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Verkehrte WeltKohle-Lobbyist wird neuer Chef der US-Umweltbehörde

Andrew Wheeler und Scott Pruitt
Scott Pruitt (rechts im Bild) schüttelt Andrew Wheeler im April 2018 die Hand: „Willkommen zurück bei der EPA“ (Foto: EPA / Twitter)

Der US-Senat hat Andrew Wheeler als neuen Direktor der EPA bestätigt. Damit wird der radikale Kurs der Umweltbehörde fortgesetzt und Umweltschutz weiter an Bedeutung verlieren – der Republikaner gilt als Kohlefreund und Klimawandel-Leugner.

04.03.2019 – Nominiert wurde Andrew Wheeler von US-Präsident Donald Trump. Nach dem Rücktritt des bisherigen Direktors Scott Pruitt im vergangenen Juli leitete er bereits kommissarisch die „United States Environmental Protection Agency“ (EPA). Nun wurde er auch offiziell vom US-Senat bestätigt. Trotz 47 Gegenstimmen entschieden sich 52 Senatoren für Wheeler. Sie entschieden sich damit für einen ehemaligen Lobbyisten der Kohleindustrie und für einen bekennenden Klimawandel-Leugner. Und das obwohl der Direktor einer Umweltbehörde den Klima- und Umweltschutz stärken sollte – und nicht aufweichen.

In den letzten Jahren sorgte Wheeler immer wieder für Aufsehen, indem er den wissenschaftlich unumstrittenen Klimawandel anzweifelte. So stellte er beispielsweise 2010 die wissenschaftliche Sorgfalt des Weltklimarats (IPCC) infrage. Seiner Ansicht nach beruhe die Position der Organisation mehr auf einem politischen Weltbild, als auf wissenschaftlichen Fakten. Dass in einem Sonderbericht des IPCC mehr als 6.000 Publikationen von über 24.000 Wissenschaftlern zitiert werden, scheint Wheeler nicht auszureichen.

Lobbyist für große Kohleunternehmen

Auch als Kohlefreund hat sich der neue EPA-Chef schon länger einen Namen gemacht. Im Jahr 2009 begann Wheeler als Lobbyist für eine Beratungsfirma zu arbeiten, zu deren Kunden große konventionelle Energiekonzerne gehörten. Dabei repräsentierte er unter anderem das Kohleunternehmen „Murray Energy“, von dem er Jahr für Jahr sechsstellige Dollar-Beträge kassierte.

Im Jahr 2018 kehrte er dann zur US-Umweltbehörde zurück, wo er bereits in den 90er Jahren beschäftigt war. Dank der Berufung von Trump wurde er dort zum stellvertretenden Direktor ernannt. Kein Jahr später ist er nun zum EPA-Chef aufgestiegen. Sein Vorgänger Pruitt hatte es mit einer Vielzahl von Skandalen dann doch etwas zu weit getrieben und musste deshalb Platz machen. Dabei hatte er zuvor sehr erfolgreich Stück für Stück jene Umweltauflagen gelockert, die unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama eingeführt wurden. So liefen im Mai 2018 mindestens 14 offizielle Untersuchungen gegen Scott Pruitt – nicht zuletzt wegen Korruption oder Verschwendung öffentlicher Gelder.

Bestürzung und Applaus liegen dicht beieinander

Während Umweltorganisationen auf der ganzen Welt bestürzt auf die erneute Wahl eines Kohle-Lobbyisten zum EPA-Chef reagieren, „applaudiert“ der Verband der Kohleproduzenten „America’s Power“ (ACCCE) unverhohlen. Wheeler wurde bereits während seiner Zeit als stellvertretender Direktor als „bedachtsamer Führer angesehen, der die Notwendigkeit vernünftiger Umweltpolitik versteht“, so Michelle Bloodworth, Präsidentin des Verbands. Auch wenn das für manch einen wie Hohn klingen mag, gibt es für den ACCCE keinen Grund, seine Freude vor der Öffentlichkeit zu verbergen.

Schon kurz nach der Bestätigung des Senats ist klar: Andrew Wheeler wird da weitermachen, wo Pruitt aufgehört hat. Er wird weitere Reformen abschaffen, die den Umweltschutz gestärkt haben. Er wird der Kohlelobby weiterhin Gehör schenken. Er wird Trumps Ziel weiterverfolgen und Obamas Bemühungen gegen den Klimawandel so gut wie möglich rückgängig machen. jk


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