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Frühe Beweise für den KlimawandelGeheime Studie von Shell an die Öffentlichkeit gelangt

Öl-Plattformen auf hoher See gefährden das Ökosystem der Weltmeere. (Foto: © Glenn Beltz / flickr.com, CC BY 2.0)

Laut internen Dokumenten analysierte der niederländische Mineralölkonzern Shell bereits seit Anfang der 1980er Jahre den Treibhauseffekt. Eine Studie kam bereits damals zu den heute bekannten Ergebnissen, wurde jedoch unter Verschluss gehalten.

18.04.2018 – Steigende Meeresspiegel, Ozeanversauerung, veränderte Meeresströmungen, Wetterextreme und Klimaflüchtlinge. In der internen Studie „The Greenhouse Effect“ kam Shell bereits im Jahre 1986 zu dem Ergebnis, dass der massive Ausstoß von Treibhausgasen unumkehrbare Auswirkungen auf Natur und Menschen haben wird. Die an der Analyse beteiligten Personen rieten damals möglichst schnell politische Maßnahmen zu ergreifen, um die negativen Folgen abzuwenden. Dabei hoben sie hervor, dass fossile Brennstoffe erheblichen Einfluss auf den Treibhauseffekt und den daraus entstehenden Klimawandel haben. Shell waren diese Ergebnisse somit bekannt, noch bevor der Weltklimarat (IPCC) ins Leben gerufen und die Öffentlichkeit über den menschengemachten Klimawandel aufgeklärt wurde.

Doch anstatt Politik und Gesellschaft zu warnen, wurde der Bericht unter Verschluss gehalten. Mehr noch, in der Folge wurden regelrechte Kampagnen gefahren und gemeinsam mit anderen Unternehmen versucht Informationen über den vom Menschen verursachten Klimawandel zu untergraben. Der niederländische Journalist Jelmer Mommers schaffte es nun jedoch sich Zugang zu den vertraulichen Dokumenten zu verschaffen und veröffentlichte seine Recherchen unter anderem beim Climate Investigations Center, einer Plattform für Berichte und Studien zur Klimakrise.

Schäden und Folgen wurden bereits sehr genau benannt

Darin legt Mommers offen: Shell war sich bereits 1984 darüber im Klaren, dass ihre fossilen Produkte Öl, Gas und Kohle, alleine für 4 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Auch die Folgen des massiven Ausstoßes von Treibhausgasen werden damals bereits sehr genau benannt, unter anderem die regelmäßigen Überschwemmungen und daraus resultierende Landaufgabe in Bangladesch.

Und während in der Öffentlichkeit die Arbeit von Klimaleugnern unterstützt und der wirtschaftliche Nutzen ihrer Produkte hervorgehoben wurde, führte Shell auch in den 1990er Jahren weitere interne Analysen durch. In einem 1998 intern angefertigten Szenario mit dem Namen “2010- Environment Back on the Front Pages”, wird beschrieben, wie ab 2010 Extremwetterereignisse mit katastrophalen Folgen und eine wachsende Besorgnis der Öffentlichkeit zu Gerichtsprozessen gegen Regierung und Mineralölkonzernen führen werden. Vor allem Umweltorganisationen würden mehr Gehör in der Öffentlichkeit bekommen und gegen die Ölkonzerne klagen. Inzwischen sind es ganze Städte und Personen des öffentlichen Lebens, die entsprechende Gerichtsprozesse anstreben.

Auch ExxonMobil am Pranger

Bislang stand vor allem der US-amerikanische Mineralölkonzern ExxonMobil im Fokus der Klagen. Die Non-Profit News-Organisation Inside Climate News veröffentlichte 2015 Berichte, nach denen ExxonMobil bereits in den 1970er Jahren Studien durchführte, die belegen, dass durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erhebliche Umweltrisiken entstehen. Der Mineralölkonzern fühlt sich jedoch zu Unrecht beschuldigt und verwies darauf, dass das Unternehmen damals noch zu keinen abschließenden Urteilen zu den Risiken des Klimawandels gekommen sei.

Folgt man hingegen den veröffentlichten Dokumenten von Jelmer Mommers, dann war sich Shell spätestens Mitte der 1980er Jahre der Gefahren bewusst. Der Bericht von 1986 warnte sogar davor, dass nicht schnell genug Maßnahmen ergriffen werden können, die negativen Effekte der Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, geschweige denn zu reduzieren – sobald sich Politik und Gesellschaft der Gefahr bewusst sind. mf


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