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Havarierter FrachterMauritius von Umweltkatastrophe bedroht

Das havarierte Frachtschiff „Wakashio“ bevor es auseinanderbrach.
Das havarierte Frachtschiff „Wakashio“ bevor es auseinanderbrach. (Foto: © Greenpeace Africa)

Das vor Mauritius havarierte Frachtschiff „Wakashio“ verlor bereits in den letzten Wochen hunderte Tonnen Öl. Jetzt hat sich die Lage verschärft: Das Schiff ist am Wochenende in zwei Teile gebrochen, dem Inselparadies droht eine Umweltkatastrophe.

18.08.2020 – Vor über drei Wochen lief der 300 Meter lange Frachter „Wakashio“ des japanischen Unternehmens Nagashiki Shipping auf einem Korallenriff vor Mauritius auf Grund. Durch einen gerissenen Tank sind seitdem mehr als 1.000 Tonnen Treibstoff in den indischen Ozean geströmt, die Größe des Ölteppichs wuchs auf rund 30 Quadratkilometer. Die Regierung gab schnell zu, auf eine derartige Katstrophe nicht vorbereitet zu sein – und bat um internationale Hilfe. Immerhin konnte ein Großteil des mit Diesel vermischten Schweröls inzwischen abgepumpt werden.

Trotzdem bedroht die bisher entstandene Verschmutzung kostbare Naturschutzgebiete des Inselparadieses. Premierminister Pravind Jugnauth sprach bereits von dem schlimmsten ökologischen Desaster, das Mauritius je heimgesucht hat. Der japanische Reederer und dessen Versicherungen müssen für alle Verluste und Schäden aufkommen, die aufgrund des Unglücks entstehen. Die Reinigung der gesamten Küste wird noch viele Wochen andauern.

Eine Bergung des Frachtschiffs gestaltete sich in den letzten Tagen aufgrund schlechten Wetters schwierig. Nun brach es am Samstag auch noch in zwei Teile, die aufgrund des Seegangs immer weiter voneinander wegtreiben. Jetzt soll zunächst der Bug des Schiffes abgeschleppt und mindestens 1.000 Kilometer von der Küste entfernt im Ozean versenkt werden. Für den hinteren und deutlich größeren Teil gibt es bisher keinen Plan, er bleibt wohl erst einmal an Ort und Stelle.

Friseurbesuch bedeutet Umwelt schützen

Tausende Freiwillige sind derweil ununterbrochen im Einsatz, Strände und Wasser von der Ölpest zu reinigen. Dafür helfen sie sich mit den einfachsten Mitteln. Friseursalons bieten derzeit kostenlose Haarschnitte an – und das nicht ohne Grund. Die abgeschnitten Haare werden stündlich in großen Plastiksäcken gesammelt und an die Küste der Insel gebracht. Ähnlich wie Schwämme saugen sich die Haarbüschel dann mit Öl voll und könnten anschließend geborgen werden.

Schweröl ist ein Rückstandsprodukt aus der Erdölverarbeitung und gilt als minderwertiger Brennstoff, der mit Diesel vermischt dennoch von vielen Reedereien für große Schiffe genutzt wird. Abgesehen davon, dass der Treibstoff besonders hohe Treibhausgasemissionen verursacht, ist seine Konsistenz auch noch zäh wie Teer. Das erschwert die Reinigung der Küsten von Mauritius zusätzlich.

Greenpeace fordert Untersuchung der Havarie

In den unberührten Lagunen von Blue Bay, Pointe d'Esny und Mahebourg seien nun tausende Arten vom Ertrinken in einem Meer der Verschmutzung bedroht, klagt Happy Khambule von Greenpeace Africa. Dies habe schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, die Ernährungssicherheit und die Gesundheit von Mauritius. „Greenpeace Africa fordert die Vereinten Nationen und alle Regierungen auf, die Reinigungsbemühungen von Mauritius zu unterstützen“, so Khambule.

Die Umweltorganisation erhebt nicht nur gegen die Behörden schwere Vorwürfe, die laut Greenpeace erst viel zu spät gehandelt haben. Auch sei unklar, wieso der Frachter so nah an das Riff vor der Küste von Mauritius herangekommen ist. In einem offenen Brief fordert Greenpeace eine Erklärung der Reederei auf diese und weitere ungeklärte Fragen.

Internationale Hilfe läuft schleppend an

Es ist ein Wettlauf gegen die ZeitAuch wenn Länder wie Deutschland, Frankreich oder Japan längst Hilfe zugesichert haben, läuft diese bisher nur sehr schleppend an. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit – für Mensch und Natur“, erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer vor einer Woche. Deshalb habe die Bundesregierung dem Inselstaat am vergangenen Dienstag schnelle Hilfe angeboten. „Unser Havariekommando kann mit Spezialtechnik jederzeit aufbrechen“, so Scheuer.

Bisher sind es aber vor allem zahlreiche Freiwillige, die mit primitiven Mitteln wie den Haaren aus Friseursalons, Blättern von Zuckerrohrpflanzen und Plastikflaschen gegen das Öl kämpfen. Etwa die Hälfte des ausgelaufenen Treibstoffs könne laut der japanischen Reederei aufgefangen werden. Es wird jedoch Jahrzehnte dauern, bis sich die Natur vollständig von der Umweltkatastrophe erholt. jk


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