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KlimawandelEisverlust der Antarktis hat sich versechsfacht

Dunkle Wolken über der Antarktis
Dunkle Wolken brauen sich über der Antarktis zusammen. (Foto: lucas huffman / Unsplash)

Heutzutage verliert die Antarktis etwa sechsmal so viel Eis, wie noch in den 1980er Jahren. Statt 40 Milliarden Tonnen sind es inzwischen mehr als 250 Milliarden – jedes Jahr. Betroffen ist davon auch ein Gebiet, das bisher als stabil galt.

16.01.2019 – Das Tempo, mit dem Veränderungen in der Antarktis vorangehen, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Von Zeitlupe zu Zeitraffer. Immer schneller schmelzen jedes Jahr riesige Eismassen. Eine neue Untersuchung des Eisverlusts in der Antarktis von Eric Rignot von der University of California und seinem Team offenbart, wie weit die Erderwärmung schon vorangeschritten ist. In den letzten 40 Jahren hat sich der antarktische Eisverlust drastisch beschleunigt.

Betrug der jährliche Verlust an Eis zwischen den Jahren 1979 und 1990 noch etwa 40 Milliarden Tonnen, waren es zwischen 2009 und 2017 im Schnitt bereits 252 Milliarden Tonnen. Damit hat sich der Eisverlust innerhalb von 40 Jahren versechsfacht, wie aus den umfangreichen Messungen hervorgeht. Für die in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS) veröffentlichten Studie wurden Satellitendaten sowie Messungen von Flugzeugen zum Schneefall, Eisverlust und Bewegungen der Gletscher ausgewertet. Die antarktische Eiskappe teilten die Forscher in 18 Regionen und insgesamt 176 Eisbecken ein.

Auch die Ostantarktis schmilzt

Neben der Geschwindigkeit, mit der die Gletscherschmelze voranschreitet, gibt es jedoch noch einen weiteren Faktor, der den Wissenschaftlern Bauchschmerzen bereitet. So schmilzt inzwischen nicht mehr ausschließlich die Westantarktis, sondern überraschenderweise auch der Osten des Kontinents. Dafür seien vor allem wärmere Meeresströmungen verantwortlich, so die Forscher. Selbst kräftige Schneefälle konnten den Eisverlust im Beobachtungszeitraum nicht mehr ausgleichen.

Die seit 1979 gemessene Gletscherschmelze in der Antarktis habe zu einem globalen Meeresspiegelanstieg in Höhe von 14 Millimetern geführt, so die Berechnungen von Rignot und seinem Team. Den größten Anteil am gesamten Eisverlust habe mit 63 Prozent erneut die westliche Antarktis gehabt. Auf die Ostantarktis entfiel ein Anteil von rund 20 Prozent, der vor allem durch die Eisschmelze im Wilkes-Land an der Ostküste verursacht wurde. Die Antarktische Halbinsel machte immerhin noch 17 Prozent der gesamten Abnahme aus.

Stärkerer Anstieg des Meeresspiegels befürchtet

Offenbar reagiert die Ostantarktis nun doch deutlich sensibler auf Klimaveränderungen, als traditionell angenommen. Bisher waren sich Experten sicher, dass das Eisschild im Osten des Kontinents stabil und immun gegenüber derartigen Veränderungen sei. Schließlich enthält gerade dieses Gebiet mehr Eis, als die Westantarktis und die Antarktische Halbinsel zusammen. Dadurch steige das Risiko für einen deutlich stärkeren Anstieg des Meeresspiegels, als bisher angenommen.

Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichten 84 Wissenschaftler eine gemeinsame Untersuchung zum Eisrückgang der Antarktis. Seit 1992 seien demnach drei Billionen Tonnen Eis geschmolzen, so ihr alarmierendes Fazit. Der Westantarktis wurde darin – genau wie in der PNAS-Studie – ein jährlicher Eisverlust von zuletzt 159 Milliarden Tonnen zugeschrieben. Die Schätzung des Gesamtrückgangs blieb mit 219 Milliarden Tonnen pro Jahr allerdings deutlich hinter der jüngsten Studie zurück. jk


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