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Tagebau JänschwaldePinnower See weiter bedroht

Ein Boot mit einem Mann am Ufer eines Sees dessen Üferböschung von einem sinkendem Wasserspiegel geprägt wirkt.
Der Wasserspiegel im Pinnower See sinkt bedrohlich, wie hier im Sommer 2018. (Bild: Global Fish, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)     

Im Tagebau Jänschwalde darf weiter Kohle abgebaut werden – trotz großer Bedenken. Denn der nahegelegene Pinnower See leidet wegen des Tagebaubetriebs unter erheblichen Wasserentzug. Umweltverbände versuchen den Betrieb zu stoppen.

04.05.2021 – Nur wenige Kilometer trennt den Pinnower See von der nördlichen Spitze des Braunkohletagebaus Jänschwalde. Neben dem riesigen Loch des Tagebaus ist der See kaum zu erahnen. Und die negativen Auswirkungen des Tagebaus sind immens. Seit Jahren schrumpft das ca. 54 Hektar große Stillgewässer. Grund ist die Grundwasserabsenkung für den Tagebau.

Beim Braunkohleabbau ist eine Grundwasserabsenkung rund um den Tagebau notwendig, da dieser sonst mit Wasser volllaufen würde. Das Grundwasser muss dabei bis unter die abzubauende Kohle abgesenkt werden, um unter anderem die Standsicherheit der riesigen Kohlebagger zu gewährleisten. Dafür werden rund um die Tagebaue Entwässerungsbrunnen installiert.

Bereits 2018 hatte das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) in Brandenburg die LEAG, den Betreiber der Tagebaue in der Lausitz, aufgefordert in mehrere Seen Wasser einzuleiten, um die durch den Tagebau bewirkte Grundwasserabsenkung auszugleichen. Das musste auch im Pinnower See geschehen, denn zwischen 1998 und 2015 sank der Wasserspiegel nachgewiesenermaßen um 1,5 Meter.

Tagebaustopp 2019

Auch weitere Moor- und Feuchtgebiete rund um den Tagebau drohen auszutrocknen. Deutsche Umwelthilfe (DUH) und Grüne Liga erreichten aus diesem Grund im September 2019 einen Stopp des Tagebaus. Sie klagten gegen den damals genehmigten Hauptbetriebsplan und eine fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung bezüglich der Folgen der Grundwasserabsenkung und bekamen recht. Doch der Stopp war nur vorübergehend. Im Februar 2020 schließlich genehmigte die Bergbehörde LBGR den Hauptbetriebsplan für die Jahre 2020 bis 2023 inklusive vorliegender Umweltverträglichkeitsprüfung.

Bereits zu diesem Zeitpunkt legten DUH und Grüne Liga fristgerecht Widerspruch gegen die Genehmigung des Hauptbetriebsplan ein. Dazu reichten die Umweltverbände gestern eine detaillierte Begründung vor. Cornelia Nicklas, Leiterin Recht der DUH, sagt: „Wir halten die aktuelle Betriebszulassung für rechtswidrig. So hat sich gezeigt, dass die Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) den vom Tagebau verursachten Wasserentzug aus dem Pinnower See nicht unter Kontrolle hat.“

Die angeordnete Wassereinleitung in den See ist gescheitert, daher muss der Tagebau als Hauptursache des Wasserentzuges gestoppt werden

René Schuster Braunkohleexperte der Grünen Liga

Denn trotz umfangreicher Wassereinleitung durch die LEAG sank der Wasserstand des Pinnower Sees in den letzten beiden Jahren weiter. Dabei sollte in diesem Frühjahr eigentlich wieder der Wasserstand von 2010 erreicht werden. Für René Schuster von der Grünen Liga in Cottbus ist klar: „Die angeordnete Wassereinleitung in den See ist gescheitert, daher muss der Tagebau als Hauptursache des Wasserentzuges gestoppt werden.“ Schuster verweist auch auf Anwohner und Nutzer des Pinnower Sees, die seit Monaten mit Petitionen ebenfalls versuchen den Tagebaubetrieb zu stoppen – Bislang erfolglos.

Des Weiteren verweisen DUH und Grüne Liga auf die von der LEAG vorgelegte Flora-Fauna-Habitat-Prüfung (FFH-Prüfung), die nach Meinung der Umweltverbände mit erheblichen Mängeln behaftet ist. Bezüglich vorhandener Eichenbestände und darauf angewiesene geschützte Tierarten erklärt die LEAG, dass es in den ausgewiesenen Schutzgebieten keine Eichenbestände mit Kontakt zum Grundwasser gebe und diese damit nicht gefährdet seien. Dem widerspricht jedoch ein von der Grünen Liga beauftragtes Gutachten, wonach ein Teil der Eichenbestände sehr wohl grundwassernah sei und empfindlich auf Grundwasserabsenkungen reagiere. Die FFH-Prüfung sei daher unvollständig.

Mitarbeiter in Kurzarbeit

Nach aktuellem Stand soll im Tagebau Jänschwalde noch bis Ende 2023 Kohle abgebaut werden. Doch bereits jetzt ist der Kohleabbau nicht mehr rentabel für die LEAG. Mitte März schickte der Energiekonzern einen Teil seiner Belegschaft in Kurzarbeit. Dies betrifft vor allem den Tagebau Jänschwalde, dessen Betrieb bis August komplett eingestellt wurde.

Trotz hoher Auslastung zu Beginn des Jahres macht die LEAG mit der Kohleverstromung Verluste. Geringe Strommarktpreise und der europäische Emissionshandel sind für die LEAG problematisch. Doch ungeachtet dieser Entwicklungen plant die LEAG ab August im Tagebau Jänschwalde weiter Kohle abzubauen. Dafür wird, trotz aktuellem Stillstand in der Braunkohlegrube, weiter Grundwasser in der Umgebung abgepumpt.

Und durch die aktuelle Verzögerung und Unrentabilität der Braunkohle, gibt es sogar Überlegungen den Kohleabbau im Tagebau Jänschwalde zu verlängern, womöglich bis 2026. Ob die Braunkohleverstromung jemals wieder rentabel wird, ist jedoch mehr als fraglich. Der Pinnower See droht indes weiter zu schrumpfen. mf   


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