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Europas StädteImmense Gesundheitskosten durch Luftverschmutzung

Demonstranten mit Atemschutzmasken und Schildern auf denen steht: "Recht auf saubere Luft" und "Radwege statt Dieselpisten".
Der Verein Changing Cities demonstrierte 2018 vor dem Verwaltungsgericht Berlin für saubere Luft und ein zonales Fahrverbot für dreckige Diesel-Fahrzeuge. (Bild: Jens Blume / changing-cities.org)

Das Problem ist bekannt, jetzt macht eine Studie das Ausmaß deutlich: Luftverschmutzung verursacht in Europas Städten jährlich 400.000 Todesfälle und Kosten in Höhe von 166 Milliarden Euro. Und das bereits ohne die Folgen der Corona-Pandemie.

21.10.2020 – Gesundheit und Wohlstand leiden in Europas Städten. Dabei müsste das nicht sein. Die von Menschen verursachte Luftverschmutzung hat nach wie vor ein bedrohliches Ausmaß, trotz geringer Verbesserungen in den letzten Jahren. Wie schlimm es um europäische Städte bestellt ist, macht eine neue Studie der European Public Health Alliance (EPHA) deutlich. Anhand von Messstationen in 432 Städten in ganz Europa analysierte die EPHA die Auswirkungen von Feinstaub, Stickoxiden und Ozon auf die menschliche Gesundheit – mit erschreckenden Ergebnissen.

Demnach belaufen sich die gesundheitlichen Kosten durch medizinische Behandlungen, vorzeitige Todesfälle, Arbeitsausfälle und weitere Faktoren auf 166 Milliarden Euro allein im Jahr 2018. Das bedeutet einen Wohlstandsverlust für jeden europäischen Städtebewohner von 1.250 Euro pro Jahr. Vor allem die vorzeitigen Todesfälle sorgen für hohe Kosten und Leiden bei vielen Angehörigen. Sie machen 76 Prozent der gesundheitlichen Kosten aus. 400.000 Menschen starben 2018 in Europas Städten vorzeitig an Krankheiten, ausgelöst durch Luftverschmutzung.

Einberechnet sind darin noch nicht einmal die katastrophalen Folgen der Lustverschmutzung auf die Corona-Pandemie. Bereits im März dieses Jahres wies die EPHA darauf hin, dass die gesundheitlichen Schäden immens werden. Dabei verwies sie auf die SARS-Epidemie 2003 wonach Patienten bereits in Gegenden mit gemäßigter Luftverschmutzung ein 84 Prozent höheres Risiko hatten zu sterben als in Umgebungen mit niedriger Luftverschmutzung. Besonders Norditalien traf die Corona-Pandemie im Frühjahr hart. Die Gegend galt bis dahin als einer der Hotspots für Luftverschmutzung.

Das bestätigt auch die neue Studie der EPHA. Mit Mailand, Padua, Venedig, Brescia und Turin dominieren italienische Städte die Top-Ten der europäischen Metropolen hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Kosten pro Einwohner. Insgesamt sind in Südeuropa die Kosten für chronische Erkrankungen am höchsten, während vor allem osteuropäische Städte vorzeitige Todesfälle beklagen.

Es werden enorme Ungleichheiten im Gesundheitsbereich deutlich

EPHA-Generalsekretär Sascha Marschang sagt dazu: “Unsere Studie offenbart das Ausmaß des Schadens von dreckiger Luft für die menschliche Gesundheit. Außerdem werden die enormen Ungleichheiten im Gesundheitsbereich zwischen, aber auch innerhalb der europäischen Länder deutlich.“ So entsprechen die gesundheitlichen Kosten über alle europäischen Städte hinweg einen Einkommensverlust von 3,9 Prozent.

In vielen Städten in Bulgarien, Rumänien und Polen jedoch betragen die Kosten acht bis zehn Prozent der Einkommen. Die Bewohner von Bukarest zahlen europaweit am meisten, mit 3.004 Euro pro Person. Zum Vergleich: Luftverschmutzung in Deutschland kostet jährlich 1.468 € pro Stadtbewohner. Negativer Spitzenreiter in Deutschland ist München, mit gesundheitlichen Kosten von 1.984 Euro pro Kopf.

Die überwiegende Mehrheit der Kosten wird durch Feinstaub verursacht, mit einem Anteil von 82,5 Prozent, gefolgt von Stickoxiden mit 15 und Ozon mit 2,5 Prozent. Während Ozon vor allem durch Verbrennung verursacht wird, sind die Haupttreiber von Feinstaub und Stickoxiden der motorisierte Straßenverkehr. Auf die gesundheitsbedingten Kosten bezogen bedeutet das: Ein Anstieg des Autoverkehrs um ein Prozent sorgt für 0,5 Prozent höhere Gesundheitskosten. Entsprechend weisen die EPHA und ihre Partner auf eine verfehlte Verkehrspolitik in vielen europäischen Städten hin.

In Deutschland war der Verein Changing Cities beteiligt. Deren Pressesprecherin Ragnhild Sørensen macht deutlich: „Wir müssen alle atmen und wir wollen alle mobil sein. Wir brauchen eine Mobilitätspolitik, die beides ermöglicht: Fortbewegung, die uns gesund hält und so wenig Schadstoffe wie möglich aussendet.“ Der Verein setzt sich Deutschlandweit für eine Verkehrswende ein und fördert vor allem die Fahrradmobilität. Das Berliner Mobilitätsgesetz mit einem festgeschriebenen Ausbau der Radinfrastruktur trägt ihre Handschrift.

Insgesamt sollten die politisch Verantwortlichen in Europa die gesundheitlichen Kosten der Luftverschmutzung stärker berücksichtigen fordern Sørensen und Marschang. Eine Verkehrswende mit mehr Rad- und Fußverkehr, sowie öffentlichen Verkehrsmitteln und weniger Autos wären aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen vorteilhaft. mf


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