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Künstliche IntelligenzWie Algorithmen den Klimaschutz beeinflussen

Zwei Menschen vor einem großen Bildschirm: KI und Mensch
Die Künstliche Intelligenz (KI) kann sich umweltfreundlich oder auch umweltschädlich verhalten – je nachdem, mit welchen Daten sie gefüttert wird. The Human Touch: Ethik und KI  bei der Langen Nacht der Ideen 2018. (Foto: republica GmbH / Flickr / CC-BY SA 2.0)

Bislang spielten Umweltaspekte in Hinsicht auf die Regulierung der Künstlichen Intelligenz kaum eine Rolle. Die Datenökonomie muss jedoch in Zukunft in ihren Grundlagen an den Umwelt- und Klimaschutzzielen ausgerichtet sein, fordern Juristen.

25.11.2021 – Schon heute ist Künstliche Intelligenz (KI) zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens geworden und prägt den Alltag vieler Menschen – von der Spracherkennung auf dem Smartphone bis hin zu teilautonomen Fahrzeugen auf den Straßen. „Diese Entwicklung wird sich im nächsten Jahrzehnt noch deutlich verstärken“, ist Prof. Caroline Ruiner, Prorektorin für Digitale Transformation an der Universität Hohenheim, überzeugt. „In den kommenden Jahren wird Künstliche Intelligenz weltweit Gesellschaft, Wirtschaft und den Alltag der Menschen verändern.“

Mit der Förderinitiative „Künstliche Intelligenz in der Hochschulbildung“ starten denn auch zwei neue Projekte an der Uni Hohenheim in Stuttgart. Dabei beginnen die Lerninhalte bei den technologischen Grundlagen und reichen über das KI-Management bis hin zu ethischen, rechtlichen und sozialen Fragestellungen.

Mehr Umweltbewusstsein für die Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz ist nur so intelligent, wie die Intelligenz bzw. die Absichten der Daten eingebenden Menschen es zulassen – und wie sie es steuern wollen. So soll etwa der Verkehr klimafreundlicher werden – KI wird als ein Baustein dafür genannt. Doch hat bspw. Autonomes Fahren per se noch nichts mit Klimaschutz zu tun.

Wie kann man der Künstlichen Intelligenz also ein Umweltbewusstsein vermitteln? Welche Spielregeln brauchen wir für den Umgang mit digitalen Daten, damit sie einen Mehrwert für Umwelt und Gesellschaft leisten?

Um dieser Frage weiter nachzugehen, haben die beiden Juristen vom Öko-Institut und dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) Peter Gailhofer und Johannes Franke in ihrer Studie „Datenregulierung als sozial-ökologische Weichenstellung“ im Forschungsverbund Ecornet Berlin die umweltpolitische Macht von Daten unter die Lupe genommen und im Fachjournal Zeitschrift für Umweltrecht ihre Ergebnisse festgehalten.

Digitalisierung in die Umweltspur bringen

„Wird sich die Digitalisierung als Werkzeugkasten für die nachhaltige Transformation oder als Brandbeschleuniger für umweltschädliche Wachstumsmuster herausstellen?“ war eine Fragestellung der Studienautoren. „Maßgeblichen Einfluss darauf hat die Art, wie wir in Zukunft Daten erheben sowie deren Zugang und Nutzung regeln. Derzeit herrscht hier noch Wildwuchs“, so die beiden Juristen.

Die Wissenschaftler haben aus ihren Ergebnissen heraus Leitideen entwickelt, die das Ziel der sozial-ökologischen Steuerung verhaltenssteuernder Systeme aus verschiedenen Blickwinkeln anpeilen: die individuelle und öffentliche Datensouveränität, die staatliche Datenverantwortung, Datentransparenz, Datensolidarität und schließlich Datensuffizienz.

Künstliche Intelligenz entscheidet nur nach Dateneingabe

Wird KI mit Daten gefüttert, lernt sie aus diesen Daten und verstärkt diese: Egal, ob die Daten die Basis für gute oder schlechte Verhaltensmuster bieten – die KI schlägt die Entscheidungen immer wieder vor. Das ist ein Problem, so die Juristen, denn ausschlaggebend sei allein die Eingabe und die Absicht, die dahintersteckt.

Die Studienautoren benennen Beispiele: Etwa Navigationssysteme, die den vielleicht langsameren, aber stauvermeidenden Weg zum Ziel vorschlagen, oder empfehlen, Park&Ride-Angebote zu nutzen. Wird aber im Gegenteil als Voreinstellung die schnellste oder komfortabelste Route vorgeschlagen, könnte das bspw. zu einer stärkeren Verkehrsdichte und erheblich höheren CO2-Ausstößen führen, erläutern die Forscher.

Als weiteres Beispiel nennen sie die vorausschauende Instandhaltung bei Windkraftanlagen: Aus den Anlagen werden Zustandsdaten gewonnen, die selbststartend und vorausschauend Wartungsarbeiten auslösen. Je nachdem, wer die steuernde KI mit Daten füttert, können die Ergebnisse sehr unterschiedlich aussehen: Ist das Ziel, Ressourcen einzusparen, kann die Nutzungszeit von Verschleißteilen oder der Ölwechsel optimiert werden. Ist das Ziel jedoch Instandhaltungskosten einzusparen, entstünden im Vergleich größere Belastungen für die Umwelt.

Und noch ein Beispiel, das jeden Bürger betrifft: Ein Versorgungsunternehmen könnte Daten über den Wasserverbrauch einer Gemeinde für eine gewinnmaximierende Preisgestaltung nutzen oder aber dafür, Strategien zu entwickeln, um den Wasserverbrauch zu reduzieren.

Fazit der Juristen: Daten könnten also entweder gesamtgesellschaftlichen Nutzen stiften, oder aber Risiken und Schäden verursachen. Daher müssten Vorschläge für eine Regulierung in Hinblick auf Umwelt- und Klimaverträglichkeit einfließen und für die jeweilige Zielsetzung festgelegt werden. „Eine gemeinwohlorientierte Steuerung der Datennutzung ist eine komplexe politische Gestaltungsaufgabe, die verschiedene Interessen und Ziele im Blick haben muss“, so die Rechtswissenschaftler. na

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