt es viele Interessengruppen zu beteiligen und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.

„In Berlin beispielsweise warten wir auf eine Vorgabe, die verbindlich für alle Stadtbezirke regelt, nach welchen Kriterien solch ein Vorhaben realisiert werden darf“, berichtet Katrin Wittig. Viel Aufklärungsarbeit sei schon geleistet, so dass jetzt die Verwaltung eigentlich weiß, was zu tun ist. Die Regenwasseragentur, eine Initiative des Senats und der Berliner Wasserbetriebe ist eingebunden und unterstützt das Anliegen.

Natürlich müssen Eigentümer einverstanden sein, aber wer übernimmt Haftung und Versicherung? Wie breit muss ein Bürgersteig sein, um eine Regentonne beherbergen zu können? Was ist, wenn die ursprünglich engagierten Anwohner wegziehen und die Tonne verwahrlost? Welche technischen Vorgaben gibt es? Und last not least: Wer bezahlt die Tonnen, kann es dafür einen stetigen Fördertopf geben? All das sind Fragen, die für die stadtweite Nutzung der Wassertanken beantwortet sein müssen.  

Die Wassertanken könnten dann analog der dezentralen Energiewende als dezentrales Regenwassermanagement fungieren und die Aufgabe der Wasserbetriebe womöglich erleichtern. Denn diese müssen sich unter anderem um die anfallenden Wassermengen bei Starkregen Gedanken machen. Innerstädtisch, wo das Regenwasser mit dem Abwasser in eine gemeinsame Kanalisation fließt, ist das eine immer drängender werdende Herausforderung. Können bei Starkregen die Wassermassen durch die Kanalisation nicht abfließen, tritt das mit Abwasser vermischte Regenwasser auf Straßen und Plätzen aus und fließt, wegen dem dann zu vollen Mischkanalsystem im Innenstadtring, ungereinigt in Spree und nachfolgende Gewässer.

Katrin Wittig spricht noch eine weitere Dimension der Wassertanken an. „Die meisten Mieterinnen und Mieter haben keine direkte Beziehung zum Hauseigentümer. Meist ist ihr Ansprechpartner eine Wohnungsverwaltung. Über die Wassertanke treten interessierte Gemeinschaften mit einem Anliegen an die Eigentümer heran, keinem individuellen Anliegen, sondern einem Anliegen im Sinne der Gemeinschaft, der Stadt. Eine Chance auf mehr Miteinander tut sich auf.“ Jede und jeder, der von der Idee hört, ist von ihr angetan. Auch quer durch alle politischen Lager wird die Idee unterstützt, schließlich liefert sie einen Beitrag zur Klimaanpassung und Schwammstadt.  Auch Hauseigentümer müssten sie deshalb gut finden, denn schließlich schützt eine resiliente Stadt auch das Immobilieneigentum. Bleibt eigentlich nur, der Wassertanke ein gutes Gedeihen zu wünschen. Petra Franke

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