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Fridays for Future„Wir machen das Ganze nicht zum Spaß!“

Franziska Wessel
Die fünfzehnjährige Schülerin Franziska Wessel beim Klimastreik in Berlin. (Foto: © Matthias Bertsch)

Franziska Wessel ist 15 Jahre alt und Mitorganisatorin der Berliner Klimastreiks. Schon mit 12 fiel ihr auf, dass einiges in der deutschen Klimapolitik schiefläuft. Wir haben mit der Schülerin über Ihre Forderungen, Ziele und Hürden gesprochen.

11.03.2019 – Seit Monaten zieht es immer mehr Schüler und Studenten auf die Straße um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Jeden Freitag demonstrieren sie in zahlreichen Städten vor den Parlamenten, statt in die Schule oder Uni zu gehen. Ihr Argument: Wofür etwas für die Zukunft lernen, wenn die Zukunft ungewiss ist? Hier stellt die fünfzehnjährige Schülerin Franziska Wessel die Beweggründe ihres Klimastreiks vor:

Franziska, weshalb engagierst du dich in der „Fridays for Future“-Bewegung?

Vor zwei Jahren haben meine Eltern ein Buch über den Klimawandel geschrieben. Es war ein Selbstversuch, wie man als Familie seinen CO2-Ausstoß eindämmen kann. Damals war ich 12 Jahre alt und mir ist zum ersten Mal aufgefallen, was in der Menschheit eigentlich alles schiefläuft und wo man Sachen verbessern könnte. Im Januar wurde mir dann zufällig ein Flyer für eine Fridays for Future-Demo in die Hand gedrückt. Seitdem bin ich mit dabei und organisiere inzwischen auch die Klimastreiks in Berlin.

Ihr fordert einen vollständigen Kohleausstieg bis spätestens 2030. Ist es damit getan?

Nein, in vielen anderen Bereichen muss auch etwas passieren. Der Verkehrssektor ist einer der wichtigsten, eine Verkehrswende ist dringend nötig. Nur hier sind die Emissionen seit 1990 wieder gestiegen. Und das obwohl die Regierung sich genau zum Gegenteil verpflichtet hat.

Was würdest du dir konkret wünschen?

Notwendig ist neben einer CO2-Steuer auch eine Besteuerung von Kerosin. Der ÖNPV sollte ebenfalls weiter ausgebaut werden. Es gibt so viele Möglichkeiten, die der Regierung bekannt sind. Trotzdem wird die Wirtschaft über das Lebenswichtige gestellt.

Wie siehts denn bei dir selbst mit Klimaschutz aus?

Momentan setze ich mich vor allem in der Fridays for Future-Bewegung ein, damit wir mehr Druck auf die Politik ausüben. Sonst versuche ich im Alltag andere Menschen davon zu überzeugen, dass sie weniger Auto fahren und aufs Fliegen verzichten. Außerdem achte ich beim täglichen Konsum auf Klima und Umwelt. Ich ernähre mich deshalb vegetarisch und seit längerem fast vegan.

Wo siehst du bei dir noch Verbesserungspotenzial?

Ich könnte mich noch etwas mehr bei politischen Bewegungen engagieren.

Noch mehr?

Ja okay, das ist jetzt schon ein Fulltime-Job.

Funktioniert das überhaupt neben der Schule?

Ich bin in der Schule viel häufiger am Handy und muss darauf achten, dass es mir nicht abgenommen wird. Auch habe ich seit längerem einen großen Schlafmangel. Aber mir ist es trotzdem wichtig, etwas zu verändern. Es geht ja uns alle an, wenn nichts passiert.

Manche sehen es ja kritisch, dass ihr ausgerechnet am Freitag streikt.

Ich hätte an den Freitagen sehr viel besseres zu tun, als bei -2 Grad Celsius vor dem Bundestag zu stehen, zu streiken und zu frieren. Und ich hätte auch ganz viel anderes zu tun, als jeden Tag bis spät abends am Computer zu sitzen und E-Mails zu beantworten. Ich habe jetzt gerade 150 Kilo Flyer-Material zu mir nachhause geschickt bekommen, die ich jetzt gleich mit dem Bollerwagen zum Abholort transportiere. Leute, die uns kritisieren, denken vielleicht, wir machen das Ganze nur zum Spaß. Es ist jedoch harte Arbeit.

Das Interview führte Joschua Katz.

In dieser Woche wollen wir die jungen Klimaaktivisten der Fridays for Future-Bewegung etwas näher kennenlernen. Dafür haben wir mit Schülern und Studenten über ihr Engagement bei den Klimastreiks, ihre Forderungen und ihr Verständnis von Nachhaltigkeit gesprochen.


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Kommentare

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Denkender Bürger 12.03.2019, 21:13:32

+136 Gut Antworten

Interessante Logik:

Es gibt kein kurzfristig umsetzbares technische Konzept für einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle, und die Politik soll es jetzt herbeireden.

Und das viele Dinge vor 10 oder 15 Jahren technisch noch gar nicht möglich waren, daran denkt auch keiner. Erinnert irgendwie an den Fall einer Amerikanerin, die mal gegen einen Automobilhersteller (ich glaube es war Ford) geklagt hat, weil ihre Tochter in den 60.-er Jahren in einem Auto ums Leben gekommen ist, das noch keinen Airbag hatte.

Klingt zwar absurd, aber genau das erleben wir gerade mit der Kampagne "Fryday for Future" live und in Farbe.

Und tausdende Schreien "Hurra!".

Armes Deutschland !!!

Joschua Katz 13.03.2019, 08:36:36

+156 Gut Antworten

Hallo Denkender Bürger,

 

Sie haben doch bestimmt von den über 12.000 Wissenschaftlern gehört, die die Schüler ausdrücklich unterstützen. Oder etwa nicht? Dann bitte hier nachlesen: https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

 

Es handelt sich nicht um unrealistische und nicht umsetzbare Forderungen der Fridays for Future-Bewegung.

 

Viele Grüße

Joschua Katz / Redaktion

Denkender Bürger 13.03.2019, 21:29:04

+133 Gut

Natürlich habe ich davon gehört.

Aber was technisch nicht oder noch nicht möglich ist, das geht eben nicht.

Aus seiner Kofort-Zone (Heizng im Winter, Klimaanlage im Sommer, jederzeit Strom und Wasser aus der Wand, jederzeit kaufen können, was man begehrt) will schließlich keiner raus.

Und Wunderland (persönliche Komfortzone aber ohne die Umwelt zu belasten) gibt es schlicht nicht.

Um diese Tatsachen kommen wir nun mal nicht umhin!

Es fordert ja auch kein vernünftiger Mensch die Konstruktion des Perpetuum mobile! Das würde zwar alle energietechnischen Prrobleme lösen, ist aber technisch schlicht und einfach unmöglich.

Nebenbei sei folgendes bemerkt:

Ein kostenloses Bildungssystem ist eine jahrhunderte lang erkämpfte sozialpolitische Errungenschaft, die mit der angezettelten Schulstreiks mit Füßen getreten wird. Anderswo in der Welt wären die Kinder froh, wenn es überhaupt Schulen gäbe, in die sie gehen könnten. Das sagt aber komischerweise keiner.

Deshalb ist die ganze Aktion "Friday for Future" und die Art und Weise der Berichterstattung in den Medien schlicht und ergreifend absurd und unsinnig !!!

 

Damit wir uns richtig verstehen:

Auch ich halte Umweltschutz für wichtig.

Aber doch bitte mit Realitätsbezug und legitimen Mitteln.


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