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Stromerzeugung 2020Ökostrom weiter auf Rekordkurs

Windkraftanlage bei aufgehender Sonne
Mit einem Anteil von 26,3 Prozent an der deutschen Stromerzeugung überflügelt die Windenergie umweltschädliche Kohlekraftwerke um Längen.(Foto: Luke Thornton auf Unsplash)

Erneuerbare Energien bestimmen in diesem Jahr die Stromerzeugung: Fast 53 Prozent betrug bisher der Anteil von Wind- und Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse. Doch die Energiewende steht auf wackligen Beinen.

05.10.2020 – In diesem Jahr erreichen die Erneuerbaren Energien rekordverdächtige Erzeugungswerte in Deutschland – so viel ist jetzt schon sicher. Lag ihr Anteil im Jahr 2018 noch bei 40,6 Prozent, waren es ein Jahr später bereits 46,1 Prozent. Und jetzt könnte zum ersten Mal eine ganz neue Schwelle überschritten werden: Mit einem Anteil an der Nettostromerzeugung von derzeit 52,7 Prozent sind Erneuerbare-Energien-Anlagen auf dem besten Weg, erstmals für ein gesamtes Jahr die Oberhand über fossile Kraftwerke zu erlangen.

Den größten Anteil an diesem Erfolg trägt die Windenergie, die allein mehr als ein Viertel der gesamten Erzeugung in Deutschland ausmacht, wie Daten des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zeigen. Mit 26,3 Prozent (Stand: 02.10.2020) überflügelt diese Form der regenerativen Stromerzeugung die der gesamten Braun- und Steinkohleenergie.

PV-Anlagen haben bisher 46,7 Terrawattstunden (TWh) produziert, was einem Anteil von knapp dreizehn Prozent an der gesamten Erzeugung entspricht. Die Biomasse kam immerhin auf 9,5 Prozent, Wasserkraft genau wie in den Vorjahren auf vier Prozent.

Gaskraftwerke haben ihre Erzeugung von 8,1 Prozent (2018) und 10,2 Prozent (2019) auf bisher 12,2 Prozent gesteigert. Braunkohlekraftwerke mussten in diesem Jahr besonders stark heruntergedrosselt werden: Ihr Anteil an der Stromerzeugung sank in den ersten neun Monaten dieses Jahres von 19,7 Prozent aus dem Vorjahr auf 15,3 Prozent. Die Steinkohle kam nur noch auf 6,3 Prozent, die Kernenergie auf 12,6 Prozent.

Aufgrund der Corona-Krise ist bereits jetzt ersichtlich, dass die Stromerzeugung deutlich niedriger ausfallen wird als in den Vorjahren. 2018 betrug die Nettoerzeugung in Deutschland noch insgesamt 545,5 TWh, im vergangenen Jahr immerhin noch 516,6 TWh.

Die Energiewende ist kein Selbstläufer

Diese positive Entwicklung der Stromerzeugung Erneuerbarer-Energie-Anlagen ist jedoch trügerisch. In den nächsten Jahren könnte die Energiewende immer mehr an Fahrt verlieren. So zeigen etwa die Ergebnisse der letzten Ausschreibungsrunde, dass erneut weniger Windkraftanlagen realisiert werden als im Ausbaupfad vorgesehen. In diesem Jahr gingen so bereits über 1.000 Megawatt verloren – erneuerbarer Strom, der in den kommenden Jahren für die Einhaltung der Klimaziele dringend benötigt wird.

Bei der Solarindustrie ist der Ansturm auf die Ausschreibungen hingegen so groß, dass nur ein Bruchteil der eingereichten Projekte realisiert werden darf. Auch wenn mit dem 52-Gigawatt-Deckel die größte Bremse abgeschafft wurde, müsste hier dringend der Ausbaupfad entsprechend der aktuellen Marktsituation angepasst werden.

Ein weiteres Hindernis für eine schnelle Entfaltung der Energiewende ist die EEG-Novelle 2020, die sich derzeit im parlamentarischen Verfahren befindet. So kommt mit dem Entwurf des EEG 2021 nicht nur für große PV-Dachanlagen eine Ausschreibungspflicht, es bleibt auch bei der EEG-Umlage auf Eigenverbrauch. Die Ausschreibungspflicht für Dachanlagen wird vor allem Betriebe treffen, die sich eine große Dachanlage zur Eigenversorgung bauen wollen. Sie können das Projekt nach derzeitigem Stand dann nur über eine Ausschreibung realisieren, Eigenverbrauch ist für diese Anlagen nicht möglich.

Branchenverbände warnen deshalb vor einem Einbruch der Energiewende – der nur durch Anpassungen abgewendet werden kann. Sie fordern deutlich höhere Ausbaupfade für Erneuerbare Energien, die Abschaffung von Hindernissen, wie etwa der Mindestabstandsregelung von Windkraftanlagen zu Wohngebäuden, und die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsprozessen. jk


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