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Shell PapersShell und KLM finanzierten jahrelang Klimawandel-Leugner

Der niederländische Klimawandel-Leugner Frits Böttcher im April 2007.
Der niederländische Klimawandel-Leugner Frits Böttcher im April 2007. (Foto: © Adviesraad voor het Wetenschaps- en Technologiebeleid (AWT) - april 2007 via Wikimedia.Commons)

Mit einer halben Million Euro finanzierten niederländische Konzerne wie Shell jahrelang den prominenten Klimawandel-Leugner Frits Böttcher – und verhinderten aktive Klimapolitik, berichten Medien. In den „Shell Papers“ stehen auch deutsche Konzerne.

25.02.2020 – Zwischen 1989 und 1998 sollen mindestens 24 Konzerne Frits Böttcher zusammen mehr als eine Million niederländische Gulden, umgerechnet etwa 450.000 Euro, überwiesen haben. Das Ziel: Zweifel an der menschengemachten Klimakrise säen. Zu den größten Geldgebern gehört der Öl- und Gaskonzern Shell, die Fluglinie KLM und die Bankengruppe ING.

Das berichtet die niederländische Zeitung de Volkskrant unter dem Stichwort „Shell Papers“. Die Zeitung hatte gemeinsam mit Investigativ-Journalisten der Plattform für authentischen Journalismus (PAJ) das Archiv Böttchers untersucht. Der Chemieprofessor galt bis zu seinem Tod 2008 als einer der prominentesten Leugner der Klimakrise in den Niederlanden. Gerüchte um seine Verbindungen zu Konzernen gab es bereits früher.

Nach dem Treffen mit Shell bezeichnete er den Treibhauseffekt als „Mythos“

Ab Anfang der 1990er Jahre mischte sich Böttcher aus dem Ruhestand zunehmend gegen seine Kollegen aus der Wissenschaft ein. In Artikeln, Büchern, Fernsehinterviews und als Experte im niederländischen Parlament bestritt Böttcher die Bedeutung von CO2 bei der globalen Erwärmung. Er organisierte Konferenzen und rekrutierte offenbar weitere Klimawandel-Leugner aus der Wissenschaft. Als Gründungsmitglied des 1968 gegründeten „Club of Rome“ genoss er großes Ansehen und war in Medien ein gern gesehener Gast.

Ein Schlüsselereignis fand den Recherchen zufolge Ende 1993 statt. Böttcher traf sich mit Huub van Engelshoven, damals Manager in der Chefetage von Shell und heute Mitglied des Aufsichtsrats. Gesprächsthema: Der nächste Artikel Böttchers in einer Fachzeitschrift. Einige Monate später erschien der Text, in dem Böttcher den Treibhauseffekt als „Mythos“ und CO2 nicht als Hauptursache für die rasante Erwärmung des Planeten bezeichnete. Eine damals von niederländischen und deutschen Ministern befürwortete CO2-Steuer müsse daher zurückgewiesen werden, schrieb er ganz im Sinne des Ölkonzerns.

Einfluss auf niederländische Klimapolitik

Nach Ansicht von Experten habe Böttchers Lobbyarbeit zum langsamen Start der niederländischen Klimapolitik beigetragen, berichtet de Volkskrant. Wie stark Böttcher die deutsche Politik beeinflusst hat, ist nicht bekannt. Auf Einfluss hatten aber offenbar einige Konzerne hierzulande gesetzt. Unter den Finanziers des Klimawandel-Leugners finden sich der deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp und der Chemiegigant Bayer. Sie gehören noch immer zu den größten CO2-Emittenten Deutschlands.

Auf die Zahlungen angesprochen, gaben mehrere der Konzerne an, die Vorwürfe nicht überprüfen zu können. Der Nachrichtenagentur AFP zufolge erklärte Shell: „Das war vor 25, 30 Jahren. Wir können nicht darüber spekulieren, was genau passiert ist und in welchem Kontext.“ KLM teilte mit, es gebe „keine Hinweise“, ThyssenKrupp konnte die Vorwürfe nicht bestätigen.

Brisant ist zudem: Viele Öl- und Gaskonzerne wie Shell wussten von ihren eigenen wissenschaftlichen Abteilungen seit spätestens den 1980er Jahre über den Klimawandel und seine Auswirkungen Bescheid. Ihre Studien hielten sie jahrzehntelang unter Verschluss, um ihre Geschäfte nicht zu gefährden. cw