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Energiewende in Deutschland65 Prozent Erneuerbare bis 2030 möglich

Die Stromnetze auf den Kopf stellen: Das fordern die Experten von Agora Energiewende gewissermaßen, damit das Ziel 65 Prozent Erneuerbare bis 2030 gelingen kann. (Foto: pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Um das Koalitionsziel von 65 Prozent Erneuerbaren Energien bis 2030 zu erreichen, müssen nun vor allem die Stromnetze modernisiert werden, zeigt eine Analyse. Die Kosten für einen beschleunigten Ausbau sind dagegen eher unproblematisch.

09.07.2018 – Im ersten Halbjahr 2018 erreichten die Erneuerbaren Energien bereits einen Anteil von über 41 Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland. Bis zum Jahr 2030 soll dieser dann schon auf etwa zwei Drittel angestiegen sein. So lautet das im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD gesetzte Ziel. Damit dies gelingen könne, sei in den kommenden Jahren vor allem ein Bündel an Maßnahmen zur Modernisierung der Stromnetze nötig, lautet das Fazit einer Analyse von Agora Energiewende. Aufgrund der fortschreitenden Kostendegression der Erneuerbaren seien die Kosten für einen beschleunigten Zubau dagegen eher moderat.

Im Rahmen der Analyse wurde daher nicht nur der notwendige Zubau von Wind- und Solaranlagen untersucht, sondern auch deren Integration in die Stromnetze.

Zubau muss deutlich anziehen

Damit der angestrebte Anteil von 65 Prozent Erneuerbaren bis 2030 erreicht werden kann, bedarf es einem deutlichen Zuwachs beim jährlichen Ausbau. Bliebe der Stromverbrauch auf dem heutigen Niveau, sei ein jährlicher Zubau von mindestens vier Gigawatt (GW) Windkraft an Land sowie fünf GW Photovoltaik nötig, so die Denkfabrik.

Während der Ausbau bei den Windanlagen damit ungefähr konstant bleiben könnte, müsste der Zubau bei der Photovoltaik verdoppelt werden. Außerdem sollte das Ausbauziel der Offshore-Windkraft von 15 auf 20 GW angehoben werden. Unterstützen ließe sich dies durch ambitionierte Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, was zusätzliche Spielräume beim Gelingen der Energiewende schaffen könnte.

Die zusätzlichen Kosten des höheren Ausbauziels seien allerdings trotzdem sehr gering, so die Analyse. So wäre gegenüber dem EEG 2017, das einen Anteil von 50 Prozent Erneuerbaren bis 2030 vorsieht, im Mittel nur eine Steigerung der EEG-Umlage um 0,4 Cent pro Kilowattstunde zu erwarten.

„Erneuerbare Energien sind nicht nur immer kostengünstiger geworden, neue Anlagen produzieren inzwischen auch deutlich billiger Strom als neue konventionelle Kraftwerke“, sagt Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende. Diese Denke wünsche ich mir auch wieder für DeutschlandAndere Länder hätten das bereits erkannt und würden inzwischen Erneuerbare Energien „aggressiv“ zubauen. Die Energiewende sei schließlich nicht nur mit Klimaschutzaspekten verbunden, es gehe auch um eine international wettbewerbsfähige Stromerzeugung. „Diese Denke wünsche ich mir auch wieder für Deutschland“, so Graichen.

Integration der Erneuerbaren in die Stromnetze

Neben dem Zubau von Erneuerbare-Energien-Anlagen ist laut der Studie aber vor allem die Integration dieser in die Stromnetze eine große Herausforderung. Deshalb listet Agora Energiewende zwölf Maßnahmen auf, die zumeist die Auslastung der bestehenden Netze verbessern sollen. So könne etwa ein flächendeckendes Temperatur-Monitoring von Leiterseilen an Hochspannungsmasten kurzfristig realisiert werden. Ein weiterer Vorschlag ist, dass zukünftige Windenergie-Ausschreibungen an regionale Quoten geknüpft werden. Dadurch ließen sich nicht nur Netzengpässe reduzieren, sondern auch der Transportbedarf minimieren.

Eine andere Maßnahme sieht vor, dass die Strommengen im Netz besser verteilt werden, indem man aktive Steuerungstechnik in Umspannwerke einbaut. Dadurch könnten Stromflüsse von hoch belasteten zu gering belasteten Netzabschnitten umgeleitet werden.

Außerdem sollte man schon heute das Stromnetz für die Zeit nach 2030 vorrüsten. So empfehlen die Experten der Denkfabrik, dass etwa beim Bau der großen Nord-Süd-Stromautobahnen Leerrohre oder zusätzliche Kabel verlegt werden, um weiteren Nachrüstungen vorzubeugen.

Legislaturperiode der Netze„Diese Legislaturperiode muss eine Legislaturperiode der Netze werden“, sagt Graichen. „Dabei geht es darum, dass wir die Netze so ertüchtigen, dass bis 2030 zwei Drittel und bis 2040 etwa 80 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien aufgenommen werden kann.“ Nun liege es am Bundeswirtschaftsminister, der Bundesnetzagentur sowie den vier Übertragungsnetzbetreibern, gemeinsam die von Agora Energiewende vorgeschlagenen Maßnahmen auch in die Realitit umzusetzen. jk


Kommentare

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Bethmann 09.07.2018, 12:14:04

+147 Gut Antworten

Stromspeicher sind heute schon wesentlich günstiger als die Gleichstrromtrassen. Sie können zusätzlich die Spannung und Frequenz stabil halten mit Gas Backup Kraftwerken, die eh gebaut werden sollen. Mit Leitungsbau allein haben sie auch noch keine Energie!

Marius Lunde 03.08.2018, 15:10:11

+137 Gut Antworten

Spannend und in meinen Augen sehr ambitioniert, aber dennoch kein unrealistisches Ziel. Mein Vorredner hat recht, Stromspeicher sollten ein wichtiger Bestandteil des Netzausbaus sein. Schließlich kommt es trotz moderner Technologien in den Netzen immer noch zu Verlusten bei der Übertragung. Speicher könnten dieses Defizit teilweise ausgleichen und zudem lokale Spitzen in den Netzen. Insgesamt sind die Pläne in meinen Augen ein guter Beitrag zu Energiewende und helfen den verschiedensten Oköstrom Anbietern wie diesem https://www.pst-energie.de ihr Angebot auszubauen. Ich bin gespannt wie es sich alles weiter entwickelt.


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