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Verkehrswende in der EUVon diesen Ländern kann Deutschland lernen

Fahrradweg getrennt von der Straße auf dem eine Frau fahrrad fährt.
Flächendeckende „Protected Bike Lanes“ wie hier in Amsterdam, Niederlande, könnten auch in deutschen Großstädten mehr Menschen auf das Fahrrad bewegen und damit den Autoverkehr minimieren. (Foto: Alfredo Borba / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sind angehalten, die Klimaziele der EU für 2030 im Verkehrssektor einzuhalten. Deutschland wird diese bislang krachend verfehlen. Ganz anders als drei weitere Staaten der EU, die als Vorbild dienen könnten.

14.06.2019 – Erst vor wenigen Tagen hatte die EU-Kommission die Bundesregierung dazu aufgefordert, mehr umweltfreundliche Investitionen zu tätigen, um Probleme bei der Mobilität anzugehen. Denn die Brüsseler Behörde bescheinigt Deutschland aktuell eine besonders schlechte Klimabilanz und Luftqualität im Verkehrssektor. Zu demselben Ergebnis kommt auch die Umweltschutzorganisation Transport & Environment (T&E) in einer europaweiten Analyse des Transportsektors im Hinblick auf die Erreichung der europäischen Klimaziele für 2030.

Demnach landet Deutschland mit Platz 15 gerade einmal im Mittelfeld der 28 EU-Mitgliedsstaaten. Für ein Land, das sich selbst als Innovationsstandort sieht, ein schlechtes Zeugnis. Die Analysten von T&E bemängeln vor allem bislang fehlende Maßnahmen in der Luftfahrt und beim Warenverkehr mit Lkws und auf Schiffen. Auch die fehlende Konzentration auf leichte Nutzfahrzeuge im Pkw-Bereich und unzureichende Mobilitätskonzepte für den Fernverkehr auf Schienen sowie ÖPNV und Fahrräder in Städten werden kritisiert.

Ganz im Gegensatz zu den drei folgenden Ländern der Europäischen Union, die laut T&E insgesamt auf einem guten Weg sind mit ihren Verkehrskonzepten die Klimaziele der EU für 2030 einzuhalten und langfristig klimaneutral mobil zu sein.

1. Niederlande

Neu zugelassene Fahrzeuge sollen ab 2030 zu 100 Prozent emissionsfrei sein. Bei Bussen soll dies bereits 2025 der Fall sein. Das Ziel ist es, Städte in naher Zukunft im Verkehrssektor komplett emissionsfrei zu gestalten. Und der öffentliche Nahverkehr sowie die Fahrradinfrastruktur suchen bereits in vielen niederländischen Städten ihresgleichen. Doch nicht nur beim Individualverkehr auch beim Warentransport gehen die Niederländer voran. So soll die Logistik beim Lkw-Verkehr weiter optimiert werden, sodass weniger Leerfahrten entstehen. Und wie in den anderen Bereichen, soll auch der innerstädtische Warenverkehr zeitnah komplett elektrifiziert werden.

Wie bei den Konzepten für urbane Mobilität vergeben die Analysten von T&E auch für den Schienenverkehr die volle Punktzahl. Besonders gelobt werden hier Maßnahmen zur Effizienz und Modernisierung des Schienenverkehrs sowohl für Passagiere als auch für Waren. Und selbst in der Luftfahrt gibt es bereits zaghafte Bestrebungen, die CO2-Emissionen einmal drastisch reduzieren zu können.

2. Großbritannien

Ganz so gut wie die Niederlande kommt Großbritannien nicht weg. Doch auch auf der britischen Insel wird an weitreichenden urbanen Mobilitätskonzepten gefeilt. Ziel sei es, bis 2040 Laufen (unterstützt durch den ÖPNV) und Fahrradfahren zu den „natural choices“ – die natürliche Wahl – für kürzere Strecken zu machen. Im Pkw-Bereich will Schottland schon 2032 Neufahrzeuge nur noch elektrisch zulassen. Bis dahin liegt der Fokus in ganz Großbritannien vor allem auf Herstellung und Vertrieb leichter Nutzfahrzeuge, die weniger CO2 ausstoßen als die hierzulande so beliebten SUVs.

 

 3. Spanien

Genau wie in ganz Großbritannien, sollen auch in Spanien spätestens 2040 alle Neufahrzeuge emissionsfrei und bis 2030 bereits 5 Millionen der aktuell 23 Millionen Pkws klimafreundlicher unterwegs sein. Auch die Pläne für urbane Räume heben die Analysten von T&E positiv hervor. Vor allem Städte mit über 50.000 Einwohnern sollen künftig mit „low-emission-zones“ stärker entlastet werden und dafür Fahrradnetze und öffentlicher Nahverkehr ausgebaut werden. Doch noch sind viele der Konzepte in Spanien nicht bindend.

In Deutschland hingegen fehlt es bislang völlig an detaillierten Konzepten seitens der Politik. Insbesondere das Bundesverkehrsministerium schafft es nicht klare Vorgaben und wirkungsvolle Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Doch noch hat Deutschland bis Ende des Jahres Zeit. Bis dahin erwartet die Europäische Union detaillierte nationale Pläne zur Erreichung der Energie- und Klimaziele bis 2030. mf


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