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Klimawandel wird teuer für europäische Städte

Ein Blick auf Hamburgs Landungsbrücken und Elbterrassen während der BluePort-Lichtinstallation. 2013 sorgte der Orkan Xaver hier für einen mehr als 6 Meter hohen Wasserstand der großen Schaden anrichtete. (Foto: <a href="https://flic.kr/p/izsPWj" targ
Ein Blick auf Hamburgs Landungsbrücken und Elbterrassen während der BluePort-Lichtinstallation. 2013 sorgte der Orkan Xaver hier für einen mehr als 6 Meter hohen Wasserstand der großen Schaden anrichtete. (Foto: CA-TV / flickr.com, CC BY 2.0)

Europas am Wasser gebaute Städte sind durch den Klimawandel großen finanziellen Risiken ausgesetzt, das hat eine kürzlich veröffentlichte Studie ergeben. Extremwetterereignisse werden global zunehmend zu einem Problem für urbane Räume und Versicherer.

10.03.2017 – Mehr als eine Milliarde Euro könnte der Klimawandel die 19 untersuchten Städte der Studie bis 2030 jährlich kosten, so eine aktuelle Studie, darunter die Metropolen Hamburg, Rotterdam und Istanbul. Allein die türkische Stadt am Bosporus sei bis 2100 mit enormen Ausgaben zur Schadensregulierung von Klimafolgeschäden konfrontiert, mit bis zu zehn Milliarden Euro jährlich rechnen die Studienautoren. Weltweit liegen mehr als zwei Drittel aller urbanen Ballungsräume nur unwesentlich über dem Meeresspiegel und sind so dem steigenden Meeresspiegel unmittelbar ausgesetzt.

Die von spanischen Wissenschaftlern durchgeführte Untersuchung bezieht sich dabei auf den fünften Sachstandsbericht des International Panel for Climate Change der UN (IPCC), im Deutschen auch Weltklimarat genannt. Dieser wurde 2013/2014 veröffentlicht und dient seitdem als Grundlage für weitere Studien, die basierend auf den Ergebnissen des Berichts vielfältige Aspekte des Klimawandels analysieren. Außerdem wurden umfassende finanzwirtschaftliche Modelle auf die Studie angewandt, um eine größtmögliche Genauigkeit der Aussagen gewährleisten zu können.

Versicherer raten zu Klimaschutzmaßnahmen

Auch große Versicherer wie die Münchener Rück oder die Schweizer Swiss-Re bedienen sich des Sachstandsberichts und kombinieren dessen Erkenntnisse mit den eigenen, riesigen Daten-Pools. Die Branche wirbt vehement für mehr Klimaschutz, verständlicherweise auch aus Eigeninteresse. Je höher die durch Wetterereignisse verursachten Schäden, desto unwirtschaftlicher wird das Geschäft für die Konzerne. Städte müssen Ihre eigene Resilienz gegenüber Klimaschäden erhöhen, so die Botschaft, physikalische Maßnahmen wie Deiche und Rückhalteflächen seien allein nicht ausreichend.

Hamburg, Deutschlands Sorgenkind im Klimawandel

In Deutschland steht vor allem Hamburg im Fokus der Studienautoren. Ab 2030 müsse die Hansestadt jährlich rund 65 Millionen Euro in die Hand nehmen um die Schäden, die etwa durch Überflutungen entstehen, zu sanieren. Die Stadt ist seit jeher durch Sturmfluten bedroht, zuletzt verursachte 2013 das Orkantief Xaver die zweithöchste je in Hamburg gemessene Überflutung, große Flächen der Stadt lagen unter Wasser.

Auch Nordrhein-Westfalen ist durch Überschwemmungen gefährdet, besonders im dicht bebauten und stark versiegelten Ruhrgebiet führen Starkregenereignisse regelmäßig zu überspülten Straßen und vollgelaufenen Kellern. Immobilienbesitzer werden in Zukunft verstärkt die Leistungen von Versicherungen Anspruch nehmen müssen – insofern sich die Haushalte im Vorfeld überhaupt haben versichern lassen. Das ist lautDer Westen jedoch nur in 36 Prozent aller Fälle der Fall, und das obwohl die Landesregierung betont, dass 99 Prozent aller Gebäude in NRW prinzipiell versicherbar seien. Vermutlich sehen die Hausbesitzer noch nicht die Notwendigkeit hier zu investieren.

Klimaschutz ist langfristig billiger

In einer Publikation des Deutschen Städtetags, der University of Cambridge und weiteren wird ebenfalls der 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats aufgegriffen und die Kernrisiken für Städte analysiert. Die Autoren sehen in den rasch wachsenden Ballungszentren der aufstrebenden Schwellenländer das größte Potenzial für aktiven Klimaschutz. Jedoch mangele es diesen Städten häufig an den technologischen, finanziellen und politischen Ressourcen. Bis zum Jahr 2050 wird die weltweite Stadtbevölkerung um 2,5 bis 3 Milliarden Menschen wachsen. Urbane Gebiete sind bereits jetzt schon für rund 70 Prozent des globalen Energieverbrauchs verantwortlich und besonders von den Folgen des Klimawandels bedroht. Neben Niederschlags- und Überschwemmungsereignissen sind Wasserknappheit und steigende Temperaturen wesentliche Problemfaktoren für die Ballungsräume. Die Forscher sind sich sicher: Auch wenn es große Anstrengungen und Kosten mit sich bringen wird, die Resilienz von Städten gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen - auf lange Sicht wird dies dennoch deutlich günstiger sein, als die Kosten von Extremwetterereignissen zu bewältigen. bm

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