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UN-KlimagipfelGriechenland will bis 2028 aus der Braunkohle aussteigen

Bild eines Kohlekraftwerks aus der Nähe, mit den Schlottürmen. Davor Parkplätze mit Autos.
Kommen ab 2028 keine dreckigen Abgase mehr aus den Kohlekraftwerken Griechenlands, wie hier in Ptolemaida? (Foto: Michael Paraskevas / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Ein ambitionierter Plan, den Griechenland beim UN-Klimagipfel vorlegt: 2028 soll das letzte Braunkohlekraftwerk im Land schließen. Dabei ist Kohle bislang wichtigster Stromlieferant. Doch neben Klimaschutz zwingen wirtschaftliche Gründe zum Ausstieg.

25.09.2019 – Die alten griechischen Philosophen hätten keine wissenschaftlichen Beweise gehabt, nur Hypothesen. „Diese Ausrede haben wir nicht“, sagte der Premierminister Griechenlands Kyriakos Mitsotakis beim UN-Klimagipfel am Montag. Deswegen stehe Griechenland vollständig hinter der Einhaltung der Pariser Klimaziele, so der Premierminister. Und die Bemühungen dafür scheinen neuen Schub zu erhalten. „Unser Ziel ist alle Braunkohlekraftwerke für die Stromproduktion bis 2028 abzuschalten“, sagte Mitsotakis.

Ein ehrgeiziges Ziel, denn noch ist Braunkohle zu 31 Prozent für die Stromproduktion des Landes verantwortlich – so viel wie keine andere Energiequelle. In Betrachtung des gesamten Energiebedarfs wird die Abhängigkeit von der Braunkohle ebenfalls deutlich: 39 Prozent des gesamten Energiebedarfs produziert Griechenland selbst, der Rest wird importiert. Und von der eigenen Produktion entfallen 77 Prozent auf die Braunkohleverstromung. Um nicht noch stärker auf Energieimporte angewiesen zu sein, ist ein dringender Ausbau der Erneuerbaren Energien erforderlich. Laut Mitsotakis will Griechenland deren Anteil am gesamten Energiebedarf bis 2030 auf 35 Prozent steigern – aktuell sind es 15,5 Prozent.

Der Premierminister begründet die Maßnahmen für mehr Klimaschutz auch mit dem Schutz von Kultur- und Naturerbe auf der Welt. Zu diesem Thema will Griechenland – das reich an altertümlichen Kulturstätten ist – im kommenden Jahr eine Konferenz abhalten. Doch es wird nicht nur die Sorge um Klima und die Welterbestätten sein, die Mitsotakis zur Ankündigung des Kohleausstiegs bewegt. Denn seit der europäische Emissionshandel angezogen hat, werden die zumeist alten Kraftwerke Griechenlands immer unrentabler. Bereits im letzten Jahr stiegen die Preise für CO2-Zertifikate für eine Tonne CO2 von 7,60 Euro Anfang 2018 auf 25,80 Euro zum Jahresende und liegen auch aktuell auf diesem Niveau.

Der Bau eines neuen Kohlekraftwerks passt nicht in die ambitionierten Pläne

Der größte Energiekonzern Griechenlands, die Public Power Corporation (PPC), die zu 51 Prozent im Besitz des Staates ist, hat bereits angekündigt seine Anteile an Braunkohlekraftwerken zügig zu veräußern. Demgegenüber steht jedoch der Bau eines neuen Kohlekraftwerks in Ptolemaida. Seit 2013 im Bau, soll das Kraftwerk 2022 ans Netz gehen. Doch auch das Projekt ist nicht wirtschaftlich. PPC hat daher von der EU-Kommission eine Ausnahmegenehmigung gefordert, um den klimaschädlichen Strom auch in Zukunft subventionieren lassen zu können. Denn ohne eine Genehmigung wäre dies seit dem 4. Juli nicht mehr möglich, berichtet die Umweltorganisation urgewald. Die neue Strommarkt-Richtlinie verbiete Subventionen für neue Braunkohlekraftwerke. Finanziert wird das Projekt unter anderem von der KfW-IPEX-Bank, einer Tochter der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Um seinen Ankündigungen gerecht zu werden, müsste der Premierminister den Weiterbau des Kohlekraftwerks in Ptolemaida stoppen. Ebenfalls wichtig werden Maßnahmen für einen funktionierenden Strukturwandel sein. Während in Deutschland der angekündigte Kohleausstieg verbunden ist mit Milliardeninvestitionen für den Strukturwandel, werden die ehemals prosperierenden griechischen Braunkohleregionen bislang alleine gelassen, wie die Süddeutsche Zeitung in einer eindrücklichen Reportage beschreibt. Es wartet eine Menge Arbeit auf Mitsotakis. mf


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