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KonjunkturprogrammItaliener bringen die Wirtschaft mit dem Fahrrad in Schwung

Eine Frau steht NAchts mit ihrem Fahrrad auf der Piazza del Campidoglio, umgeben von römischen Statuen..
Wird Rom zur Fahrradstadt? (Bild: Jorge Royan / WikiCommons, CC BY-SA 3.0)  

60 Prozent des Preises oder bis zu 500 Euro beim Kauf eines neuen Fahrrads – ein Konjunkturprogramm der italienischen Regierung sorgt für ausverkaufte Fahrradläden. Auch weitere Maßnahmen lassen das Fahrradaufkommen in italienischen Städten wachsen.

04.06.2020 – "Buono mobilità" heißt das 120 Millionen Euro-Programm der italienischen Regierung und ist Teil eines Milliardenschweren Konjunkturpakets der italienischen Regierung, um die Wirtschaft in Folge der Corona-Pandemie wieder in Schwung zu bringen. Insgesamt 400 Milliarden veranschlagt die Regierung für das gesamte Konjunkturpaket. 170 Milliarden davon kommen aus der Europäischen Union. Bei diesen gewaltigen Summen ist "Buono mobilità" eine vergleichsweise kleine Finanzspritze. Und doch zeigt sie bereits große Wirkung.

Denn mit "Buono mobilità" bekommen Käufer von Fahrrädern aller Art 60 Prozent des Kaufpreises oder bis zu 500 Euro von der Regierung zurückerstattet. Eine gute Nachricht auch für Italiens Radproduktion, die Europaweit Spitze ist. Das Konjunkturprogramm gilt jedoch nur für die Ballungsräume Italiens. Ziel der Regierung ist es, mehr Menschen in den Städten aufs Fahrrad zu bewegen. Und wie Spiegel Online berichtet, vermelden viele Fahrradgeschäfte von Rom bis Mailand bereits leergefegte Läden.

Vor allem in Rom verwundert die Fahrradverkäufer der Run auf ihre Fahrräder. Kraftfahrzeuge wie Autos und Mopeds waren immer beliebteste Fortbewegungsmittel. Noch 2014 betrug ihr Anteil 66 Prozent. Gefolgt vom öffentlichen Personennahverkehr mit 29 Prozent. Fahrradfahrer tauchen in der Statistik gerade einmal mit einem Prozent auf. Das ändert sich jetzt.

Zwar gibt es bei der Austeilung der Prämie noch Anfangsschwierigkeiten aufgrund unvollständiger Website und langsamer Staatsbürokratie, aber der Ablauf ist im Prinzip sehr einfach geregelt. Über die offizielle Website meldet sich der Käufer an und weist sich aus. So ist sichergestellt, dass jeder nur einmal die Prämie erhält und niemand anderes den Gutschein nutzt. Mit diesem Gutschein geht der Käufer zum Händler, welcher die Prämie gleich vom Kaufpreis abzieht.

Und damit die Bewohner von Ballungsräumen in Italien sich künftig sicher auf dem Fahrrad durch die Stadt bewegen können, sollen die Städte von Grund auf fahrradfreundlich gestaltet werden. In Mailand sollen 35 km an Straßen von Auto- zu Fahrradwegen umgewidmet werden. An vielen weiteren Stellen wird der nicht motorisierte Verkehr künftig Vorrang vor Autos erhalten. Auch wird bald im gesamten Mailänder Stadtgebiet Tempo 30 gelten. Rom plant sogar 150 Kilometer an neuen Radwegen. Wie in Berlin gibt es bereits einige sogenannte Pop-Up-Bikelanes, um während der Corona-Pandemie den öffentlichen Nahverkehr zu entlasten.

Keine Fahrradprämie in Deutschland, aber auch keine für Verbrenner

Um derweil auch in Deutschland die Konjunktur anzukurbeln, forderte ein breites Bündnis kürzlich eine Mobilitätsprämie für alle statt einer reinen Autoprämie. Diese sollte unter anderem die Finanzierung eines neuen Fahrrads erleichtern. Darüber hinaus sollte der Kauf von Tickets oder Abos für den öffentlichen Nah- und Fernverkehr, sowie die Finanzierung von Bike- und Carsharing Angeboten bezuschusst werden.

Nach einem 21-stündigem Verhandlungsmarathon entschied sich die Bundesregierung vergangene Nacht zwar gegen eine allgemeine Mobilitätsprämie, doch zugleich ist die vielfach befürchtete Prämie für Autos mit Verbrenner ebenfalls vom Tisch. Es wird lediglich eine erhöhte Kaufprämie für E-Autos geben. Darüber hinaus wird die Kfz-Steuer künftig stärker an den CO2-Emissionen der Fahrzeuge ausgerichtet. Mit weiteren Milliardenhilfen will die Bundesregierung die Elektrifizierung von öffentlichen wie privaten Vehikeln auf deutschen Straßen vorantreiben. Auch der öffentliche Nah- und Fernverkehr erhält Milliarden, um die Krise zu überstehen. Kaufanreize in weiteren Bereichen werden durch die Senkung der Mehrwertsteuer geschaffen. mf