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Plastikvermüllung

Nachweis von Mikroplastik im menschlichen Darm

Schritte im Sand
Plastik-Spuren im Sand: Selbst der Abrieb von Schuhsohlen trägt zur Mikroplastikbelastung unserer Umwelt bei. (Foto: Pixabay / CC0 Creative Commons)

Plastik ist überall und verschmutzt die Umwelt. Plastikpartikel finden sich in Böden, Gewässern und Meeresgetier, die Vermüllung nimmt zu. Forscher aus Österreich sind im Rahmen einer Pilotstudie nun auch im menschlichen Stuhl fündig geworden.

24.10.2018 –Forscher der Medizinischen Universität Wien haben Kunststoffpartikel in Stuhlproben von bislang acht Studienteilnehmern im Alter zwischen 33 und 65 Jahren gefunden, teilten die Universität und das österreichische Umweltbundesamt mit. Die Probanden leben auf verschiedenen Kontinenten. Eine Woche lang mussten die Teilnehmer in Plastik verpackte Nahrung und Getränke aus PET-Flaschen konsumieren, aßen auch Fisch und Meeresfrüchte. Danach wurden die Stuhlproben untersucht.

Plastikvermüllung der Weltmeere nimmt stetig zu

Überrascht waren die Forscher laut eigener Aussage vor allem von der Vielfalt der Kunststoffe. „In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen“, bestätigte Bettina Liebmann, Expertin für Mikroplastik-Analysen im österreichischen Umweltbundesamt, das Ergebnis. Am häufigsten fanden sich Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) in den Proben.

Einen direkten Zusammenhang zwischen Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik können die Wissenschaftler aufgrund der kleinen Probandengruppe und der kurzen Zeitphase noch nicht verlässlich herstellen. Das Thema Mikroplastik im Menschen sei bislang kaum bekannt und noch weniger erforscht, so die Wissenschaftler. Daher habe man sich zunächst auf eine erste kleine Studie mit wenigen Probanden konzentriert., eine größer angelegte Studie werde folgen – zumal das Ergebnis alarmierend ist und die Folgen für Körper und Gesundheit dann im Weiteren untersucht werden sollten.

Vom Haarshampoo bis zur Schuhsohle

Wie das Mikroplastik in die Umwelt gelangt wird bereits seit längerem untersucht, das Wissen darüber ist aber noch lückenhaft. Allein in Deutschland werden laut einer Studie im Schnitt 330.000 Tonnen Mikroplastik jährlich freigesetzt. Mikroplastik findet sich demnach u. a. in Kosmetika, zerkleinertem Bauschutt, im Autoreifen-Abrieb, selbst im Schuhsohlen-Abrieb – rund 100 Gramm Abrieb von den Schuhsohlen sollen es pro Kopf und Jahr in Deutschland sein, wie die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik in Oberhausen in ihrer Studie errechnet haben. Dazu kommt Mikroplastik, das erst durch den Zerfall großer Plastikteile entsteht. Alles zusammen eine enorme Menge, die vor allem in Gewässern und auch in unserem Trinkwasser landet. Weitere nicht unerhebliche Mikroplastikquellen seien nur schwer verlässlich zu eruieren, so die Forscher. Von Seiten der Industrie gebe es nur eine geringe Bereitschaft, konkrete Angaben zu den eingesetzten Mengen und Materialarten zur Verfügung zu stellen.

Reifen länger nutzen

Rund ein Drittel aller Mikroplastik-Emissionen entfielen laut Studie auf den Abrieb von Autoreifen. Ein von der TU Berlin koordiniertes Projekt befasst sich denn auch explizit mit diesem Thema. Dabei wird der Eintrag von Mikroplastik aus Reifenabrieb im Abflusswasser der Straßen ermittelt. Leiter des Projekts Daniel Venghaus vom Fachbereich Siedlungswasserwirtschaft der TU Berlin und sein Forscherteam wollen dabei zunächst herausfinden, wie genau der Reifenabrieb aussieht. Dabei werden verschiedene Stellschrauben betrachtet, die den Abrieb beeinflussen könnten: etwa die Langlebigkeit des Reifens, die Straßenführung (bspw. Ampelschaltung für einen flüssigen Verkehr), die Straßenreinigung, auch der mögliche Einsatz von Filtern wird untersucht. Ziel ist es, für Planer und Behörden einen Maßnahmenkatalog zu entwickeln, der es ermöglichen soll, den Eintrag von Reifenabrieb ins Oberflächengewässer zu reduzieren.

Weniger herstellen, mehr recyceln

Die Entschärfung des Problems liegt auch im Recycling und der Wertschätzung von Plastik – das muss sich im Preis wiederspiegeln, so dass die Wiederverwertung an Wert gewinnt. Noch besser ist es natürlich, Plastik gar nicht erst einzusetzen: In Kosmetika, Baumaterialien und Schuhsohlen ließe sich die Verwendung von Mikroplastik zum größten Teil wohl auch ganz vermeiden, Plastikverpackungen ließen sich enorm reduzieren. Das aber wird wohl nur über den gesetzlichen Weg sowie daraus folgend entsprechende Bepreisung möglich werden. na


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