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Der Finanzkrise zum Trotz

Finanzwelt ignoriert Klimarisiken noch immer

Auf der Wall Street im New Yorker Stadtbezirk Manhattan befinden sich zahlreiche Kreditinstitute und die New York Stock Exchange. (Foto: Rick Tap, Unsplash)

Auch zehn Jahre nach der globalen Banken- und Finanzkrise werden grundlegende Risiken unserer Wirtschaftsweise noch immer ignoriert. So integriert die Finanzwelt die Auswirkungen des Klimawandels nur unzureichend, kritisiert der WWF.

14.09.2018 – Zehn Jahre ist die Pleite der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers nun her. Der Zusammenbruch gilt als Höhepunkt der globalen Finanzkrise, die im Sommer 2007 ihren Anfang nahm. Wer allerdings glaubt, dass die Finanzwelt inzwischen aus ihren Fehlern gelernt hat, liegt falsch. Zumindest werden noch immer essentielle Risiken unserer Wirtschaftsweise ignoriert, warnt der WWF Deutschland. Auch wenn die Regulierung der Finanzmärkte seitdem deutlich angezogen wurde, sind davon längst nicht alle relevanten Bereiche betroffen. So spiele etwa das Thema der Nachhaltigkeit in Deutschland praktisch keine Rolle.

„Umweltbezogene Risiken – wie mit der Klimakrise verbundene Risiken – erkennt das Finanzsystem noch immer lückenhaft“, sagt Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF Deutschland. Umweltbezogene Risiken erkennt das Finanzsystem noch immer lückenhaftDabei seien davon nicht nur „Öko-Nischen“ betroffen, sondern das gesamte Wirtschaftsleben. „Wenn sich diese umfassende Transformation nicht im Finanzsystem wiederspiegelt, kann sich das verheerend auf Kapitalanlagen und Vermögenswerte auswirken“, so Kopp.

Risiken vermeiden, Chancen fördern

Dabei könnten Änderungen auf dem Finanzmarkt nicht nur für die Vermeidung von Risiken hilfreich sein, sondern auch zu großen Chancen führen. So könne das Finanzsystem über den Zugang zum Kapitalmarkt zu einem zentralen Lösungshebel werden. „Der Staat muss deshalb endlich die Lehren aus der Lehman-Pleite ziehen und die Finanzmarktregulierung systematisch um Nachhaltigkeitsaspekte ergänzen“, fordert Kopp. Dabei sollten zukünftige Entwicklungen stärker als bisher berücksichtigt werden und der Fokus nicht mehr ausschließlich auf vergangenen Entwicklungen und historische Daten liegen.

Im Dezember vergangenen Jahres hatten sich bereits rund 50 Staats- und Regierungschefs in Paris getroffen um zusammen mit der Weltbank über die Gefahren von klimaschädlichen Investitionen für die Finanzmärkte zu sprechen. Dabei wurde auch thematisiert, welche Rolle Banken für den Klimaschutz spielen können. Denn bisher werden noch immer große Summen in Öl-, Gas- und Kohleprojekte investiert – ungeachtet der großen Risiken. Sobald die Klimaschutzgesetze erst einmal greifen, könnten sich diese Investitionen zu verbranntem Geld entwickeln und die Finanzwelt erneut bedrohen.

Divestment-Bewegung nimmt Fahrt auf

So ist es nicht verwunderlich, dass die Divestment-Bewegung weltweit Fahrt aufnimmt und immer mehr Fonds und Institutionen ihr Geld aus klimaschädlichen, fossilen Energien abziehen. Trotz der damit verbundenen Risiken sind die Investitionen in Erdöl und Gas noch immer deutlich höher, als die in Erneuerbare Energien.

„Investitionen in CO2-intensive Technologien lohnen sich nicht mehr“, sagt Andreas Hermann, Projektleiter und Umweltrechtsexperte am Öko-Institut. Vielmehr würden sie ein Risiko darstellen, „das Rating-Agenturen schon heute negativ verbuchen“, so Hermann. Deshalb brauche es Anreize und verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Sicherheit für nachhaltige, langfristige Kapitalanlagen erhöht und Finanzmittel in klimaschützende Unternehmen gelenkt werden könnten. jk


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