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PlastikentsorgungDeutschlands neue Müllhalden sind in Südostasien

Fast bildfüllender Plastikberg mit Mensch oben drauf.
Berge von deutschem Plastikmüll türmen sich in den Ländern Südostasiens (Foto: © Greenpeace).

Der Export von Plastikmüll verschiebt sich zunehmend nach Südostasien. Auch aus Deutschland kommen tausende Tonnen an Plastik – verbrannt oder deponiert unter besonders schädlichen Bedingungen. Doch dem könnte gesetzlich ein Ende bereitet werden.

24.04.2019 – Im Januar 2018 fing es an: China verfügte einen Importstopp für 24 Müllsorten. Seit 2019 gibt es einen kompletten Importstopp, auch für Plastikmüll. Ein Problem für Deutschland und andere Industriestaaten. 60 Prozent des Plastikmülls wurden bis dahin aus der EU nach China verschifft. Doch keines, was sich aus Sicht der exportierenden Staaten, nicht lösen ließe. Denn Deutschland und die anderen verschieben ihre Müllentsorgung einfach in andere Länder in der Region. Laut einem Bericht von Greenpeace-East-Asia sind dies vor allem Malaysia, Thailand und Indonesien.

"Sobald ein Land die Einfuhr von Plastikabfällen einschränkt, wird der Müll in das nächste weitergeschoben. Darunter leiden die Menschen. Sie leben in einer vermüllten Umwelt mit hohen Gesundheitsrisiken", erklärt Manfred Santen, Chemiker von Greenpeace. Nachdem der Bann aus China in Kraft trat, nahm Malaysia mehr Abfallimporte auf, als jedes andere Land auf der Welt und in Thailand nahmen die Müllimporte um mehr als 1.000 Prozent zu. Und nachdem auch in diesen Ländern die Restriktionen für den Import von Abfall mehr wurden, ist nun Indonesien an der Reihe.

Über Nacht stapeln sich die Plastikabfälle bis zu zwei Meter hoch

So verwandelte sich Sumengko auf der indonesischen Insel Java fast über Nacht in eine internationale Müllhalde, auf der sich die Plastikabfälle bis zu zwei Meter hoch stapeln. Während mafiöse Strukturen dort das schnelle Geld machen, sorgen sich andere um die Gesundheit der Bewohner von Sumengko. „Es ist nicht fair, es ist empörend“, sagt Polo Hari, der Bürgermeister des Ortes, im Angesicht von Mafia und der internationalen Plastikmüllindustrie. „Ich muss meine Leute beschützen, wenn ich das weiter zulasse, bin ich nutzlos“, so Hari weiter.

Doch die Gegner von Hari sitzen auch bei der Polizei und Regierung Indonesiens. Dabei müssten die Behörden die gesundheits- und umweltschädlichen Gefahren erkennen, die der importierte Plastikmüll verursacht. Denn oft genug passiert es, dass der Plastikmüll unter offenem Himmel verbrannt wird, wobei giftige Dämpfe entstehen, die zu Atemwegskrankheiten und Krebs bei den Menschen in der Umgebung führen. Nicht verbranntes Plastik indessen zerstört mit der Zeit fruchtbaren Ackerboden und den Lebensraum von Gewässern in Sumengko.  

Und daran tragen auch die deutschen Konsumenten Schuld. Zwar werden in Deutschland knapp 50 Prozent des Plastiks wiederverwertet, doch von den 6,5 Millionen Tonnen Plastik, die jedes Jahr anfallen, werden rund 1,2 Millionen Tonnen exportiert. Und allein aus Deutschland sind 2018 jeweils rund 10.000 Tonnen Plastik in Indonesien und Malaysia gelandet, wie der Bericht von Greenpeace zeigt.

Hoffnung keimt auf

Greenpeace und auch der NABU fordern deshalb eine Anpassung des Basler Übereinkommens, welches die grenzüberschreitende Verbringung gefährlicher Abfälle und ihrer Entsorgung regelt. Das Übereinkommen sollte demnach dahingehend angepasst werden, dass Plastikabfall niedriger Qualität nicht mehr in Länder mit geringen Entsorgungs- und Recyclingstandards exportiert werden kann. „Durch die Anpassung des Basler Übereinkommens würde dem Export von dreckigem Plastikmüll aus Deutschland nach Südostasien, aber auch in alle anderen Länder des globalen Südens, ein Ende bereitet werden“, so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die Vertragsparteien des Basler Übereinkommens tagen derweil ab nächster Woche in Genf. Und Norwegen hat bereits den Vorschlag unterbreitet gemischte oder verunreinigte Plastikabfälle, die nicht oder nur schwer recycelbar sind, den Abfällen zuzurechnen, die besonderer Prüfung bedürfen. Damit wäre eine sinnvolle Einschränkung des Exports von Plastikmüll erreicht, findet der NABU und verweist darauf, dass dies auch positive Effekte für die Stärkung der hiesigen Kreislaufwirtschaft haben kann. Denn bei einem Exportstopp wäre der Handlungsdruck in Deutschland enorm. mf