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Ölkatastrophe im Amazonas-Regenwald

Die Peruanische Regierung hat den Notstand ausgerufen, da aus drei Pipeline-Lecks riesige Mengen an Rohöl ausgetreten sind und das Amazonas-Becken verschmutzen. Rund 8.000 indigene Einwohner sind von den Folgen der Katastrophe direkt betroffen.

24.02.2016 – Tausende Barrel ausgelaufenen Rohöls verschmutzen den Regenwald im Amazonas-Becken. Die peruanische Regierung hat daraufhin am vergangenen Donnerstag für sechs Distrikte den Notstand ausgerufen. Vor allem die Verschmutzung des Grundwassers sei besorgniserregend, so Regierungsvertreter. In vielen Orten ist das Trinkwasser so stark verseucht, dass die Menschen nun durch Wasserlieferungen mit Lastwagen versorgt werden müssen. Neben der Landwirtschaft ist auch die artenreiche Tierwelt der Region betroffen. Zahlreiche Fische und Krokodile sollen inzwischen verendet sein.

Bereits vor über drei Wochen liefen im nördlichen Peru offenbar große Mengen an Rohöl aus. Erst die Proteste der indigenen Organisation Asociación Interétnica de Desarrollo de la Selva Peruana (AIDESEP) sorgten dafür, dass die Ölkatastrophe an die Öffentlichkeit gelangte und von den zuständigen Politikern ernst genommen wurde. AIDESEP fordert, dass die verantwortliche staatliche Ölfirma Petroperu die volle Verantwortung für die Ölkatastrophe übernimmt.

Ursache für Ölpest umstritten

Die spanische Nachrichtenagentur EFE geht davon aus, dass allein durch das erste Leck 2.000 bis 3.000 Barrel Rohöl ausgetreten sind. Bis die Betreiberfirma Petroperu das Leck repariert habe, seien ganze drei Tage vergangen. Laut EFE sind außerdem die Ausmaße der Katastrophe nur schwer abschätzbar, da Petroperu keine genauen Angaben über die tatsächlich ausgetretenen Mengen an Rohöl macht.

Auch die Ursachen der Pipeline-Lecks sind umstritten. Die Betreiberfirma macht einen Erdrutsch für die erste Bruchstelle verantwortlich. Die Organisation AIDESP bezweifelt dies hingegen und glaubt nicht daran, dass die zwei weiteren Risse rein zufällig entstanden sind. Vielmehr verurteilt sie den schlechten Zustand der gesamten Ölpipeline. Der peruanische Umweltminister Manuel Pulgar-Vidal sieht die Sachlage ähnlich. Er ist der Meinung, dass die veraltete Infrastruktur des Unternehmens zu der Katastrophe führte.

Ölförderung im Yasuní-Naturpark

Die peruanischen Ölbohrungen im Amazonas-Gebiet sind leider keine Seltenheit, an vielen anderen Stellen des riesigen Regenwaldgebiets wird Erdöl gefördert. Im Jahr 2013 beschloss sogar die ecuadorianische Regierung eine Ausweitung der Ölförderung in einem geschützten Gebiet. Entgegen aller Proteste sollte im Yasuní-Nationalpark, einem Gebiet mit besonders hoher Artenvielfalt, verstärkt nach Öl gebohrt werden. Präsident Correa verteidigte seine Entscheidung damit, dass er keine andere Möglichkeit habe, die Entwicklung seines Lands voranzutreiben. Vielleicht braucht es erst eine Umweltkatastrophe, wie sie nun im Norden Perus eingetreten ist, um Regierungen für die Gefahren der Erdölförderung zu sensibilisieren. jk

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