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Digitalisierung

Kann Künstliche Intelligenz den Umweltschutz ankurbeln?

Microsoft #digitalfueralle Frühstück
Von links: Astrid Aupperle (Microsoft Deutschland), Marco Vollmar (WWF Deutschland), Anna Christmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Isabel Richter (Microsoft Deutschland) (Foto: © Joschua Katz)

Mithilfe Künstlicher Intelligenz können Ressourcen effizienter genutzt, Risiken besser kontrolliert und Ökosysteme nachhaltiger geschützt werden. Um auf dem Gebiet Spitzenreiter zu werden, will die Bundesregierung bis 2025 drei Mrd. Euro investieren.

22.11.2018 – Der Begriff Künstliche Intelligenz (KI) – im englischen artificial intelligence, AI – taucht zurzeit immer häufiger in Diskussionen auf. Die Automatisierung intelligenten Verhaltens könnte genau wie das Maschinelle Lernen für diverse Branchen ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Auch für den Umwelt- und Klimaschutz gibt es diverse Anknüpfungspunkte. Deswegen diskutierten am Mittwoch Experten und Interessierte bei Microsoft in Berlin darüber, welche innovativen, technologischen Ansätze es für den Umweltschutz bereits jetzt schon gibt und wie diese auch zukünftig nachhaltig eingesetzt werden können.

Erst kürzlich hatte die Bundesregierung ihre seit langem erwartete Strategie für Künstliche Intelligenz verabschiedet. Bis zum Jahr 2025 sollen demnach drei Milliarden Euro in die Schlüsseltechnologie fließen. Auch wenn die Strategie grundsätzlich zu begrüßen sei, hätten die Franzosen ihren Plan schon viel früher vorgelegt, kritisierte Anna Christmann, Sprecherin Innovations- und Technologiepolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Obfrau der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ des Bundestages, bei dem Treffen in Berlin. Man sei in Deutschland mit dem Thema einfach etwas spät dran.

„Das Papier der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz ist ein Etikettenschwindel: es ist keine Strategie, sondern ein Sammelsurium an Buzzwords. Die Bundesregierung setzt keine Prioritäten, legt keinen Zeitplan für konkrete Projekte vor und hat für 2019 nur 50 Millionen Euro für KI vorgesehen.“Anna Christmann

In der französischen KI-Strategie werde dem Umweltschutz außerdem eine viel größere Priorität bei Anwendungen eingeräumt. Hier sei eine klare Fokussierung zu erkennen, die Christmann bei der Bundesregierung jedoch vermisse. So strebe man in Frankreich beispielsweise ein Forschungszentrum an, das Lösungen für diesen Bereich entwickeln soll. Vergleichbares fehle bei der Bundesregierung komplett. So gebe es in dem 47 Seiten starken Papier auch nur zehn Zeilen zum Thema Nachhaltigkeit. Dieses Thema wird ganz klar nicht priorisiert.

Steigender Energieverbrauch und Rebound-Effekte

Es sei jedoch trotzdem zu begrüßen, dass die KI-Strategie der Bundesregierung die Gefahr von steigenden Energieverbräuchen und von Rebound-Effekten aufgreife, so Dieter Janecek, Sprecher für Digitalwirtschaft und Mitglied der Enquete-Kommission. „Was wir schon jetzt dringend bräuchten, das wäre eine klare Green-IT-Strategie, um dem ständig steigenden Energie- und Ressourcenverbrauch digitaler Anwendungen zu begegnen.“ Außerdem fehle in der Strategie auch die Gründung einer Stiftung für gemeinwohlorientierte digitale Innovationen mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz.

Nachhaltige Lieferketten nachvollziehbar machen

„Persönlich finde ich es gut, dass es jetzt schon einmal eine Strategie gibt“, sagte Marco Vollmar, Mitglied der Geschäftsleitung WWF Deutschland, der ebenfalls bei dem Microsoft #digitalfueralle Frühstück auf dem Podium vertreten war. Grundsätzlich gebe es wunderbare Anwendungsmöglichkeiten für digitale Technologien im Umwelt- und Naturschutzbereich. So könnten zum Beispiel nachhaltige Lieferketten viel besser nachvollziehbar und belegbar gemacht werden.

Ein weiteres Feld sei die gesamte Bildtechnologie. Das durch Drohnen und Satelliten aufgenommene Bildmaterial könnte zukünftig mithilfe von KI viel besser ausgewertet werden. So könne etwa der Rückgang von Regenwäldern viel anschaulicher dargestellt werden. „Da hilft uns digitale Technologie enorm“, so Vollmar.

Tiere aus dem Weltraum beobachten

Ein gutes Beispiel ist hierfür das Projekt „Icarus“, eine internationale Kooperation zur Beobachtung von Tieren aus dem Weltraum. Das Ziel: Die Entwicklung eines satellitengestützten Systems zur Beobachtung kleiner Tiere wie etwa Vögel oder Fledermäuse. Erkenntnisse erhoffen sich die Wissenschaftler dadurch nicht nur für die Verhaltensforschung und den Artenschutz, sondern auch für die Vorhersage ökologischer Veränderungen oder Naturkatstrophen.

Beim Treffen in Berlin wurde schnell deutlich, dass sowohl die Politik als auch Tech-Unternehmen beim Thema der Künstlichen Intelligenz noch ganz am Anfang stehen. So fehlten bei der Diskussion konkrete Anwendungen, wie der Umweltschutz wirklich mithilfe von KI gestärkt werden kann. Dabei kam auch die Frage auf, wer dann überhaupt der Betreiber dieser Anwendungen sein könne. Bisher gibt es nämlich in erster Linie einzelne Projekte, die Möglichkeiten von KI aufzeigen. Mit der KI-Strategie der Bundesregierung könnte sich das jedoch in den nächsten Jahren ändern. Zumindest ist das der Plan. jk


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