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Banking on Climate ChaosWie Banken die Klimakrise finanzieren

Klimastreik 2022 Berlin
 Banken finanzieren weiter die Fossilindustrie – das muss aufhören. (Bild: Julia Broich)

Die 60 größten Banken der Welt finanzieren ungebrochen die Fossilindustrie und damit die Klimakrise. Öffentliche Netto-Nullverpflichtungen ändern daran nichts. Der erfolgreichste Widerstand kommt von indigenen Völkern.

04.04.2022 – Der Klimakrise und Emissionsverpflichtungen zum Trotz vergeben die größten Banken der Welt weiter Kredite und Sicherheiten für die fossile Energieindustrie. Der Bericht Banking on Climate Chaos untersucht, welche Geschäfts- und Investmentbanken weltweit den Ausbau der Fossilindustrie maßgeblich finanzieren und damit die Klimakrise weiter befeuern.

Fossilinvestitionen sind aktuell höher als beim Pariser Klimaabkommen

Die 60 größten Banken haben seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 rund 4,6 Billionen Dollar in die fossile Energieindustrie investiert. Dabei finanzierten die vier US-Banken, JPMorgan Chase, Citi, Wells Fargo und Bank of America rund ein Viertel des Gesamtvolumens für fossile Brennstoffe. Zwar stagnierten die Investitionen 2021 im Vergleich zum Vorjahr. Doch die Banken finanzierten die Fossilindustrie damit trotzdem mit deutlich mehr Finanzmitteln als 2016, dem ersten Jahr nach dem Pariser Klimaabkommen.

Allein im vergangenen Jahr haben die im Bericht untersuchten Banken rund 185,5 Milliarden Dollar in die Top-100 Unternehmen gesteckt, die am meisten zum Ausbau des fossilen Brennstoffsektors beitragen, darunter auch Saudi Aramco und ExxonMobil. Größter Investor in den staatlichen russischen Gaskonzern Gazprom ist JPMorgan, sowohl über die gesamte Zeitspanne 2016-2021 betrachtet als auch im vergangenen Jahr. Die Bank stellte Gazprom 2021 Finanzmittel in Höhe von 1,1 Mrd. USD für Fossil Investitionen zur Verfügung.

Banken verpflichten sich zur Nettonull - und investieren weiter in Fossile

44 der 60 untersuchten Banken haben sich verpflichtet, ihre Emissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. 27 von ihnen haben jedoch keine Ausstiegsstrategie aus der fossilen Brennstoffindustrie. Noch während im April 2021 die Net-Zero Banking Alliance (NZBA) startete und die Banken sich öffentlich zu den Reduktionzielen bekannten, investierten viele von ihnen weiter massiv in die Expansion der Fossilindustrie. Dieses Vorgehen der Banken hatte urgewald bereits im Februar für die Finanzierung der Kohleindustrie beschrieben.

Als einsamer Vorreiter verpflichtete sich die französische Bank La Banque Postale, bis 2030 aus der Finanzierung von Öl- und Gasprojekten auszusteigen und jegliche Unterstützung für Unternehmen, die Öl und Gas fördern, einzustellen. Ein Anfang, doch nun müssen andere Banken dem Beispiel folgen, fordern die Autoren des Berichts. Investitionen in fossile Expansion müssten umgehend gestoppt werden.

Der Weltklimabericht zeigte erst kürzlich wieder eindringlich, wie wenig Zeit bleibt, um die Klimakrise zu bekämpfen. Emissionen aus von der Öl- und Gasindustrie finanzierten Projekten übersteigen bereits jetzt das verbleibende Kohlenstoffbudget deutlich. Bestehende Kohlenstoffmärkte und -gutschriften erzielen keine ausreichende, zusätzliche Emissionsminderung und die COP26 habe es Ende des vergangenen Jahres erneut versäumt, ausreichend verpflichtende Maßnahmen hervorzubringen.

Indigene Völker leisten Widerstand

Den stärksten Widerstand gegen den fossilen Raubbau und damit die Klimakrise leisten indigene Völker. In den letzten Jahrzehnten stellten sie sich konsequent und ausdauernd gegen die Expansion der fossilen Industrie. Dahinter steht sowohl der Kampf um die eigene Souveränität und Landrechte, als auch ein grundlegender Widerstand gegen die kolonialistische Ausbeutung aller Ressourcen bis zur Erschöpfung.

2020 reichten indigene Frauen verschiedener Netzwerke gemeinsam eine Klage bei der OECD gegen Credit Suisse ein, die fossile Projekte des US-amerikanischen Unternehmens Energy Transfer finanziert. Indigene Gemeinschaften leisten zudem derzeit Widerstand gegen fossile Projekte auf Turtle Island, die einem Viertel der Emissionen der USA und Kanada entsprechen. In den USA und Kanada blockierten Indigene erfolgreich fossile Infrastruktur und damit 779 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent, was 12 Prozent der Umweltverschmutzung der beiden Länder entspricht.

Dies belegt auch der Bericht Indigenous Resistance Against Carbon, der 2021 erstmals zeigte, wie erfolgreich Indigener Widerstand gegen die Fossile Industrie ist. Unterstützt werden indigene Protestbewegungen inzwischen weltweit von „Keep it in the ground“-Kampagnen. Sie unterstützen die Selbstbestimmungs- und Menschenrechte indigener Völker und setzen sich für ein nachhaltiges und fossil-freies Wirtschaftssystem und den Schutz der Erde und globaler Ökosysteme ein. Der 13. Bericht Banking on Climate Chaos des Rain Forest Action Network (RAN) aus den USA und mitherausgegeben von der Umwelt- und Menschrechtsorganisation urgewald macht die Financiers der fossilen Expansion sichtbar – und diejenigen, die sich ihr entgegenstellen. jb  

Udo am 05.04.2022

Sehr interessanter Artikel. Gibt es dazu auch einen Bericht und Zahlen, wieviel an Subventionen seit 2015 von welchem Land in die Fossilindustrie geflossen ist?

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