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Steigende EnergiepreiseNeuseeland halbiert die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel

Ein gelber Bus in einer Straße einer Stadt an einer Oberleitung.
In der Hauptstadt Neuseelands, Wellington, waren bis 2017 sogenannte Trolleybusse unterwegs, die zum Teil per Oberleitung elektrisch fuhren. Trotz großen Protesten in der Bevölkerung wurde der Betrieb eingestellt. (Bild: Andrew Surgenor, Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0)  

Wegen steigenden Energiepreisen senkt Neuseeland nicht nur Benzinpreise und Mautgebühren, sondern auch die Kosten für öffentliche Transportmittel. Das könnte mehr Menschen zum Umstieg bewegen und steht auch in Deutschland zur Debatte.

15.03.2022 – Über drei neuseeländische Dollar, umgerechnet 1,85 Euro und mehr, kostet der Liter Benzin inzwischen an den Zapfsäulen Neuseelands. Innerhalb von zwei Monaten stieg der Preis um 50 neuseeländische Cent. Seit der letzten Nacht hat die Regierung daher Entlastungen im Transportwesen für die Bürger:innen des Landes eingeführt. Steuern auf Benzin und Mautgebühren wurden umgerechnet um 25 Cent pro Liter abgesenkt. Und die Tarife für öffentliche Verkehrsmittel wurden halbiert, sodass die Fahrt mit Bussen und Bahnen ab sofort und vorerst für drei Monate nur noch die Hälfte kostet.

„Die globale Energiekrise wurde sehr schnell akut“, zitiert der Guardian Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern. „Wir können weder den Krieg in der Ukraine noch die volatilen Benzinpreise kontrollieren, aber wir können Maßnahmen ergreifen, die Auswirkungen auf Neuseelands Familien zu reduzieren. Auf lange Sicht müsse man eine größere Resilienz im Transportwesen entwickeln, um weniger abhängig von den weltweiten Benzinpreisen zu sein, so Ardern weiter, aber die jetzige Halbierung der Kosten für öffentliche Verkehrsmittel stelle zumindest für einige Familien Alternativen zur Befüllung ihrer Autotanks bereit.

In den vergangenen Wochen geriet die neuseeländische Regierung immer weiter unter Druck, angesichts steigender Lebenshaltungskosten Maßnahmen zu ergreifen. Die Absenkung der Mautgebühr etwa ist vor allem für den Warentransport hilfreich, da Lkws auf den wenigen vorhandenen Mautstraßen vergleichsweise viel zahlen müssen.

Bekannte Probleme, auch in Deutschland

Steigende Lebenshaltungskosten werden auch in Deutschland ein immer drängenderes Problem. Vor allem die Gaspreise lassen die Kosten für Wärme und Strom erheblich steigen. Um das zehn- bis zwanzigfache stieg der Gaspreis im März zwischenzeitlich im Vergleich zum Vorjahr. Kraftstoffe erhöhten sich im Vergleich etwa um ein Drittel.

Um Preisen für Benzin und Diesel von über zwei Euro entgegenzuwirken, schlägt Finanzminister Christian Lindner einen sogenannten Tankrabatt vor. Einem Bericht der Bild zufolge soll der Rabatt an der Kasse der Tankstelle vom Gesamtbetrag abgezogen werden, um den Kraftstoffpreis für die Autofahrer wieder auf unter zwei Euro pro Liter zu drücken. Die Tankstellen sollen die Kosten dann beim Finanzamt geltend machen können.

Die Kritik an diesem Vorschlag ist heftig, vor allem von Grünen Spitzenpolitikern. Daniel Bayaz, Baden-Württembergs Finanzminister etwa sagte auf Twitter: „Dieser Tankrabatt ist teuer, wenig zielgenau, bürokratisch und verhaltensökonomisch kontraproduktiv.“ Und Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht erklärte: „Mindestens ebenso heftig trifft ein Tankrabatt all jene, die gar kein eigenes Auto haben, aber etwa beim Heizen auf fossile Energieträger angewiesen sind: Sie zahlen die Subvention des Spritverbrauchs doppelt mit: Mit ihren Steuern und mit den dadurch angeheizten Energiepreisen.“

Hilft vor allem den Gutverdienenden

Daten des Umweltbundesamtes zufolge steigt die Anzahl der Autos pro Haushalt mit steigenden ökonomischen Status. Vor allem gutverdienende Vielfahrer würden von einem Tankrabatt profitieren. Die Bundesvorsitzende der Grünen Ricarda wiederholte gegenüber der Bild die Forderung der Partei nach der schnellen Einführung eines Energiegeldes, dass pauschal an jede Bürgerin und jeden Bürger ausgezahlt, überwiegend Haushalte mit niedrigem Einkommen entlasten würde, da deren CO2-Verbrauch ohnehin niedriger ist.

Auch die neuseeländische Maßnahme, die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel deutlich zu senken, findet hierzulande Anklang, wie etwa der stellvertretende Bundesvorsitzende der Grünen Heiko Knopf, sowie Janosch Dahmen Abgeordneter der Grünen im Bundestag via Twitter mitteilten. In Österreichs Hauptstadt Wien etwa gibt es seit 2012 ein 365 Euro Jahresticket, was zu einer weiteren Steigerung der Fahrgastzahlen führte. Seit Herbst 2021 gibt es sogar ein Klimaticket für knapp über 1.000 Euro im Jahr für ganz Österreich und alle öffentlichen Verkehrsträger. Laut einer Umfrage im Auftrag der KfW würden in Deutschland vor allem in Städten mehr Menschen den ÖPNV nutzen, wenn dieser günstiger wäre. Auf dem Land ist vor allem die vielfach schlechte Anbindung ein Hindernis für den Umstieg vom Auto auf Bahn oder Bus. mf


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Kommentare

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axel 15.03.2022, 16:10:11

In Wellington fahren seit Oktober 2017 keine Oberleitungsbusse mehr. Das Titelbild passt also leider nicht.

Manuel Först 16.03.2022, 08:56:24

+2 Gut

Vielen Dank für den Hinweis. Wir haben die Bildunterschrift entsprechend geändert. Beste Grüße, die Redaktion


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