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Klimafonds der UN enttäuscht Umweltorganisationen

Der weltberühmte Hoover-Damm in den USA mit seinem Stausee. (Foto: <a href="https://flic.kr/p/np68Q1" target="_blank">Airwolfhound / flickr.com</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.en" target="_blank">CC BY-SA 2.0</a>)
Der weltberühmte Hoover-Damm in den USA mit seinem Stausee. (Foto: Airwolfhound / flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Der Grüne Klimafonds der Vereinten Nationen (GCF) hat mit seiner Entscheidung, zwei Staudammprojekte in Entwicklungsländern zu fördern, Kritik durch Verbände ausgelöst. Die Umweltorganisationen bemängeln dabei den geringen Klimanutzen der Vorhaben.

11.04.2017 – Der GCF hat jüngst Investitionen für Umweltprojekte in Entwicklungsländern in Höhe von mehr als 700 Millionen US-Dollar genehmigt, darunter auch zwei Staudämme in Tadschikistan sowie auf den Salomonen-Inseln im Pazifik. Rund 136 Millionen US-Dollar sollen beide Projekte kosten, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen kritisieren jedoch die Entscheidung des Fonds diese Projekte zu bewilligen.

Der GCF habe bislang noch keine eindeutige Position zu großen Staudammprojekten eingenommen und dürfe in Zukunft solchen Vorhaben nicht weiter mit Geld ausstatten, wenn diese nicht mit den Kriterien der World Commission on Dams vereinbar sind, so Lutz Weischer von der NGO Germanwatch. Anders als bei dem kompletten Neubau eines Staudamms zur Energiegewinnung auf den Salomonen für 86 Millionen US-Dollar ist das „Quairokkum-Projekt“ in Tadschikistan lediglich ein Modernisierungsvorhaben, welches mit immerhin 50 Millionen US-Dollar zu Buche schlägt.

Staudämme oft mit zweifelhaftem Umweltnutzen

Die Umweltverbände erheben Einwände gegen die Projekte, da der Bau eines Staudammes immer einen intensiven Eingriff in die Natur darstellt. Oftmals müssen deshalb auch ganze Kommunen umgesiedelt werden. Zwar setzt die Wasserkraft nur in geringem Umfang klimaschädliche Gase frei. Doch dort, wo das Wasser bestehende Ökosysteme überflutet, entsteht durch die Zersetzung von Biomasse oft Methan. Das starke Klimagas trägt dann wieder indirekt zum Treibhauseffekt bei. Des Weiteren haben Untersuchungen belegen können, dass der Damm in Tadschikistan bereits jetzt schon die Fischbestände der anliegenden Gewässer negativ beeinflusst.

In Bezug auf den Damm auf den Salomonen sehen Umweltschützer vor allem negative Auswirkungen für die lokale Biodiversität. Außerdem sind die Kosten für den relativ kleinen Damm vergleichsweise groß. Das Geld sei an anderer Stelle besser eingesetzt, so Umweltverbände. Das Projekt bringt trotz aller Kritik jedoch auch positive Aspekte mit sich. So dürfte sich durch den Strom aus Wasserkraft zum Beispiel die Abhängigkeit der lokalen Bevölkerung von Dieselgeneratoren deutlich verringern.

Internationale Signale

Im Rahmen der Klimaverhandlungen von Paris wurde beschlossen, dass 18 Industriestaaten jährlich 100 Milliarden US-Dollar in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern investieren. Der GFC gilt wichtigster Kanal für den Transfer und Vermittlung dieser Gelder. Germanwatch sieht neben den hohen Investitionskosten der bemängelten Vorhaben besonders die Signalwirkung als kritisch an. „Das Projekt in Tadschikistan war kein Klima-, sondern ein Infrastrukturvorhaben, das ein bisschen grün ist“, so Weischer.

Der Fonds sei bestrebt, rasch Ergebnisse vorzuzeigen um die Töpfe schnell wieder auffüllen zu können, um so in kurzer Zeit eine große Anzahl an Projekten zu fördern. Dabei werde jedoch übersehen, dass Gründlichkeit wichtiger sei als Schnelligkeit. Weischer sieht jedoch auch das Dilemma, in welchem sich der GFC befinde: Prüft das Direktorium die Anträge zu lange, wäre die Kritik absehbar, dass das Geld zu langsam fließe. Werden Projekte zu schnell angenommen liefe der Fonds Gefahr unsinnige Projekte zu fördern.

Große Verantwortung habe in der Angelegenheit auch die Bundesregierung. Hätte diese deutlichen Widerspruch gegen die kritisierten Projekte eingelegt, so wären die Investitionen vermutlich nicht bewilligt worden. Germanwatch wünscht sich daher mehr Mut von der Regierung, in Zukunft derartige Kritik an den Fonds heranzutragen. bm

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