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Kidical MassFür eine neue Fahrradgeneration

Eine Gruppe von Kindern mit gelben Ballons und Fahrrädern sind auf Berlins Straßen unterwegs.
In Berlin und Köln waren bereits im letzten Jahr Kinder mit ihren Fahrrädern auf der Straße, um für mehr Platz zu demonstrieren. (Foto Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke)

In Paris werden Pop-Up-Radwege zur Dauerlösung, in Berlin hingegen könnten sie verschwinden. Dabei sind geschützte Radwege vor allem für Kinder essenziell. Für sicheres Fahrradfahren treten dieses Wochenende Kinder bei der Kidical Mass in die Pedale.

19.09.2020 – Eigentlich war das europaweite Aktionswochenende Kidical Mass schon für Ende März vorgesehen gewesen. Vorbild sind die Critical Mass Treffen in vielen Städten weltweit. Radfahrer treffen sich, um geschlossen durch die Stadt zu fahren und damit zeitweise den Autoverkehr zu blockieren. Denn eine zusammenhängende Fahrradgruppe gilt als ein Verkehrsteilnehmer, der unter anderem über eine Ampel fahren darf, wenn diese im Laufe der Gruppe längst auf Rot geschaltet hat. Im März sollte die Aktion für Kinder stattfinden. Doch die Coronakrise bewog die Organisatoren die Kidical Mass auf Eis zu legen.

An diesem Wochenende findet sie nun endlich statt. In mehr als 90 Städten in Deutschland, Belgien, England, Österreich und der Schweiz treten Kinder für eine bessere Radinfrastruktur in die Pedale. „Wir wollen, dass sich Kinder sicher und selbständig mit dem Fahrrad in unseren Städten bewegen können. Mehr Freiräume zum Bewegen und Fahrradfahren haben in Corona-Zeiten eine noch höhere Bedeutung bekommen“, erklärt Mit-Organisatorin Simone Kraus, die von Köln aus die europaweite Aktion ins Leben gerufen hat, an der sich über 150 lokale und regionale Vereine, Organisationen und Initiativen beteiligen.

Pop-Up-Radwege werden zur Dauerlösung

Sogenannte Pop-Up-Radwege sorgten in der Coronakrise bereits für Lichtblicke, etwa in Paris und Berlin. Um den öffentlichen Nahverkehr zu entlasten und den Radfahrern mehr Abstand zu ermöglichen wurden im Schnellverfahren geschützte Radwege geschaffen, auf denen sich Groß und Klein sicher und schnell durch die Stadt fortbewegen können. In Paris erklärte die Bürgermeisterin Anne Hidalgo nun, dass die rund 50 Kilometer provisorischer Radwege zur Dauerlösung umgewidmet werden. Infolge von Streiks im ÖPNV und der Coronakrise stieg der Radverkehr binnen eines Jahres um 67 Prozent.

Auch in Berlin sollten die Pop-Up-Radwege zur Dauerlösung werden. Doch die Klage eines AfD-Abgeordneten könnte das Vorhaben gefährden. Die AfD bekam vor dem Berliner Verwaltungsgericht recht. Zur Urteilsbegründung hieß es: Radwege dürften „nur dort angeordnet werden, wo Verkehrssicherheit, Verkehrsbelastung und/oder der Verkehrsablauf ganz konkret auf eine Gefahrenlage hinwiesen und die Anordnung damit zwingend erforderlich sei“. Die Corona-Pandemie als Grund reiche hingegen nicht aus. Gegen das Urteil hat die Berliner Senatsverwaltung für Verkehr Beschwerde eingereicht. Die Verkehrsverwaltung kämpft für den Bestand der Pop-Up-Radwege, da aus ihrer Sicht keine umfangreiche Begründungspflicht zu Gefahrenlagen bestehe und Unfallprävention ohnehin eine erleichterte Anordnung geschützter Radwege ermögliche.

Geschützte Radwege sind entscheidend

Vor allem für Kinder und Jugendliche sind geschützte Radwege in Berlin und anderswo entscheidend, wenn es um ihre Mobilität geht. Die Organisatoren der Kidical Mass verweisen dazu auf den Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerks. Demnach wünschen sich 92 Prozent der Kinder und Jugendlichen eine bessere Erreichbarkeit für Orte zum Draußenspielen, unter anderem durch sichere Radwege. Auch Erwachsene würden Kinder in Städten nur mit einem schlechten Gefühl Fahrradfahren lassen. Laut einer Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) stimmten dem 85 Prozent der Befragten in Großstädten zu.

Mit-Organisator Steffen Brückner fordert: „Die Städte müssen die selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen ermöglichen sowie kinderfreundliche Lebensräume schaffen. Dazu benötigt es ein progressives Vorgehen, so wie es Städte wie Utrecht und Paris vormachen.“ Utrecht gilt als einer der Vorreiter in Sachen Radinfrastruktur. In und um die Stadt sind 43 Prozent der Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. Breite und geschützte Radwege bieten Kindern wie Erwachsenen fast überall ein sicheres Fahrerlebnis. Dabei war das nicht immer so. Noch in den 70er Jahren setzte Utrecht voll aufs Auto. Innerhalb weniger Jahre vollzogen die Verantwortlichen einen kompletten Wandel.

Auch in deutschen Städten ist solch ein Wandel möglich. Speziell für Kinder fordern die Organisatoren der Kidical Mass Tempo 30 innerorts und sichere Schulradwege als wichtiger Bestandteil durchgängiger, engmaschiger Radwegenetze in den Städten. Im Umfeld von Schulen sollte es flächendeckend Fahrradstraßen geben. Zeil sei eine „Fahrradgeneration“. mf


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