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ErnährungEine fleischlose Gesellschaft ist keine Utopie mehr

Highlandrinder sitzend und stehend auf einer Wiese.
Diese Rinder könnten künftig grasen, ohne Angst zu haben auf der Schlachtbank zu landen. (Foto: shilmar / pixabay, CC0 Public Domain)

Ab 2040 könnten Fleischersatzprodukte die Oberhand gewinnen, prognostizieren Experten. Denn die Entwicklung von Produkten, die wie Fleisch schmecken, jedoch kein totes Tier enthalten, schreitet immer weiter voran. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

18.06.2019 – In einer stetig wachsenden Weltbevölkerung wird der Fleischkonsum immer mehr zu einem Problem für das Klima. 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen stammen aus der Haltung und Verarbeitung von Tieren. Ein Großteil davon geht für den Fleischverzehr drauf. Darüber hinaus bedeutet der Verzehr tierischer Produkte auch die Inanspruchnahme riesiger landwirtschaftlicher Flächen als Weideland und für den Futteranbau. Gemeinsam mit Forschern versuchen mehrere Unternehmen deswegen den Markt zu revolutionieren und Alternativen für Fleischliebhaber zu schaffen.

Und Experten prognostizieren einen durchschlagenden Erfolg von Fleischersatz. 2040 könnte demnach 60 Prozent der Weltbevölkerung auf „Fleisch“ zurückgreifen, dass nicht von geschlachteten Tieren stammt, wie die Experten in einem Report der Unternehmensberatung AT Kearney darlegen. Doch welche Möglichkeiten und Entwicklungen für das fleischlose Fleisch gibt es? Und wo sind die Erfolgschancen besonders hoch? Auch dazu geben die Experten einen Ausblick.

1. klassischer veganer Fleischersatz

Bereits weit verbreitet sind vegane Ersatzprodukte für den Fleischkonsum, wie Tofu und Seitan. Besonders für vegane Burger kommen öfters große Pilze als Patty zum Einsatz. Auch die Jakobsfrucht gilt unter Veganern als beliebter Fleischersatz. Doch wer auf den Geschmack von Fleisch nicht verzichten will, der wird mit diesen Produkten wahrscheinlich nicht sein Glück finden.

2. Klassische vegetarische Fleischersatzprodukte

Dem echten Fleischgeschmack schon ähnlicher sind da vegetarische „Fleisch“-Produkte, die in Gestalt von Schnitzel, Wurst und vielen weiteren Formen bereits seit Jahren in Supermarktregalen vorhanden sind. Doch diese Waren beinhalten immer noch tierische Produkte wie Eier oder Gelatine, wofür Tiere in Massen gehalten werden, die zur Landnahme und Treibhausgasemissionen beitragen.

3. Fleischersatz auf der Basis von Insekten

Bei diesem Verfahren kommen hauptsächlich Grillen und Mehlwürmer zum Einsatz. Deren Proteine werden unter anderem zu Burgerpatties und „Fleischbällchen“ verarbeitet. Dahinter stecken jahrelange Entwicklungen im Labor. Doch Experten glauben nicht an den Durchbruch dieser Innovation. Vor allem in den westlichen Ländern sei eine Ernährung auf Basis von Grillen und Mehlwürmern schwer vermittelbar. Vielmehr könnte diese Ernährungsform für Nutztiere und industrielle Nahrungsmittel Bedeutung bekommen.

4. neuartige vegane Fleischersatzprodukte

Im Gegensatz zum „Insektenburger“ kommen die Proteine bei diesem Verfahren komplett aus pflanzlichen Proteinen. Start-Ups wie Impossible Food, just und Beyond Meat forschen seit 2010 an den Möglichkeiten eines Fleischersatzes komplett auf pflanzlicher Basis. Und das inzwischen mit beachtlichem Erfolg. So ging Beyond Meat Ende Mai mit seinem Burgerpatty auf Basis von Erbsenproteinen in Deutschland an den Verkaufsstart, welcher innerhalb weniger Stunden im teilnehmenden Discounter ausverkauft war. Tests bescheinigen dem Patty Textur und Geschmack wie bei einem echten Fleischburger. Die Erbsenproteine werden in Verbindung mit Rote Beete Saft und pflanzlichen Ölen so verarbeitet, dass sie in der Konsistenz wie blutiges Hackfleisch anmuten, würzige Aromen geben dem „Fleisch“ seinen Geschmack.

Und der Börsengang des Unternehmens zeigt Hype und Marktwert um die neuartigen veganen Fleischersatzprodukte. Anfang Mai ging Beyond Meat am US-amerikanischen NASDAQ an den Start und verzeichnete seitdem ein Kursplus von 464 Prozent. Experten sehen in den Produkten von Beyond Meat und Co. echte Chancen dem Fleisch ernstnehmende Konkurrenz zu machen, vor allem wenn der Preis für die Produktion weiter abnimmt. Denn noch müssen Kunden etwa für zwei vegane Burgerpatties ca. 5 Euro bezahlen – aktuell weitaus teurer als subventioniertes Fleisch aus der Massentierhaltung.

5. „kultiviertes“ oder auch gezüchtetes Fleisch

Auch dem Fleischersatz aus der Petrischale sagen Experten eine rosige Zukunft voraus. Doch noch steckt sogenanntes „kultiviertes Fleisch“ (auch In-vitro-Fleisch genannt) aus der Züchtung von Gewebe in der Entwicklungsphase. Dabei werden echten Tieren Zellen entnommen, ohne dass das Tier dafür sterben muss. In Bioreaktoren wachsen diese Zellen dann in einem komplizierten biochemischen Prozess zu fleischlichen Produkten heran, die im fertigen Zustand aussehen und schmecken wie echtes Fleisch aus Rind, Geflügel und Schwein.

2013 stellten Forscher der Universität Maastricht den ersten Burger dieser Machart vor und bezifferten den Wert dieses Patties nach jahrelanger Forschung auf 250.000 Euro. Inzwischen kommen „gezüchtete“ Burgerpatties zwar auf einen Gegenwert von 10 bis 11 Euro, doch für den Massenmarkt ist das noch zu viel. Laut Experten aus der Industrie wird sich dieser Preis jedoch noch stark reduzieren und wäre dann aufgrund seiner synthetischen Herstellung eine echte Alternative, da für In-vitro-Fleisch keine Landwirtschaft betrieben werden müsste. mf