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IPCC-BerichtDie mutmachenden Nachrichten

Kerzen vor dem Brandenburger Tor in der Dunkelheit, die "Fight for 1 Point 5" bilden. 5
Der Kampf für eine Begrenzung der Globalen Erderwärmung auf 1,5 Grad ist machbar, zeigt der neue Sachstandsbericht des IPCC. (Bild: Stefan Müller (climate stuff), flickr, CC BY 2.0)  

Die 1,5 Grad Grenze könnte schon sehr bald überschritten werden und Extremwetterereignisse nehmen deutlich zu. Der neueste Bericht des Weltklimarats zeigt ein erschreckendes Bild unseres Planeten. Doch es gibt auch Nachrichten, die Mut machen.

10.08.2021 – Der sechste Sachstandsbericht des Weltklimarats wird präziser und eindringlicher denn je. Gestern stellte die erste von insgesamt drei Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor. Demnach könnte die globale Mitteltemperatur schon in neun Jahren bei 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen.

Dabei hatte die Staatengemeinschaft noch 2015 auf der Pariser Klimakonferenz beschlossen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Dieser Wert wird nun je nach Szenario zwischen 2030 und 2040 erreicht werden und könnte dann weiter steigen, einhergehend mit tiefgreifenden Veränderungen.

Schon jetzt beobachten die Experten des Weltklimarats – des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) – eine deutliche Zunahme von Extremwetterereignissen weltweit. Dabei hat sich die Erde im globalen Mittel erst um 1,1 Grad erwärmt. Doch der gestern vorgestellte Bericht zeigt auch, dass sich die Landflächen dieser Erde im Mittel bereits um 1,6 Grad erwärmt haben, während der Anstieg der Ozeantemperaturen bei 0,9 Grad liegt.

Karsten Haustein vom Helmholtz-Zentrum in Geesthacht, der am IPCC-Bericht mitgewirkt hat, sagt: „Insbesondere dieser Aspekt ist ein unzweifelhafter Fingerabdruck des menschengemachten Klimawandels und mithin eine starke Erinnerung, dass die Änderungen dort am stärksten zu spüren sind, wo wir Menschen leben.“

Nicht alles ist negativ

Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie und einer der Leitautoren des Berichts, weist daraufhin, dass die 1,5-Grad-Grenze mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten 20 Jahren überschritten wird. Die Experten des IPCC sind sich zugleich einig, dass eine Begrenzung auf 1,5 Grad weit weniger schlimme Folgen hat als eine Erwärmung auf zwei Grad oder sogar darüber. Die gute Nachricht des Weltklimarats: Das 1,5 Grad-Ziel ist mit entschiedenem Handeln noch machbar.

Vor allem die Reduktion des Methan-Ausstoßes könnte ein entscheidender Hebel sein. Kurzlebige klimawirksame Stoffe haben bisher in gleicher Größenordnung zur Erderwärmung beigetragen, wie CO2, so Astrid Kiendler-Scharr vom Forschungszentrum Jülich und Leitautorin des Kapitels für kurzlebige Gase im neuen Sachstandsbericht des IPCC. Während CO2 jedoch über viele Jahrhunderte in der Atmosphäre verweilt, werden kurzlebige Stoffe im Zeitraum von Wochen bis Jahrzehnten aus der Atmosphäre entfernt.

„Unter den kurzlebigen klimawirksamen Stoffen ist insbesondere die Einschränkung von Methan-Emissionen sowohl für den Klimaschutz als auch zur Verbesserung der Luftqualität von Bedeutung. Stringente Reduktionen dieser kurzlebigen klimawirksamen Stoffe können bis zum Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um 0,8 Grad vermeiden“, sagt Kiendler-Scharr.

Ein Kipppunkt weniger

Eine weitere positive Erkenntnis in dieser Hinsicht: Die Befürchtungen, dass auftauender Permafrost einen Kipppunkt im Klimasystem auslöst, also zu einer beschleunigten Erwärmung führt, scheinen unbegründet, wie Fortunat Joos von der Universität Bern und Leiter einer Arbeitsgruppe für Erdsystemmodellierung gegenüber dem Science Media Center sagt. „Die Emissionen von CO2 und Methan aus Permafrostböden bleiben im Vergleich zu den menschgemachten Emissionen relativ klein“, so Joos. Dies zeigen Rekonstruktionen und Modellresultate.

Eine konsequente Reduktion der Emissionen von CO2 und anderer Treibhausgase, um die Erwärmung zu verlangsamen und längerfristig zu stoppen, bleibe damit in der Hand des Menschen. Doch zugleich sind die menschengemachten Methan-Emissionen aktuell wohl deutlich höher als in vielen Modellen angenommen. Dies zeigte zuletzt einmal mehr eine Analyse europäischer Infrastrukturen, auch in Deutschland, an denen Methan-Lecks auftraten. Neue Erdgas-Projekte wie Nord Stream 2 und LNG-Terminals an deutschen Häfen stellen zusätzliche Gefahren für das Klima dar.

Neben der Reduktion von Methan gelte es weiterhin auch den Ausstoß von Kohlendioxidemissionen in den kommenden Jahren deutlich zu verringern, um schnellstmöglich eine klimaneutrale Lebensweise zu erreichen. „Am wichtigsten ist wirklich: Wenn wir die Pariser Klimaziele einhalten wollen, müssen wir sehr schnell die Emissionen herunter fahren“, sagt Leitautor Marotzke der zugleich zu Geduld mahnt

In fünf bis zehn Jahren ist eine CO2-Reduktion in der Atmosphäre messbar, so Marotzke. Für Veränderungen der globalen bodennahen Lufttemperatur wird es jedoch ungefähr 20 Jahre dauern. „Insofern braucht die globale Gemeinschaft einen langen Atem, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. Es gibt keine schnelle Belohnung. Auch das ist eine wichtige Botschaft“, sagt Marotzke. mf  

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