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Klimawandel in den USADie sinkenden Inseln der Chesapeake Bay

Schon in 25 Jahren könnte von der Insel Tangier nicht mehr viel übrig sein. (Foto: pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Mitten in der größten Flussmündung der USA liegt vor der Küste Virginias die Insel Tangier – oder das, was noch von ihr übrig ist. Seit 150 Jahren hat ihre Fläche um zwei Drittel abgenommen. In 25 Jahren könnte die Insel komplett verschwunden sein.

20.06.2018 – Umgeben von den US-Bundesstaaten Virginia und Maryland mündet die Chesapeake Bay in den Atlantischen Ozean. Noch befinden sich in der größten Flussmündung der USA zahlreiche Inseln. Doch das könnte sich in den nächsten Jahrzehnten allmählich ändern. Bedroht ist vor allem Tangier Island, die in den letzten 150 Jahren bereits etwa zwei Drittel ihrer Landmasse verloren hat. Im Jahr 2010 lebten hier noch über 700 Menschen. Zukünftig wird man die Einwohner jedoch umsiedeln müssen, denn schon in 25 Jahren könnte Tangier Island zum großen Teil versunken sein.

Das geht aus einer Studie hervor, die im Magazin Nature veröffentlicht wurde. Darin haben die Wissenschaftler die Entwicklung der letzten bewohnten Insel in der Chesapeake Bay zwischen 1850 und 2013 untersucht. Je nachdem wie schnell der Klimawandel voranschreitet und damit auch der Meeresspiegel ansteigt, legen die Forscher drei unterschiedliche Szenarien zugrunde. Bei einer mittleren Entwicklung verbleiben den Bewohnern noch maximal 50 Jahre, bei einer schnellen sogar nur noch 25 Jahre.

Klimawandel hat maßgeblichen Einfluss

Dabei sind es vor allem zwei Phänomene, die Tangier Island in den letzten Jahrzehnten besonders stark zugesetzt haben. Zum einen die durch Stürme ausgelöste Erosion, zum anderen der immer schneller voranschreitende Anstieg des Meeresspiegels. Beide Ursachen können in ihrer heutigen Intensität mit großer Wahrscheinlichkeit dem vom Menschen verursachten Klimawandel zugeschrieben werden.

In ihrem Bericht fordern die Wissenschaftler daher ein Konzept, das die negative Entwicklung hinauszögern soll. Komplett aufhalten kann man den Untergang von Tangier wohl nicht mehr. Es sei denn, man heißt Donald Trump. Der Präsident der USA glaubt selbst nicht an einen menschengemachten Klimawandel. So versprach er auch dem Bürgermeister von Tangier James Ekridge, dass es die Insel noch Hunderte von Jahren geben werde – entgegen der Meinung der Forscher. Ekridge solle sich keine Sorgen über einen Anstieg des Meeresspiegels machen, teilte er ihm wohl telefonisch mit. Woher die Zuversicht des US-Präsidenten stammt, ist ungewiss.

Klimawandelskeptiker trotz sinkender Heimat

Zumindest bei den Bewohnern stieß die Ankündigung des Präsidenten auf Wohlwollen und Vertrauen. Denn auf Tangier Island glaubt man nicht so recht an den Klimawandel. Gegenüber dem Nachrichtenportal The New Yorker gab Eskridge zwar zu, dass seine Insel in Schwierigkeiten steckt, trotzdem betrachtet er den Klimawandel als zweifelhaft. So glaubt er noch immer fest an die Möglichkeit einer Rettung seiner Heimat – wahrscheinlich spätestens seit dem Telefonat mit Präsident Trump.

Vertraut man jedoch auf die Meinung der Wissenschaftler, muss eher davon ausgegangen werden, dass die Bewohner auf Tangier zukünftig zu den ersten Klimaflüchtlingen der USA gehören könnten. In einem bewegenden Dokumentarfilm spricht Regisseur Jeff Leeds Cohn mit den Menschen über ihre Zukunft, läuft mit seiner Kamera über die Insel und begleitet sie in ihrem Alltag. Bewusst hat er dabei den Fokus auf die Einwohner selbst und nicht auf die Politik gelegt. Auch hier wird deutlich: Die Idee eines menschengemachten Klimawandels ist auf Tangier eher umstritten. jk


Kommentare

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W. Richter 20.06.2018, 19:36:32

+168 Gut Antworten

Im verlinkten Bericht ist nachzulesen, dass im südlichen Teil der Chesapeake Bay ein Anstieg des Meeresspiegels von 4,40 +/- 0,0086 mm/Jahr gemessen wird, wobei jedoch 2,101 mm/Jahr auf die Anhebung des Festlands als Folge der letzten Eiszeit und einen Meteoreinschlag vor 33 Millionen Jahren und insbesondere (aber weniger als 50% wird vermutet) aufs Abpumpen des Grundwassers zurückzuführen sind.

Damit bleiben in diesem Gebiet also nur noch ca. 2,3 mm/Jahr für den realen Anstieg des Meerespiegel, was ja alles andere als dramatisch ist und sich vom globalen Durchschnitt des Meeresspiegel-Anstiegs in den letzten 100 Jahren mit linear 1,7 mm/Jahr kaum unterscheidet.

 

Dramatischer wird die Sache erst dann wenn mit den Annahmen über den Meeresspiegelanstieg entsprechend dem letzten IPCC-Bericht die nächsten Jahrzehnte hochgerechnet werden - doch das ist ja alles nur Spekulation, denn es zeigt sich allen Auswertungsversuchen zum Trotz bis heute keine Beschleunigung des Meeresspiegelanstiegs. Man hat vielmehr durch sorgfältigere Auswertung festgestellt, dass der Meeresspiegel auch schon in der Vergangenheit mehrfach, wie auch wieder in den 1990-er-Jahren, einen beschleunigten Anstieg zeigt um dann wieder stark zurückzugehen, so dass ein linearer Anstieg von durchschnittlich 1,7 mm/Jahr bei Messungen mit landgestützten Stationen und von ebenso linear 3,1 mm/Jahr bei Satellitenmessungen seit 1993 übrigbleibt. Die Differenz erklärt sich durch die unterschiedlichen Meßverfahren und Meßorte und eine entsprechende Kalibrierung der Satellitendaten.

 

Hier kann jedermann leicht anhand Grafiken die aktuellen Werte seit Beginn der Messungen weltweit nachschauen und sich davon überzeugen, dass es keine Beschleunigung im Anstieg gibt, nur deutliche sichtbare Schwankungen:

https://tidesandcurrents.noaa.gov/sltrends/sltrends.html

Mit Klicks auf die entsprechenden farbigen Pfeile und im kleinen Fenster dann auf "Linear Trend" findet man alle Daten.

Miam Ibarra 07.08.2018, 09:59:17

+164 Gut Antworten

Solange Leute schreiben, das "sei alles nur Spekulation" ist dieser Welt nicht zu helfen. Donald Trump denkt ja auch. es gäbe keine Klimaerwärmung. Nun gut, bei ihm wissen alle woran das liegt. Er glaubt ja auch, dass Belgien eine schöne Stadt in Europa sei. :)

Würde man die Leute von Tangier Island nicht irgendwann mit Zwang evakuieren, könnten sie noch an die Hilfe von Donald Trump glauben, wenn ihnen das Wasser schon bis zum Hals steht...ach nein, sorry, das Wasser steigt ja nur um Millimeter pro Jahr.

...das reicht ja dann noch so lange, wie sie denken können... :)


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